Rezension: Aus dem Leben Hödlmosers, von Reinhard P. Gruber (1973) – 7 Sterne

Gruber bringt kurze, schlichte Episoden aus dem Leben des Steirerbauern Hödlmoser: Wie er die Fani ins Gebüsch und dann in die Ehe manövriert; ein Besuch auf dem Fußballplatz; heikle Begegnung beim Wildern; Kommentar eines Zeitungsartikels im Familienkreis; eine Beerdigung; und ein wüstes Ende. Die Geschichtchen sind nicht miteinander verbunden, der schmale dtv-Band ist schlecht gedruckt und schnell ausgelesen. Auch die knorrigen Grafiken von Pepsch Gottscheber erscheinen schlecht reproduziert.

Dabei schreibt Gruber ein markiges, trockenes, knarziges Deutsch, das gut zur Hauptfigur passt. Es erinnerte mich momentweise an Texte von Gerhart Polt und an Das Bayerische Dekameron und vielleicht Das Leben meiner Mutter von Oskar Maria Graf. Das macht Spaß zu lesen, der Textklang spiegelt bestens den Charakter der Hauptfigur.

Seltsam nur: Gruber verwendet in diesem „Anti-Heimatroman“ radikale Kleinschreibung, sogar am Satzanfang. Und im Anschluss an jede Szene liefert Gruber eine „Regieanweisung“; sie wiederholt in etwa das soeben Gelesene, allerdings mit vielen abstrakten Ausdrücken – es klingt wie eine Philosophieparodie von Willi Astor, oder wie blasiertes Feuilleton.

Die Geschichten spielen im Raum Judenburg in der nördlichen Steiermark. Später schrieb Grub über südlichere Gefilde wie das Schilcherland, so etwa in Das Schilcher ABC, das im Ton und teils im Inhalt deutlich an die Hödlmoser-Biografie erinnert.

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