Rezension: A Singular Woman, Barack Obama’s Mother, von Janny Scott (2011) – 7 Sterne – mit Presse-Links


Stanley Ann Dunham, Barack Obamas Mutter, war eine hochinteressante, weltoffene Intellektuelle, die in Hawaii erst einen Kenianer (Obamas Vater) und dann einen Indonesier heiratete und zeitweise mit Sohn in Indonesien lebte. Sie verbrachte insgesamt die Hälfte ihres erwachsenen Lebens in Indonesien, forschte und promovierte dort über Dorfwirtschaft, leitete Hilfsorganisationen und beriet Regierungen und Banken in Mikrokreditfragen. Sie starb 1995 mit 52 Jahren, lange bevor Barack Obama bekannt wurde. Die Biografie stammt von der NYT-Journalistin Janny Scott.

Keine Kritik:

Die Autorin, NYT-Journalistin Janny Scott, schreibt einen journalistischen Stil mit gelegentlichen Zeitsprüngen und schildert oft die Umstände, unter denen sie Interviews führt. Das liest sich insgesamt leicht. Allerdings erzeugt Scott manchmal ein Stakkato zu vieler Stimmen (wie in einer hektisch geschnittenen Dokumentation).

Und egal, ob Scott selber schreibt oder Zeitgenossen zitiert: Ann Dunham wird nie kritisiert, sondern zumeist deutlich gelobt, als Mensch, als Wissenschaftlerin und als Entwicklungsmanagerin; Scott verteidigt Dunham auch gegen die verbreitete Kritik, sie habe ihren Sohn zu lange allein gelassen. Scott fragt nicht einmal, ob Dunham andere Männerbeziehungen hatte als die zwei Ehemänner und Kindsväter, mit denen sie nur wenig Zeit verbrachte (eine einzige vage weitere Beziehung erscheint gegen Ende).

Kansas, Hawaii, Java:

Scott taucht tief ein in Dunhams Stammbaum und berichtet aus dem Bundesstaat Kansas um 1900 und davor. Dabei entdeckt die Biografin verblüffende Parallelen in den Lebensläufen verschiedener Generationen. Sie bringt dann aufschlussreiche Abschnitte über das US-Mittelschichtleben Ende der 1950er Jahre, die McCarthy-Zeit und über das multikulturelle East-West Center an der Uni Hawaii.

Ein großer Buchteil schildert Dunhams Zeit auf der indonesischen Insel Java, ihre Feldstudien in den traditionellen Dörfern, ihre Mitarbeiter und Kollegen – hot country reading fast vom Feinsten. Wer sich jedoch nicht für indonesische Dörfer und für Entwicklungsfragen interessiert, langweilt sich über viele Seiten. Die Biografin war mehrere Wochen vor Ort und sie hat in Indonesien wie in den USA zahllose interessante Kollegen Dunhams gesprochen.

Wiederholt zitiert Scott aus Dunhams lebendigen, humorvollen und warmherzigen  Briefen und aus Passagen ihrer Doktorarbeit. Ausgesprochen wenig berichtet Scott über Barack Obama und dessen Vater – dafür gibt es andere Biografien. Mehr über Barack Obama auf Java schreibt vor allem sein Biograf David Maraniss.

Aufbau:

Insgesamt sprach Scott für das Buch zwischen 2008 und 2010 mit fast 200 Personen, darunter offenbar ausführlich mit Dunhams Tochter und Obamas Halbschwester Maya und einmal mit dem amtierenden Präsidenten. Der Haupttext meiner Taschenbuch-Ausgabe hat 367 luftig bedruckte Seiten, dazu kommen etwa 19 Seiten Anmerkungen und Stichwortverzeichnis und acht nicht paginierte Fotodruck-Seiten in Schwarzweiß mit interessanten Bildern (die man zum Teil auch in anderen Obama-Biografien sieht). Einige weitere SW-Bilder erscheinen in ordentlicher Qualität auf dem Textdruckpapier. Zeittafel oder Stammbaum gibt es nicht, ebenso wenig wie Autografen aus Dunhams ausführlichen Feldforschungsnotizen (Autografen erscheinen jedoch in der 2009 veröffentlichten, gekürzten Dunham-Dissertation, Surviving against the Odds).

Assoziationen:

Dunhams Aufgehen in der indonesischen Gesellschaft vom Bauern bis zum Minister, ihre abenteuerlichen Reisewege und Aufenthalte in entlegenen Dörfern, erinnern oft an die humorvoll-selbstironisch-kenntnisreichen Berichte der Journalistin Elizabeth Pisani im Buch Indonesien und so weiter (2014, engl. Indonesia etc.). Dunham hätte ein ähnliches Buch schreiben können – ihre Notizen legen offenbar nah, dass sie solche Pläne hatte.

Rezensionen:

Die Rezensenten besprechen wie immer in erster Linie Dunhams und Obamas Leben und nicht die Qualität des Buchs.

New York Times 1:

an ambitious new biography… Scott travels from Kansas to Hawaii to Indonesia in an effort to account for the disparate forces that forged Dunham

New York Times 2:

…richly researched, unsentimental… we see Ms. Dunham take a path more difficult than her peers’

The New Yorker:

…his extraordinarily interesting mother… ((Janny Scott)) portrays Dunham as a feminist, an utterly independent spirit, a cultural anthropologist

Washington Post:

… using meticulous reporting, archival research and extensive interviews with Dunham’s colleagues, friends and family…

Kirkus Review:

A richly nuanced, decidedly sympathetic portrait of President Obama’s remarkably accomplished, spirited mother… considerable depth and understanding

Ian Buruma in NYRB:

To write a biography without mentioning the subject’s name in the title is unusual

Popmatters:

Scott writes objectively, but her sympathy for her subject is undeniable… it’s tough to read A Singular Woman and not develop a fondness for Ann

Christian Science Monitor:

Although interesting on an intellectual level, it lacks the kind of personal anecdotes

LA Times:

Only when we see Dunham with her family does the narrative open, and such moments are few and far between.

Stacy Schiff im Daily Beast:

… incisive…

Slate.com:

Scott hangs back from any such psychological speculation in favor of journalistic neutrality. You won’t find her offering judgments

Time:

A perfectly titled page turner about an unconventional American life, one governed by curiosity, ambition, perseverance and passion.


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