Rezension: Agnes, von Peter Stamm (Roman 1998) – 6 Sterne – mit Video & Links

Melancholischer, einsamer Sachbuchautor trifft in Chicago einsame Physikdoktorandin. Sie verbringen ein paar Nächte zusammen und sie fordert ihn narzisstisch auf, eine Geschichte über sie zu schreiben. Abitur-Pflichtlektüre in Baden-Württemberg, dramatisiert 2012, verfilmt 2016.

Wenn deutschsprachige Autoren über Schriftsteller schreiben, mehr noch über Schriftsteller in der Krise, bin ich sehr vorsichtig. Auch Peter Stamms erfolgreicher Romanerstling wirkt sehr konstruiert, wie ein Gedankengespinst, mit wenig Fleisch und Blut und echtem Leben. Sogar Stamms spröde Sieben Jahre haben deutlich mehr Wirklichkeit, und das bei sehr ähnlichen Motiven wie leidenschaftsloser Mann zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen oder ungeplante Schwangerschaft.

Vermutlich habe ich die Symbolik und die Wechselwirkung der Romanhandlung und der recht banalen Geschichte im Roman nicht verstanden. Ich sollte die reiche Sekundärliteratur lesen. Das dünne Buch hatte einen gewissen Sog, den ich mir nicht ganz erklären kann.

Flüchtige Assoziationen:

  • Der Roman Ich und Er von Alberto Moravia und dessen Verfilmung von Doris Dörrie, weil sich das Protagonistenpaar auch am Lesetisch in einer US-Bibliothek kennenlernt
  • Der Hindi-Film Meenaxi, in dem ebenfalls ein leicht frustrierter Autor Geschichten über eine Bekannte aus der erzählten Wirklichkeit schreibt
  • Wolf Haas‘ Roman Das Wetter vor 15 Jahren, in dem sich ebenfalls Ereignisse der erzählten Wirklichkeit und eines Romans im Roman mischen

Hintergründe:

  • Kritik und Hintergründe beim SWR: „Leicht zu lesen, aber dennoch nicht ohne raffinierte, anspielungsreiche Komplikationen. Mit Zitaten aus Literatur und Kunst wird ein symbolisches und intertextuelles Verweissystem entwickelt; die indirekte, medienvermittelte Wahrnehmung ist ein aktuelles Thema; die Beziehung zwischen dem Ich-Erzähler und seiner Geliebten Agnes gestaltet sich als wechselhaftes Rollenspiel.“
  • Kritikerzitate beim Autor (u.a. NZZ, Spiegel, SZ, FAZ, Times)
  • Wikipedia ausführlich über den Roman

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