Rezension Bild-Text-Band: Steirisches Weinland. Eine Anthologie (1990, u.a.m. Texten von Reinhard P. Gruber, Gerhard Roth, Wolfgang Bauer) – 5 Sterne

Das schmächtige Coffeetable-Buch mit etwa 128 äußerst luftig (oder gar nicht) bedruckten Seiten zeigt mehrere kurze Texte über die südlichste Steiermark (teils als Schilcherland bekannt), dazu Landschaftsfotos in Farbe und SW. Der Schwerpunkt liegt auf Weinbau und -genuss, andere Merkmale der Region erscheinen nur am Rand.

Zu den Fotos:

Helmut Tezaks Fotos sind äußerst schwach. Sie wirken alle ähnlich, entstanden alle bei Sonnenschein offenbar in der wärmeren Jahreszeit und präsentieren durchweg betont schlichte Landschaften und Straßen in der Übersicht, darin unauffällig ein paar schlichtere Häuser. Kaum einmal gibt es einen besonderen Vordergrund – allenfalls ein Schild oder eine bröckelnde Straße. Tezak romantisiert nichts, zeigt weder Sonnenuntergänge noch malerische Buschenschankstuben. Aber er zeigt auch nichts, das zu den Texten passen könnte, etwa Menschen, alte Weinkeller oder Details von der Weinernte, die in einigen Aufsätzen detailliert auftauchen.

Tezak liefert lediglich eine Landschaft nach der anderen – immer in der Totalen, immer ohne Vordergrund, sehr eintönig wohl meist mit der selben Brennweite, ohne Autos, ohne Menschen (einmal sieht man klein einen Bagger). Dazu gibt es keinerlei Text, nicht mal eine Ortsangabe.

Zu den Texten:

Zu den Autoren zählen literarische Vorzeige-Steirer wie Reinhard P. Gruber, Gerhard Roth und Wolfgang Bauer:

  • Wolfgang Bauer kultiviert seinen Ruf als Schluckspecht und bringt zwei kurze, alkoholisierte Schnurren in der ersten Person, die nicht viel mit der Region zu tun haben (auch wenn Schnurre 2 im Zielgebiet spielt)
  • Gerhard Roth schreibt teils verträumt, teils informativ über die Steiermark, ihre Weinkeller und seine Assoziationen dazu. Der Text passt zu Roths in der selben Region angesiedelten Bücher Im tiefen Österreich und Der stille Ozean.
  • Reinhard P. Gruber produziert eine Kette eigenwilliger Mini-Texte, je drei bis fünf Sätze lang. Sie erinnern deutlich an die ebenso kurzen „Weststeirischen Novellen“ aus Grubers Schilcher ABC (wie das Steirische Weinland im Droschl-Verlag erschienen). Sehr begrenzter Erkenntnis- und Unterhaltungsgewinn, aber definitiv eigenwillig.
  • Walter Grond redet sehr faktenreich und informativ, wenn auch punktuell unverständlich, vom Weinbau heute und früher in der Steiermark und in anderen Regionen.

Dazu kommen Texte von Helmut Eisendle, Alfred Kolleritsch und Franz Weinzettl.

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