Rezension Biografie: Magellan, von Tim Joyner (1992) – 4 Sterne – mit Vergleich

Der Biologe Tim Joyner hat zunächst sein Material nicht im Griff: Eifrig will er über alle Hintergründe und Umstände aufklären – und verwirrt den Leser doch bloß mit fast unkontrollierter Faktenflut und teils ausschließlich historischen Ortsnamen. Joyner beginnt mit der Geschichte der Seefahrt seit 4000 vor Christus und präsentiert allerlei adliges und kirchliches Personal ein bis zwei Jahrhunderte vor Magellan. Das Buch hat bis zum Beginn der Seereise – auf Seite 117 von 244 Seiten Haupttext  – keinen Fluss, weil Joyner immer neue Nebenaspekte aufgreift. Im Vergleich liest sich Lawrence Bergreens Magellantext weit angenehmer, obwohl es auch dort Unterbrechungen gibt.

Joyners Kapitulation vor dem Stoff erhellt schon aus den ersten Überschriften:

  1. Foreword by William Manchester,
  2. Author’s Note,
  3. Acknowledgements,
  4. Prologue,
  5. Down to the Sea in Ships/Early Seafarers.

Hoffte man beim Prolog endlich in die Handlung einzusteigen, so erscheint dort ein kursivierter Absatz über die Rückkehr der letzten Weltumrundungsüberlebenden 1522 (damit beginnt auch Magellan-Biograf Bergreen), dann eine unübersichtliche Magellan-Kurz-Bio, und dann die Geschichte der Seefahrt seit 4000 v.C. Sehr, sehr unübersichtlich.

Die Sprache ist eher monoton, gelegentlich mit abrupten Themenwechseln, immerhin auch ohne Angeberei.

Aufbau des Buchs:

Bei einem Gesamtumfang von etwa 375 Seiten belegt der Haupttext nur etwa 244 Seiten. Die weiteren Seiten bringen mehrere Vorworte, teils kommentiertes Literatur- und Quellenverzeichnis, Fußnoten, Teilnehmerlisten, Magellans Testament, Schiffbaudetails, Danksagung etc. Verblüffend, dass Joyner Kurzbiografien einiger Expeditionsteilnehmer aus dem Haupttext herausnimmt und auf 28 Anhang-Seiten packt. Die Fußnoten enthalten nicht nur Literaturverweise, sondern gelegentlich auch inhaltliche Anmerkungen, so dass Interessierte immer noch hinten nachschlagen müssen, um alle Fakten zu erfahren.

Vergleich mit anderen Magellan-Biografien:

Joyner bringt mehr Abbildungen als die Magellan-Biografen Zweig und Bergreen, vor allem zum Schiffsbau, und einige sehr grobe Landkarten. Joyner liefert mehr allgemeine Hintergründe, die nichts mit Magellan zu tun haben, er zeigt mehr Abbildungen und Karten, die Karten sind allerdings äußerst schlicht. Er schildert auch mehr maritime und geografische Details, v.a. aus der Magellanstraße. Er erzählt aber vor allem bis zum Beginn der Seereise konfus.

  • Vergleich mit der Magellan-Biografie von Laurence Bergreen: Joyner bringt weit mehr Hintergründe als Bergreen, historische ebenso wie Magellan-Details, erzählt jedoch sehr unübersichtlich und zu ausführlich. Das Liebesleben der Seeleute schildert Joyner fast so ausführlich wie Bergreen, wenn auch mit interessanten Abweichungen bezüglich Minderjährige und Palang-Rezeption (Zweig hält sich weit mehr zurück). Joyner ist detaillierter bei Schiffsbau und Geodaten. Joyner sieht Magellan noch kritischer als Bergreen, am positivsten beurteilt Zweig den Kapitän.
  • Vergleich mit der Magellan-Biografie von Stefan Zweig: Zweig klingt romanhaft, Joyner wie ein nicht sehr gut organisierter Professor. Magellans Jugend beleuchtet Joyner ausführlicher als Zweig und Bergreen, dazu liefert er weitere Hintergründe wie die Geschichte der Seefahrt seit 4000 vor Christus. Zweigs Magellan-Biografie inspirierte Tim Joyner einst zu seinem eigenen Magellan-Buch, doch er urteilt über Zweig: „a highly romanticized psycho-biography… not suitable for historical study“.

Rezensionen:

Kirkus Reviews:

A straightforward but tepid biography from fisheries biologist Joyner… Joyner proves unequal to the task of conveying either the spirit of this momentous event or of the remarkable man behind it. (Ninety illustrations.)

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