Rezension: Alle sagen: I Love You (Musical von Woody Allen, 1996) – 7 Sterne – mit Video & Pressestimmen

Die meisten Hauptfiguren sind angeblich linksliberal, doch sie leben begütert in einer plüschigen, hochkonservativ ausgestatteten New Yorker Welt, in der man partout nur helle, gedeckte Farben sieht. Die Szenen in Paris und Venedig wirken wie touristische Kulissen (Buch, Regie, Darsteller Woody Allen, weitere Darsteller Julia Roberts, Goldie Hawn, Drew Barrymore, Natalie Portman, Edward Norton, Tim Roth, Alan Alda).

Dazu erklingen swingende Song-Klassiker der 30er und 40er Jahre, neu in sehr guter Tonqualität aufgenommen. Die meisten Hauptdarsteller singen ihre Stücke selbst. Viele Gesangssoli klingen darum viel zu dünn – doch Allen wollte offenbar dezidiert unprofessionelle Stimmen hören. Umso angenehmer der mehrstimmige Chorgesang eines Profiensembles.

Die verschiedenen Liebesgeschichten haben ein paar witzige Momente, ebenso die Tänze, die jedoch teils eher auf Akrobatik getrimmt sind – alles immer gut und engagiert gefilmt. Ich hab’s in einer gut deutsch synchronisierten Version gesehen, doch die englische Fassung ist gewiss witziger.

Die Kritiker:

  • Publikumsschnitt auf IMDB: 6,8 von 10 bei 30.186 Stimmen
  • Publikumsschnitt auf Rotten Tomatoes: 68 Prozent bei 24.697 Stimmen
  • Kritikerschnitt lt. Rotten Tomatoes: 79 Prozent (43 Rezensionen, durchschn. Wertung 7,2/10, 34mal positiv, 9 Verrisse; jeweils September 2016)

TV Spielfilm:

Allen inszenierte mit leichter Hand ein Musical – grandios! Beschwingter Liebesreigen der Neurotiker

Benjamin Henrichs in der Zeit:

Unter den unsterblichen Meisterwerken Woody Allens gewiß eines der sterblicheren Exemplare. Eine Enttäuschung… jeder singt so gut (und meistens: so schlecht und so falsch), wie er kann. Mit seiner kleinen, ganz privaten, brüchigen und schütteren Alltags- und Amateurstimme. Kein Singender möchte ein Sänger sein, kein Song hat den Ehrgeiz, ein Hit zu werden. Und auch die gelegentlich unvermeidlichen Tanzszenen hüten sich vor jeder auftrumpfenden Virtuosität… Kaum eine Figur des Films hat eine Aura…

Schnitt.de:

Natürlich ist Everyone says I love you kein Musical der zuckrigen Plüsch-Melodien und der chemisch gereinigten Bilder à la Lloyd Webber oder Walt Disney. Woody bleibt Allen, auch wenn er singt. Niemand in dem illustren Ensemble hat eine stimmliche Ausbildung genossen; die Gesangseinlagen bewahren sich somit eine charmante Unprofessionalität, die sie um Dimensionen lebendiger und genießbarer als die sterile Akkuratesse einer Evita machen. Fast jeder Song ist ein Höhepunkt… Das Resultat ist eine reife, perfekt ausgewogene Mischung aus kontrollierter Sentimentalität und reinster, manchmal überschäumender Komödie.

Rolling Stone (DE):

Im rosaroten Zuckerbäcker-Stil ä la Gene Kelly sitzen Edward Norton (der Stotterer aus “Zwielicht”) und Drew Barrymore an einem New Yorker Brunnen und säuseln melodienselig von der Liebe… Der Stadtneurotiker ist endgültig zahm geworden. “Alle sagen: I Love You” ist eine nostalgische Musikkomödie, der ironische Stachel fehlen.

Artechock.de:

…einen wunderbar leichten Film. Wie bei seinen Vorgän­gern der letzten fünf Jahre gilt aller­dings: der Kino­be­such lohnt sich, doch die nach­hal­tige Wirkung bleibt aus. Das große Comeback ist Woody Allen auch diesmal nicht geglückt – ein sehr schöner Film jedoch durchaus.


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