New-York-Roman: Ballettratten in der Vandam Street, von Kinky Friedman (1999) – 5 Sterne

…, sagte ich zur Katze. Die Katze sagte natürlich nichts und rollte sich zusammen. Sie wusste, dass…

Diese oder sehr ähnliche Zeilen gibt es gefühlt 165 mal auf netto 165 Romanseiten (das englische Original heißt „Spanking Watson“). Schließlich spielt der Roman ja auch zum größten Teil in der Wohnung des selbstzufriedenen Ich-Erzählers. Friedman hat noch ein paar weitere Leitmotive, die er fast genauso liebevoll hätschelt und päppelt.

Oh, ich war nicht so glücklich:

Die kriminalistische Handlung ist konstruiert, papierdünn, sinnlos, unrealistisch. Gibt es zum Ausgleich besondere Komik? Nein. Kein Krimi, eine milde Freakshow.

Und Friedmans gerühmter Humor gründet zum Teil auf präpubertär-maskulinen Fäkal- und Sexualspäßchen. Sensible Gemüter sollten beim Essen etwas anderes lesen. Oft räsonniert er mehrere Sätze lang, ohne die Handlung vorwärts zu bringen.

Andere Stellen sind wirklich witzig:

Das hat aber nichts mit der Handlung zu tun, sondern mit punktuellen Kauzigkeiten. Es gibt amüsante Einzeiler, wenn auch nach einer Weile die Machart allzu vertraut klingt.

Die politischen Zitate im Friedman-Eintrag der englischen Wikipedia sind indes weit unterhaltsamer als der Ballettrattenroman. Für dessen deutsche Ausgabe gilt erschwerend: Friedman spielt mit Worten und Slang, das lässt sich gar nicht richtig übertragen.

Argumente für die Originalfassung:

Der Übersetzer hat seine Sache sicher teils gut gemacht, dennoch, wohl zwangsläufig, wirkt der deutsche Text etwas holprig. Das bleibt nicht aus, wenn man die Gags und Wortspiele im Deutschen exakt dort unterbringen muss, wo sie der fremdsprachige Autor im Original platziert hatte.

Noch mehr als andere Verfasser sollte man Friedman wohl im Original lesen. Wenn mir je die Literatur ausgeht, werde ich jedenfalls keine Friedman-Übersetzungen mehr bestellen.

Auf der Buchrückseite steht ein dickes Lob von Bill Clinton für Friedman. Ist diese Empfehlung nun kompromittierend oder schön für Ex-Präsident oder Autor?

Nunja. Ich hab’s trotz der verworrenen Konstruktion zu Ende gelesen, weil mir die New Yorker Käuze und Katzen ans Herz wuchsen, bevor ich das Buch ganz weglegen konnte.

…, sagte ich zur Katze. Die Katze sagte natürlich nichts und rollte sich zusammen.

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