Rezension Palästina-Doku: 5 Broken Cameras (2011) – mit Video – 7 Sterne

Der palästinensische Bauer Emad Burnat im Westjordanland-Dorf Bil’in filmt von 2005 bis 2010 seine Familie und den Widerstand gegen israelischen Siedlungs- und Mauerbau. Eine Kamera nach der anderen wird zerschossen – fünf Stück sind am Ende kaputt.

Ab 2009 wurde Burnat von dem Israeli Guy Davidi unterstützt, der auch als Ko-Regisseur firmiert und gelegentlich wohl selbst filmte. Die Auseinandersetzung mit den Israelis nimmt den Hauptteil des Films ein, Familie gibt es nur am Rand. Die Dokumentation erhielt viele Preise, so einen Emmy und Auszeichnungen in Israel, und war Oscar-nominiert.

Die Bilder sind im 4:3-Seitenverhältnis, oft von guter Qualität, nur selten stark verwackelt. Die deutsche Stimme des Ich-Erzählers klingt zu dramatisch. Weil Guy Davidi erst spät hinzukam, wirken Bildsprache und Erzählstil leicht uneinheitlich, mitunter erscheint Burnat überraschend selbst als Filmfigur.

Deprimierende Szenen:

Tränengasbomben hageln in Olivenhaine, israelische Soldaten dringen in Privathäuser ein, Kinder werden verhaftet, ein Freund des Bauern wird vor der Kamera erschossen und stirbt. Ihr Land wird widerrechtlich beschlagnahmt und bebaut.

Die Soldaten, welche die Palästinenser mit überlegenen technischen Mitteln verfolgen und verletzen, erscheinen manchmal wie Handlanger der Siedlungsbauindustrie. Gelegentlich halten die Palästinenser mit ein paar  Nadelstichen dagegen. Doch das wirkt völlig hilflos; meist werden sie verprügelt, in Tränengas gebadet, gedemütigt, kleingemacht. So sieht es jedenfalls aus.

Einseitig:

Der Film ist ganz aus Palästinensersicht, bei vielen Auseinandersetzungen fehlt der Überblick über das Geschehen. Das Ganze erscheint zutiefst deprimierend und empörend.

Die Kritiker lobten das Gesehene, nur Variety hält dagegen:

„Shamelessly sentimental and manipulative in its construction, never resisting a chance to throw up images of saucer-eyed toddlers asking questions like, “Why did the soldiers kill my friend?“…

… it pays scant attention to the larger political context or, indeed, the strategies and tactics of protest in an age that offers sophisticated means of media management“

Emad Burnat schimpft übrigens auch auf die palästinensische Autonomiebehörde, die ihn nicht als Opfer einer Widerstandshandlung anerkennt. So wird er zwar angeschossen und dann in Tel Aviv behandelt, doch die horrende Krankenhausrechnung muss er bezahlen. In einem palästinensischen Krankenhaus wäre er wohl gestorben, sagt er.


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