Pressestimmen zum TV-Biopic Die Spiegel-Affäre (2014)

Augstein-Witwe Gisela Stelly Augstein in der Zeit:

Tatsächlich ist es verblüffend, wie gut es den Filmemachern gelungen ist, einen veritablen Franz Josef Strauß auf dem Bildschirm erscheinen zu lassen: Er redet und gestikuliert wie Strauß, er geht, guckt und agiert wie Strauß, er ist ein ganz und gar authentischer Strauß… Tatsächlich ist an dieser Filmfigur Augstein so ziemlich alles falsch. Sie beansprucht in keiner Weise auch nur die geringste Ähnlichkeit mit dem richtigen Augstein zu haben. Nicht im Erscheinungsbild und nicht als Charakter… Keine Spur vom Witz und vom Humor und von der hintergründigen Ironie des jungen Augstein, wie sie dokumentiert sind… Mit so einem, wie diesem Film-Augstein, hätte es weder den Spiegel noch eine Spiegel-Affäre gegeben. Und auch kein Biopic.

Augstein-Tochter Franziska Augstein in der Süddeutschen Zeitung:

Im Film sind diese Redakteure unentwegt zu Bonmots aufgelegt. Das ist amüsant, auch wenn der Drehbuchautor Johannes Betz mangels Originalzitaten den Leuten Worte untergeschoben hat, die letztere mitunter erst ein bisschen oder gar viele Jahre später geäußert haben: Der Zuschauer mag es, wenn intelligente, kaum vierzig Jahre alte, tatendurstige Männer Witz zeigen… die Redakteure waren auch nicht so keck, wie der Film sie zeigt. Als die Sicherheitskräfte die Redaktionsräume besetzten, hatten etliche vor allem ein Gefühl: Angst… Der Film wird als „Politthriller“ ausgewiesen. Das stimmt, er ist spannend. Nur hat er leider mit der Spiegel-Affäre lediglich am Rande zu tun. Denn er kapriziert sich fälschlich darauf, dass es sich um eine quasi private Fehde zwischen Rudolf Augstein und Franz Josef Strauß gehandelt habe. Die gesamte Dramaturgie ist daraufhin zugespitzt… Rudolf Augstein wird gut gespielt von Sebastian Rudolph – allerdings hätte jemand ihm sagen sollen, dass Augstein ohne jeglichen hamburgischen Zungenschlag akzentfrei Hochdeutsch sprach. Außerdem hat Augstein niemals eine Schreibmaschine benutzt: Er schrieb von Hand.

FAZ:

Aus alldem macht der Regisseur Roland Suso Richter einen ziemlich packenden Politthriller, wie man ihn eher aus dem amerikanischen Fernsehen kennt. Der Drehbuchautor Johannes Betz bemüht denn auch zum Vergleich die „Mad Men“ – die coolen Jungs aus der amerikanischen Serie über die Welt der Werber in den sechziger Jahren. Die Herren tragen Maßanzüge, rauchen wie die Schlote, saufen bis zum Umfallen, geben der Sekretärin eins auf den Po und gehen fremd. Frauen sind Deko-Material und Gegenstand von Anzüglichkeiten… Francis Fulton-Smith ist in der Rolle des CSU-Politikers ein Augenschmaus und das Kraftzentrum des Films, nicht nur, weil sich der Schauspieler die Konstitution von Strauß angefuttert hat.

Welt:

Ein Spielfilm ist keine wissenschaftliche Qualifikationsarbeit, es geht vielmehr darum, die bekannten Fakten treffend und notfalls kreativ in Bilder umzusetzen… Über die „Spiegel“-Affäre kursieren weitaus gröbere Fehldarstellungen, als man sie dem ARD-Film attestieren muss… Gemessen an den zwangsläufigen Bedürfnissen des Formats ist die Faktentreue sogar erstaunlich hoch

Tittelbach.tv:

zunächst einmal ein dramaturgisch und stilistisch sehr hochwertiges, aber letztlich doch ein sentimentales Angebot an die Schwarzweiß-Generation, für jene also, für die ARD immer noch das ERSTE ist.

Frankfurter Rundschau:

Politik spannend erzählen – das ist eine Kunst, die im deutschen Fernsehen wenig gepflegt wird. Um so bemerkenswerter also, wenn es dann doch einmal gelingt. Der Film „Die Spiegel-Affäre“ (Arte/ARD) ist ein herausragendes Beispiel, wie ein Jahrzehnte zurückliegendes, kompliziertes historisches Ereignis spannend, mitreißend und aufklärerisch im Fernsehen präsentiert werden kann.

Taz:

Jenseits des Politischen ist „Die Spiegel-Affäre“ ein Film über eine Gang von Redakteuren, die euphorisiert sind von ihrem Job und die allesamt eine Was-kostet-die-Welt-Haltung ausstrahlen.

HansBlog.de:

Ich habe den Film bei Arte aufgezeichnet, dann aber nur durchgezappt als Politik-Interessierter. Der Film war mir zu schick-stilisiert mit zuviel moderner Hintergrundmusik. Francis Fulton-Smith als Strauß schien unrealistisch und redete falsches Bayerisch. Die offenkundigen Abweichungen von der historischen Realität störten mich (Details in Zeit und SZ, s.o.; ich finde, Doku-Fiktion muss historisch genau sein). Wohl realistisch, aber trotzdem fad, die fast frauenfreie und von der Regie betonte Männertümelei. Nora von Waldstätten wirkt jedoch fast so attraktiv wie ihre Vorlage Maria Carlsson.

  • Wikipedia zum Film, auch mit Kritikerstimmen


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