Rezension Quasselkomödie: Der Stadtneurotiker – Annie Hall (1977, von und mit Woody Allen) – 2 Videos – 7 Sterne

In dieser Quasselkomödie reden Woody Allen und Diane Keaton unablässig und sehr intellektuell über ihre Beziehung. Dabei sind sie meist in New York, sonst in Los Angeles. Der mehrfach Oscar-gekrönte Film springt zwischen verschiedenen Zeitebenen und Woody Allen tritt gelegentlich aus der Handlung heraus, um direkt in die Kamera zu reden oder um andere Figuren anzusprechen.

Mitunter wird die Leinwand geteilt und in beiden Bildhälften fast zeitgleich schwadroniert. Einmal zeigen Untertitel, dass die Akteure anders reden als denken (übernächstes Video), ein andermal wechselt der Streifen kurz ins Comic-Genre.

Gute Unterhaltung:

Der funkelnde Redemarathon ist vergnüglich und würde teils auch als Buch funktionieren (englische Dialogtexte bei IMDB). Das Ganze wirkt aber auch selbstverliebt – fast möchte man den Film mit dieser Zeile aus dem Drehbuch kommentieren:

„It’s all mental masturbation… Hey, don’t knock masturbation – it’s sex with someone I love!“

Die erste Filmfassung dauerte 2:20 Stunden, doch die endgültige Kinofassung beansprucht sinnvollerweise nur 93 Minuten samt Vor- und Abspann.

Viel Lob:

  • Vier Oscars für: Bester Film, beste Regie, bestes Original-Drehbuch und Diane Keaton als beste Darstellerin; Woody war als bester Schauspieler nominiert
  • Rotten Tomatoes: Kritikerzitate und 98% Kritikerzustimmung, Durchschnittswertung 8,9 von 10
  • IMDB: 8,2 von 10 Publikumssternen (Oktober 2014, 150.480 Stimmen)
  • englische Hintergründe zum Film bei Wikipedia und IMDB

Kritikerstimmen:

The Guardian, Peter Bradshaw 2010:

„The best comedy film of all time… a gloriously convincing romance, packed with superb gags… virtually invented the relationship comedy in both movies and literature; it made possible the now degraded romcom genre… a deeply touching, funny, brilliantly told story. „

Roger Ebert 2002:

„Contains more intellectual wit and cultural references than any other movie ever to win the Oscar for best picture, and in winning the award in 1977 it edged out „Star Wars,“ an outcome unthinkable today… smarter than the ground rules of Hollywood currently allow. Watching even the more creative recent movies, one becomes aware of a subtle censorship being imposed, in which the characters cannot talk about anything the audience might not be familiar with“

Filmsite:

„A quintessential masterpiece of priceless, witty and quotable one-liners within a matured, focused and thoughtful film. It is a bittersweet romantic comedy of modern contemporary love and urban relationships“

Mann beißt Film:

„Wie die meisten Filme von Allen lebt auch dieser Genre-Klassiker der romantischen Komödie, der natürlich auch wieder eine unverschämt offene Liebeserklärung an Allens Lieblingsstadt New York ist, von dem schier unerschöpflichen Wortwitz, den (pseudo-)intellektuellen Obsessionen und der überraschend ergreifenden emotionalen Authentizität der recht schablonenhaft gezeichneten Figuren, die oftmals von den sympathischen, enthusiastisch spielenden Mimen belebt werden.“

Hans C. Blumenberg in der Zeit:

„Eine meisterhafte Balance aus komischer Erfindung und biographischer Erfahrung, er bringt die irrsinnigsten Einfälle in den Zusammenhang einer durchaus nicht immer nur heiteren Selbstanalyse… der Film eines genialen Komikers. Woody Allens Freiheit vom Zwang des Geschichtenerzählens, die immer wieder an den späten Buñuel erinnert, gestattet ihm die Erfindung von Gags, die noch kein anderer Komiker gewagt hat

Variety:

„The gags fly by in almost non-stop profusion, but there is an undercurrent of sadness and pain now, reflecting a maturation of style“

Die Bluray:

Die Bluray enthält Ton und Untertitel in mehreren Sprachen einschließlich Englisch und Deutsch, außerdem einen Trailer und – sonst nichts.




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