Rezension Nigeria-Roman: It’s my Turn (engl. Swallow), von Sefi Atta (2008) – 8 Sterne

Den meisten Figuren geht es meist elend, doch sie kämpfen verbissen und der Buchton ist heiter-gefasst bis unterhaltsam (dt. Titel It’s my turn beim Peter Hammer-Verlag, engl. Titel Swallow).

Anstrengende Umgebung:

Nigerias einstige Hauptstadt Lagos hat in diesem Buch stinkende offene Kanäle, Straßen voller Bettler und nackter Verrückter, aggressive Autofahrer, überfüllte Busse und grundlos peitschende Polizisten. Männer sind lüsterne Betrüger, abergläubische Weicheier, Eheverweigerer und/oder erbärmliche Machos mit unfassbaren Schlips-Hemd-Kombinationen. Die Frauen bleiben (darum?) oft ohne Mann und kämpfen sich erfolgreich, aber nicht immer glücklich allein durch (ähnlich wie in Attas Erstlingsroman Everything Good Will Come). Redet irgendwo mal einer ein nettes Wort? Ich erinnere mich nicht.

Die Hauptgeschichte spielt in Lagos in den Achtzigern. Die Hauptakteurin ist Sekretärin in einer Bank und schlägt sich mit einem Bestiarium fieser Kollegen herum. Wir lernen aber auch ihre Mitbewohnerin und einige Nachbarn gut kennen.

In den Achtzigern lebte und arbeitete Autorin Sefi Atta selbst in Lagos, danach verbrachte sie viele Jahre in den USA, zuvor ging sie bereits in England zur Schule. Zur Familie ihres Mannes Gboyega Ransome-Kuti gehör(t)en bekannte Frauenrechtlerinnen und Unabhängigkeitskämpferinnen wie auch der formidable Saxofonist und Bandleader Fela Kuti.

Rückblenden in die Vergangenheit:

In kursiv gesetzten Rückblenden berichtet die sehr eigenwillige Mutter der Ich-Erzählerin aus dem Kleinstadtleben vor der Unabhängigkeit. Das ist eine eigene interessante Geschichte, die ich lieber en bloc als auf zahlreiche Einschübe verteilt lesen würde. In diesem Nebenstrang geht es auch um ein dunkles Geheimnis, das nie ganz explizit gelöst wird und für leicht melodramatische Absätze sorgt.

Atta schreibt ansonsten spannend und mit vielen knackig-trockenen Dialogen, ich habe das Buch verschlungen, trotz all der negativen Erlebnisse und Demütigungen. Wie in anderen Nigeria-Büchern spielen Geldnöte, Korruption und moralische Skrupel bei unsauberen Geschäften eine Rolle.

Wer mehr amüsantes Büroleben in Nigeria lesen will, bestellt Nwaubanis Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy oder Ikes A Squatter’s Tale. Attas Erstling Everything Good Will Come (2005, dt. Titel Sag allen, es wird gut, ebenfalls spannend) liest sich noch härter und hoffnungsloser als Swallow, hat aber deutliche Parallelen, so zwei Freundinnen als Hauptakteure und die Stadt Lagos als weiterer Hauptdarsteller.

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