Reiseführer-Rezension von 2009: The Gambia & Senegal, von Katharina Kane – 7 Sterne

Sehr nützlich, aber mit rosa Brille

Katharina Loebeck Kane schildert Senegal und Gambia wirklich genau und kennerhaft, speziell Musik- und Vogelfreunde kommen auf ihre Kosten. Ich bin auf keine einzige falsche Telefonnummer gestoßen – das schafft nicht jeder Lonely Planet.

Dass die Internet- und E-Mail-Adressen aus dem Senegambia-Lonely-Planet oft nicht funktionieren, kann man Loebeck Kane nicht anlasten: Ganz offenbar wechseln oder verfallen diese Adressen allzu schnell. Wie üblich hat das Buch viele sehr nützliche Stadtpläne.

Westafrika durch die rosa Brille:

Was mich aber wirklich stört: Loebeck Kane sieht das Reisegebiet viel zu positiv, gießt selbst über mediokre Ziele noch kübelweise güldene Guidebook-Lyrik. Nachteile blendet sie verklärt aus. Das ist oft schön zu lesen – nur völlig unrealistisch (Lebensläufe hier und hier).

Dem Anschein nach lebte Loebeck Kane in Dakar und ist/war eventuell mit einem Senegalesen verheiratet. So empfiehlt sie ohne weiteres Markttouren und Dorfrundgänge, die weniger gut Assimilierte sehr belasten könnten. Der Rough Guide schreibt hier weit realistischer, auch wenn das dann deutlich rougher klingt.

Verblüffend zum Beispiel, dass Loebeck Kane zum CD-Kaufen den Marché Sandaga in Dakar empfiehlt. Der ist so von aufdringlichen, klebrigen, rüden Touristenschleppern durchseucht, dass man nur noch fliehen möchte – wenn sie einen denn lassen. Ein ruhiges Gespräch mit einem Händler ist völlig unmöglich.

In Saint-Louis und Banjul fällt der CD-Kauf viel leichter, doch hier nennt Loebeck Kane nur eine von mindestens drei interessanten Adressen. Auch die aufdringlichen, rohen, EQ-unterernährten „Bumster“ und ihre verheerende Wirkung an den bekanntesten Stränden Senegambias erwähnt Loebeck Kane kaum – weil es ihre rosarote Sicht der Region stört?

Nette Restaurantleiter:

Nur zu gern berichtet Loebeck Kane von reizenden Restaurateuren und Herbergsvätern. In der Praxis sind die Betreffenden allerdings nicht immer reizend, wenn überhaupt anwesend. Jedenfalls solange man sich nicht als Reisebuchautor outet.

Dennoch wie meist von Lonely Planet ein gutes Buch, das für meine Reise völlig unerlässlich war. Man muss nur bei jeglicher Beschreibung den Goldglanz wegdenken. Das allerdings fällt fast so schwer wie einen grölenden Bumster zu ignorieren.

Ich habe das Buch gedruckt gekauft und dazu einige Einzelkapitel als PDF-Dateien. So kann man Stadtpläne oder einzelne Seiten bequem drucken und in einer Klarsichthülle in die Hosentasche stecken. Die PDFs passen auch gut ins Smartphone. Die Stadtpläne aus dem LP-Buch lassen sich wegen der Halbtöne nicht gut fotokopieren.

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