Mittsommernacht [Story auf Deutsch]

Sommer. Wärme. Endlich.

Ich lag am Steg, räkelte mich auf dem Handtuch und genoß die Strahlen. Ah. Ein  giftgrüner Käfer marschierte unternehmungslustig an mir vorbei, sichtlich so zufrieden mit der Wetterbesserung wie ich. Eine Ente landete schnatternd im Schilf.

Tagelang war es grau gewesen, zeitweise goß es. Klar, Lesestoff hatte ich genug dabei, auch ausreichend Papier und Themen und Adressen für ellenlange Briefe nach Deutschland. Ich besaß einen Radio-Walkman und eine Tupperdose voller Jazzrock-Kassetten sowie zwei Packs Ucar-Longlife-Batterien, die ich noch zu deutschen Preisen erstanden hatte. Sogar eine letzte Flasche Bordeaux. Ein paar mal war ich über den Waldweg gestapft, anderthalb Stunden auf matschigem Nadelwaldboden, hatte mir zudringliche Kiefernäste aus dem Gesicht geschoben und Regentropfen auf Birkenstämmen bewundert, bis ich in Hetta auf Asphalt stieß.

Hetta; nun ja. Dies Städtchen hat nur ein paar hundert Einwohner, aber einen brauchbaren Supermarkt. Die Versorgung mit Obst, Gemüse und Keksen klappt, die Kommunikation weniger: Die Leute sind alle 30 Jahre älter als ich (im Kopf 100) und muffeln nur rum; oder sie tun so, als ob sie mit Englisch, Deutsch, Touristen-Finnisch und Grundkurs-Schwedisch nichts anfangen können. Ein Café, in dem ich streßfrei ein bißchen Gesellschaft hätte schnorren können, existierte auch nicht. Mir doch egal – durch Nieselregen stiefelte ich zurück in meine bescheidene Eremitage.

Wo ich nach tagelanger Wettersuppe fast schon meinen Entschluß ernsthaft in Frage gestellt hätte: Einen einsamen Hüttenurlaub an einem nordfinnischen See – der Wald, das Wasser und ich. (Die lauschige Hütte, die Sauna, ein Bötchen.)

Ich wollte Sonne. Heute hatte ich Sonne bekommen. Sie schien ausgiebig, seit morgens, erstmals so richtig seit meiner Ankunft vor fast einer Woche. Strahlend blauer Himmel, Licht und Schatten! Entspannung brach an, Klamotten und Kümmernisse rieselten zu Boden. Den ganzen Tag hatte ich beglückt draußen vor der Hütte und am Steg verbracht, mit Büchern, mit Walkman, Gitarre, einem Teller Spaghetti; das Briefpapier wäre beinah in den See geweht (sieben vollbeschriebene Seiten). Ich fühlte mich gut. Skandinavische Sonnentherapie – kostenlos. Jedenfalls hier und heute, amen.

Um zehn Uhr abends stand die Sonne noch immer strahlend über dem dunklen Nadelwald-Horizont am Nordufer. Im Lappland-Sommer geht die Sonne gar nicht unter. Dieser Tag war der längste überhaupt: der 21. Juni, Sommersonnwende. Johannisfest in Finnland. Die Finnen betrinken sich dann, glaube ich, noch mehr als sonst. Nicht, daß ich dabei sein wollte, nicht bei den komischen Figuren hier im Kaff Hetta. Nein, ich beging diesen Tag, oder vielmehr diese Nacht, diese Mittsommer-Tagnacht, lieber mit einem Glas Bordeaux am Steg. Ein zartbitterer Anlaß: Der längste Tag, die Sonne auf dem Höhepunkt – und ab sofort geht es nur noch bergab, 182,5 Tage lang düstere Aussichten. In Schaltjahren sogar 183 Tage.

Ein paar langgezogene weiße Wölkchen zogen über den silbrig grau-blauen Himmel. Sie spiegelten sich im See. Tagsüber hatte ich schon mal die Füße hineingesteckt: das Wasser war warm, vielleicht sogar warm genug für meine empfindliche Bauchdecke. Eine Hitzewelle in der ersten Monatshälfte hatte diesen langgezogenen See mit Namen Ounasjärvi aufgeheizt, wie ich gleich am ersten Tag beim Tourist Office Hetta erfuhr. Ich kann mir zwar einen Ort, den ich im Regen kennenlernte, kaum bei Sonne vorstellen – aber das Wasser wirkte trotzdem wohl temperiert. Und jetzt schien die Sonne ja.

Nachher wollte ich ein paar Runden schwimmen. Vielleicht unter der Mitternachtssonne. Wow. Aber zunächst hatte ich mir einen Spaziergang in Richtung Osten vorgenommen, also weiter vom Ort weg, am Seeufer entlang. Dorthin führte offenbar der Weg ab Hetta, an dem auch meine Hütte lag. Das Schmuddelwetter in den Tagen zuvor hatte nicht zu ausgedehnten Märschen eingeladen, es war auch nicht fotogen; und heute tagsüber mußte ich doch erstmal entspannen, genießen, abhängen. Aber jetzt, im intensiven „Nachmittagslicht“ abends um zehn, packte mich die Entdeckerlust.

Welch angenehme Luft. Mit Kamera, Taschenbuch und einer Prinzenrolle im Daypack stiefelte ich los. Ganz schön tatendurstig muß ich gewesen sein; ich erinnere mich genau, ich dachte nicht mal daran, noch die deutschsprachigen 22-Uhr-Nachrichten auf Radio Finnland zu hören.

***

Der Trampelpfad führte nah am Ounasjärvi lang. Hier war auch schon ewig keiner mehr hergekommen. Ich hüpfte über ein Matschloch und landete elegant im nächsten. Riesige Kaiserfarne grüßten stolz herüber. Dann hing irgendsoein Dornengestrüpp über den Pfad – das freute meine Flatterhose gar nicht. Erst hatte ich in der Badehose losstapfen wollen, aber das war mir letztlich zu, äh, „privat“ vorgekommen. Wasweißich, wenn ich einen Jäger treffe oder einen Rentier-Hirten, dann möchte ich nicht in der Badehose dastehen. Vielleicht gab es sogar noch mehr Ferienhütten, mit etikette-bewußten Mietern. Oder ist das zu spießig gedacht?

Manchmal löste sich der Trampelpfad auch ganz auf, aber verlaufen konnte man sich nicht; im Zweifel ging man einfach über Fichtennadeln weiter am Ufer entlang. Wurde es allzu dickicht, tauchte irgendwo daneben die kleine Spur wieder auf. Bücken, es geht durch den Wa-hald. Und es roch so intensiv.

Jeden schönen Platz adelte ich mit einem kleinen Lesestop oder mit einer Kekspause. Auf einem Baumstumpf oder auf einem bemoosten Stein mit Aussicht. Ah, dieser See. Immer die tiefliegende Sonne gegenüber. Sonne nachts um halb elf: Kein bißchen abendrot lief sie an, sie strahlte volle Kraft voraus. Man müßte den Sommer hier in Lappland verbringen und den Winter in Feuerland auf der Südhalbkugel, so könnte man zweimal pro Jahr die langen Abende genießen. Eine ganz eigene, unwirkliche Atmosphäre. Einerseits wie vier Uhr nachmittags; zum anderen aber liegt alles so still da. Die Vögel geben Ruhe, das Motorengebrumm aus der Ferne verstummt, kein Angler rudert mehr vorbei. Das Schilf raschelt noch leiser in der unmerklichen Brise. Wirklich etwas Beson-

***

Plötzlich standen sie vor mir. Ich hatte nichts von ihnen gehört.

Erstmal war ich genervt: Da brachen doch tatsächlich Leute in meine friedliche Waldidylle ein! Ich hatte eigentlich gedacht, vom Polarkreis bis zum Nordkap gehört jetzt alles mir allein. Förster waren das nicht: Ein Pärchen, sie vielleicht 25, er 28 oder so. Auf einer längeren Wanderung befanden sie sich ebenfalls kaum: Sie trugen Jeans, T-Shirt, Birkenstocks und keinerlei Tasche. Ich schob sofort die Krise: Hatte ich etwa Nachbarn, kaum eine halbe Stunde von meiner Hütte entfernt? War die göttliche Einsamkeit Illusion? Ich fühlte mich wie in Helsinki zur Stoßzeit. Ich suhlte mich im aufkommenden Selbstmitleid.

Und? Was jetzt? Ignorieren? Ich hatte wirklich keine Lust auf Smalltalk. Wollte mir meine frei fließende Einsamkeit nicht dadurch verderben, daß ich mich irgendwie an anderen orientieren muß. Ich hatte noch einiges zu lesen und zu schreiben. Ich fühlte schon den Gruppenzwang aufsteigen.

Andererseits: Wir waren vermutlich Nachbarn. Die hatten bestimmt in der Nähe ihre eigene Hütte. Irgendwann würden sie wohl auf ihren Birkies an meiner Behausung vorbeischlappt kommen. Bisher hatte es mich gar nicht gestört, daß die Hütte nicht abschließbar war. Aber jetzt, mit denen da im Anmarsch? Freundlichkeit schien angeraten: Ein bißchen Verbindlichkeit, und sie werden mir nichts Böses mehr antun. Also gebe ich jetzt doch was von mir? Und in welcher Sprache?

Die beiden musterten mich ganz interessiert. Sie wirkten, hm, neugierig-freundlich, sage ich mal, immerhin anders als die Muffköpfe im Ort Hetta. Sie standen da recht gemütlich und litten in dem Moment wohl weniger unter Hirnschwurbel als ich. Er guckte einigermaßen offen, trug mittellange braune Locken und hatte ungefähr meine Größe; ganz gelassen, die Hände in den Hosentaschen. Seine Freundin (?) hatte leicht gewellte, dunkelbraune Haare bis auf die Schultern und große Augen; ein Bein schob sie relaxed hinter das andere. Sie beguckte mich so aufmerksam wie ihr Begleiter und schien sich auch nicht unbehaglich zu fühlen.

Also, unsympathisch konnte ich die zwei nicht finden. Kontaktaufnahme war wohl angesagt. Immerhin, bei der Gelegenheit würde ich mich nach dem Weg erkundigen. Vielleicht endete er ja bloß im nächsten Sumpfloch.

„Hi“, sagte ich schließlich, denn das paßt in jede Sprache zwischen Garmisch und Kautokeino.

„Hi“, meinten sie.

Tja. Ich dachte, ich probiere jetzt mal Englisch mit deutschem Akzent. Damit gebe ich zwar meine wahre Nationalität preis, zeige aber zugleich, daß ich mich um Verständigung in einer internationalen Sprache mühe – und nicht etwa chauvinistisch auf Deutsch bestehe, das hier überraschend viele sprechen.

„You know where this trail is leading to“, fragte ich, „does it make sense to continue that way?“ Ich zeigte Richtung Osten, in meine Gehrichtung.

Damit signalisierte ich gleich auch, daß ich nicht vorhatte, noch ewig stehenzubleiben, um über die Schönheit des Ounasjärvi am Abend zu plauschen.

Der Junge guckte mich an, seine Augen blinzelten ins Gegenlicht. „Oh, it makes sense“, antwortete er. Dieses Englisch klang finnisch.

Pause.

Fortsetzung der Pause.

Zuviel redeten die beiden nicht! Jetzt zog eine Funk-Stille auf, die ich im Grund erst durch meine Fragerei zuvor heraufbeschworen hatte. Ich fühlte mich gedrängt, das Kommunikationsloch mit einer weiteren Phrase zu stopfen: „Does it follow the lakeshore all the way round?“

„Oh yes, you can walk for hours“, bekräftigte die Frau. Finnin. Sie guckte zutraulich.

Hm. Ich erhob mich; das ist auch angenehmer, wenn dir Fremde gegenüber stehen. Es tat natürlich gut, mal wieder zugänglichen Menschen zu begegnen, die Fragen normal beantworten, einen Neuling wie mich in aller Ruhe zur Kenntnis nehmen und nicht starrköpfig ignorieren wie die Dimpfls im Ort Hetta. Ja, vielleicht hätte ich mich sogar auch gerne weiter ausgetauscht – über die Gegend hier, über das Leben in Finnland, über die Politik und den harten Winter. Man könnte vor der Hütte gemeinsam einen Eimer Tee leeren… Aber im Urlaub hasse ich eigentlich Verabredungen – wer weiß, ob ich zum Termin tatsächlich noch Lust dazu habe. Und ich kenne mich: Wenn ich nach ein paar Tagen Einsamkeit nette Menschen treffe, dann taue ich unkontrolliert auf – und labere die mit jedem Detail zu, das mir bis dato widerfuhr. Dafür könnte ich mich jedesmal selbst auspeitschen. Die beiden hier, die wirkten so … so ruhig, so sicher, aber dabei kein bißchen arrogant. Deutsche hätten jetzt längst zu einer Vorlesung über den Wanderweg angehoben und was SIE schon alles für unvergleichliche Urlaubserlebnisse gesammelt hätten etc. blabla.

Nee, da leistete ich lieber Verzicht, schützte sie und mich vor meinen Ergüssen. Wer weiß auch, ob die so angenehm blieben, wenn erst die Anfangsphase überschritten war. Vielleicht laberten sie mich ja genauso zu. Pärchen: „Also WIR fanden den Ort ganz reizend….“, in dem Stil etwa. Nur allein weiß mann, was mann hat. Ich raffte mich auf, wuchtete den Daypack ganz lässig über die Schulter und sagte kernig: „Well, let’s see!“ Dann stiefelte ich entschlossen weiter auf meiner Route.

Andererseits auch schade.

***

Im Nachhinein kommt es mir vor, als ob nach dieser Begegnung ein leise schwingender Orgelton über dem weiteren Abend lag; nur eine einzelne Note.

Ich glaube, sie haben noch etwas wie „Bye…“ gemeint, als ich mich verdrückte. Keine Ahnung, ob sie überhaupt mehr wollten. Viele Pärchen kreisen ja überhaupt nur um sich selbst. Zwar hatten sie mich – auf durchaus sympathische Art – mit ihren freundlich forschenden Augen sozusagen beschnuppert; aber dies angedeutete Interesse war mir dann auch schon wieder zu viel gewesen, ich stehe nicht gern im Mittelpunkt. Egal: Ich war wieder allein, wieder im Wald, wieder am Seeufer, und an der nächsten Lichtung sah ich sie auch schon: Die Ferienhütte, die wohl den beiden anglophonen Finnen gehörte.

Sie stand 20 Meter vom Wasser entfernt und erinnerte stark an meine; vermutlich gab es auch nur einen großen Raum mit ein paar Stockbetten, dazu Tisch, Gasherd und eine rote Plastikschüssel zum Spülen. Für ein Pärchen sind die Stockbetten doof, dachte ich. Der Weg führte genau über ihre Wiese zwischen Hütte und See. Die zwei hatten wohl nicht mit fremdem Besuch gerechnet: Auf ihrer kleinen Holzterrasse lagen ein paar Zeitschriften, eine Tüte Kekse, eine Teekanne und ein Wasserball; vorne auf dem Steg flogen Handtücher und Badeschlappen herum, ihr Bötchen trieb schon fast weg. Insgesamt eine friedliche, einladende Unordnung. Bei mir vor der Hütte sah es ähnlich aus; ich glaubte endgültig nicht, daß die zwei – falls sie überhaupt noch bis dahin laufen – irgend etwas bei mir wegnehmen.

Ja, und ihre Tür stand halb auf. Edelmütig widerstand ich der Versuchung, genauer ins Innere zu stieren. Vielleicht waren sie eh gerade hinter mir, bloß jetzt nicht umdrehen. Da ging ich doch lieber diskret weiter, als ob nichts wäre, keine Hütte oder so. Interessiert mich doch gar nicht. Allerdings kriege ich so einen stocksteifen Gang, wenn ich mich beobachtet fühle. Ob die das jetzt merkten? Waren sie denn hinter mir?

Ich tigerte weiter. Jenseits der kleinen Privatlichtung wurde der Weg struppiger, und ich fragte mich, ob die wirklich schon stundenlang da hergelaufen waren. Die tiefe Sonne schien streifenweise durch den Nadelwald. Man brauchte fast eine Machete.

Oder hätte ich mit den beiden Finnen doch mehr anfangen sollen? Ich hatte mich vielleicht allzu verschlossen gegeben. Grübelgrübel. Schließlich lagen noch drei Wochen vor mir. Egal, jetzt war es zu spät. Ein fotogener, prächtig angestrahlter Farn brachte mich bald auf andere Gedanken. Nur ein einzelner, sattgrün geschwungener, majestätischer Arm rollte sich im intensiven Licht vor schwarzem Nadelwald-Hintergrund graziös aus – das war ein Natur-Motiv nach meinem Geschmack, das ich bei Gelingen auch der Mutter in den nächsten Fotokalender kleben konnte. Ich ging relativ weit weg von dem Farn, um ihn dann mit dem kräftigen 200er-Teleobjektiv anzupeilen: Das Tele schafft eine dichtere Bildwirkung und läßt all das unruhige Geäst hinter dem Hauptmotiv in Unschärfe verschwimmen. Ich mußte mich ziemlich hin und her biegen, damit das angeleuchtete Motiv nicht in meinem eigenen Schatten versinkt. Klick, ratsch. Beim Bücken machte ich mir natürlich auch die Hose dreckig. Klick, ratsch.

Jetzt merkte ich, daß das überhaupt ein schöner Platz war. Eine Mini-Lichtung am See, sogar inklusive Wackermann, wie er für einen gemütlichen Keks- und Lesestop erforderlich ist. Die Sonne überm See blendete noch immer. Es war bestimmt halb zwölf durch. Meine Entdeckerlust hatte nachgelassen. Der Gedanke an 30 Minuten Rückmarsch beglückte mich überhaupt nicht. Es ist ja so: Es sieht draußen aus wie heller Nachmittag, und du hast mords die Pläne. Eine Weile denkst du dir nichts dabei. Doch die Hormone lassen sich auf Dauer nicht täuschen und melden ungebeten: He, Nacht ist, bitte Ruhe! Und schon überzieht dich Trägheit und Unlust. Die skandinavische Wildnis liegt dir zu Füßen, doch dein schnöder Körper will ins Bett. Du protestiert natürlich, schließlich scheint ja die Sonne in der Hütte genau auf dein Kopfkissen. Zumal heute an Johannis, wer will da schon vorzeitig schlapp-

***

Yuchuh, platsch.

Unüberhörbar: Da war einer mit Karacho ins Wasser gesprungen. Nanu? Ich sah einen Großteil der Uferlinie eigentlich nur durch Sträucher und Schilf. Aber dahinten schien tatsächlich jemand zu stehen, das war der Steg des finnischen Pärchens! Hatte noch gar nicht realisiert, daß der in meinem Sichtbereich lag.

Viel erkannte ich nicht. Aber die Kamera mit dem 200er-Tele lag schließlich neben mir im Moos. Erst sah ich Gestrüpp in vierfacher Vergrößerung; dann fokussierte ich auf Unendlich und ortete, durch verwaschene Zweige: eine nackte Finnin. Das Mädchen von vorhin stand völlig ausgezogen am Steg und guckte in die Fluten; ja, da ruderte ihr Typ im Wasser, der hatte sich vorhin so lustvoll in die Fluten gestürzt (wohl unabgekühlt, das kann gefährlich sein). Sie plauderten, und dann zeigte sie ihm scheinbar einen Vogel. Toll: Finnisch ist die abgedrehteste Sprache der Welt, aber diese Geste benutzen sie auch. Er prustete Wasser in ihre Richtung, dann schwamm er aus dem Bild.

***

Die einsame Orgelnote klettert einen Ganzton nach oben.

Ich behielt die nackte Frau im Sucher. Ich meine, selbst im Tele erschien sie immer noch ziemlich klein. Ich kam nicht auf die Idee zu fotografieren. Aber ich habe die Kamera nicht gleich tugendsam wieder abgelegt. Denn schlecht sah sie immerhin nicht aus. Finnisches Design spricht mich schon immer an, und Anblicke wie dieser waren in letzter Zeit selten gewesen. Was ich gut fand: Sie stand da völlig ungekünstelt und selbstbewußt. In einer wohl ironischen Debatte hatte sie die Hände in die Hüften gestützt. Ich genoß ihren vollen Körper. Sie war nicht besonders groß. Ein schmaler, aber griffig gepolsterter Rücken mündete über ein gebärfreudig breit ausgestelltes Becken in einen ausdrucksvollen, starken Hintern; den hätte ich gern auch aus der Nähe gesehen. Sie stand  auf kräftigen, runden, wohlproportionierten Schenkeln. Ich fragte mich, ob sie dabei Gänsehaut oder vielleicht sogar eine nasse Haut hatte; das war nicht zu erkennen.

Es ist eigentümlich, jemanden unbemerkt durch ein Tele-Fernrohr zu beobachten – besonders, wenn man so im Bewußtsein der eigenen Einsamkeit ist wie ich damals. Ein bißchen schlechtes Gewissen kam auf, aber sie erfuhr ja nie davon. Vielleicht hätte es ihr gefallen, daß sie mir gefiel.

Auch ihre Brüste. Das heißt, ich sah nur eine sehr ansehnliche Brust von der Seite. Eher groß war sie und guckte ebenso aufrecht in die Landschaft wie die ganze Frau. Dazu ein ganz leicht gewölbter Bauch. Insgesamt: Rasend machte der Anblick nicht, aber doch Appetit. Vielleicht hätte ich ein 500er-Tele haben sollen. Ich spürte, wie  meine Phantasie in Bewegung kam und der Schwanz in der Hose erwachte. Genau das hatte ich doch bei diesem Urlaub vermeiden wollen. Ich wollte Ruhe und Selbstbesinnung –  Egopeditionen ins Landesinnere meiner Seele und kein sinnloses Fiebern nach unerreichbaren Frauen.

Jetzt kam der Mann wieder auf sie zugepaddelt. Der verschmähte den Anblick auch nicht. Die zwei palaverten. Dann guckten beide plötzlich in meine Richtung. Ich legte wie ertappt ganz schnell die Kamera aus der Hand. Am liebsten hätte ich noch den Kopf weggedreht, damit sie mich auch ganz bestimmt nicht sehen. Unwahrscheinlich, daß sie tatsächlich etwas von mir mitkriegten, denn ich saß knapp hinter dem dichten Gebüsch, und das in dunkler Kleidung; aber mies fühlte ich mich in dem Moment.

Nein, sie merkten wohl nichts. Ich blieb erstmal brav ohne Kamera sitzen. Die Frau startete seltsame Bewegungen und drehte sich ein paar mal. Das schwarze Schamhaar-Dreieck kam sogar ohne Tele zur Geltung. Ihre Performance machte mich neugierig, so daß ich – einerseits gegen den eigenen Willen, ehrlich – doch wieder zum Apparat griff.

Der Sucher zeigte: Das war ein anmacherischer Tanz. Sie hatte die Hände über dem Kopf zusammengelegt und drehte sich ganz langsam auf dem Steg. Ich sah jetzt die beiden üppigen Brüste, die sich natürlich durch die Körperhaltung noch aufmerksamer präsentierten. Meine Kamera schlug dazu per Sucher-Display eine 1/30-Sekunde vor. Das Mädel setzte in fließenden, geschmeidigen Bewegungen ein Bein vors andere. Auch wenn das jetzt wie ein abgeschmuddeltes Klischee klingt: Sie ließ – zäh wie Honig – die Hände vom Kopf über ihre Brüste gleiten und weiter nach unten; was die Hände da taten, verdeckte in dem Moment allerdings ihr Körper.

Besonders verklemmt war diese Finnin nicht. Und ihr Typ beguckte sich die Show ganz ungeniert. Ich weiß gar nicht, ob ich mich das an seiner Stelle getraut hätte, mein Girl so offen als Lustobjekt anzustarren. Die beiden hatten aber keine Probleme damit. Dann schwebte sie vor zur Leiter und ließ sich ever so slowly ins Wasser gleiten.

Ich saß da hinterm Busch, und es sprengte mir fast die Flatterhose. Hoffentlich kam jetzt keiner vorbei, denn eine feiste Erektion läßt sich in dem Fummel nicht gut verstecken. Ich mußte, wollte, sollte jetzt baldmöglichst saftvoll onanieren. Ich war einerseits müde und andererseits erregt. Ich wußte, daß ohne Spannungsabbau nicht an Schlaf zu denken war. Ich packte die Kamera weg und griff mir ein Stück Prinzenrolle aus der Tasche, wohl eine Übersprunghandlung. Erst dachte ich, ich hol‘ mir gleich hier auf dem Stein einen runter. Dann kann ich vor allem mit unverdächtiger Hose wieder zu meiner Behausung wandern. Aber ich sparte mir die Aktion doch lieber für die Hütte auf: Dort konnte ich mich wohlig aufs Bett legen, nach Belieben die Stellung wechseln und mußte keinen überraschenden Besuch fürchten; ich konnte Musik dabei hören, von appetitlichen Finninnen am Seeufer phantasieren und mußte nicht mal still sein dabei. Ein würdiges Mittsommernachtsfest. Vorfreude.

Ich mußte nur erst zu meiner Hütte. Der Weg dorthin führte natürlich wieder am Ufer des finnischen Pärchens vorbei. Die beiden nackt im Wasser, und ich pirsche mit erigierter Flatterhose über den Gehweg – also das brauchte es wirklich nicht. Ich wollte den beiden auch nicht das Gefühl geben, daß ich sie schon länger beobachtet habe; das erhöhte kaum die Chancen auf einen lockeren Plausch an späteren Tagen.

Also versuchte ich, mich durchs „Inland“ an ihnen vorbeizuschmuggeln. Um auf dem Uferpfad gar nicht erst aufzufallen, schlug ich mich erstmal südlich, landeinwärts ins Nadelholz; ich wollte die Finnen im Bogen umgehen und erst weit jenseits ihrer Hütte wieder auf den Uferpfad stoßen. Etwas bescheuert kam ich mir schon vor bei diesem unfreiwilligen Indianerspiel. Zumal es auch noch sumpfig wurde. Mit meinen Birkenstocks machte ich eine Fußreflexzonen-Lehmtherapie, und die dünne Hose schützte mich auch nicht gut vor zudringlichem Nadelgehölz. Einmal blieb der Daypack an einem Ast hängen, und ich hätte mich fast hingelegt dabei. Mühselig arbeitete ich mich in einer schrägen Linie vom Ufer weg. Ein paar Kratzer im Gesicht holte ich mir auch noch, und einen kleineren Riß ins T-Shirt. Schöne Moose wuchsen da teilweise, eigentlich ein Fall für die Nah-Linse; aber mit Fotografieren hatte ich jetzt nichts mehr im Sinn.

Dann war Schluß. Ich stand vor einem Stacheldrahtzaun, durch den sich auch noch Junghölzer wanden. Offenbar eine Rentier-Grenze oder so etwas. Ich schätzte, daß der Zaun knapp hinter der Hütte der Finnen herlief. Gut, in Lebensgefahr hätte ich auch noch diese Hürde gemeistert; aber jetzt wollte ich eigentlich nur möglichst schnell in meine bescheidene Klause. Vielleicht konnte ich mich an den Finnen vorbeistehlen, ohne daß sie es merkten. Vielleicht zogen sie ja in der Seemitte ihre Bahn oder vögelten an einem anderen Strand. Ich stocherte also wieder auf das Ufer zu; einmal versuchte ich sogar noch, mit dem Teleobjektiv die Lage am Ufer auszuspähen. Aber als der Sucher nur Grünzeug zeigte, war mir das auch zu blöd: Ich geh‘ jetzt dort  vorbei, schließlich führt der Weg nunmal durch ihr Gelände. Selbst schuld, wenn sie in aller Öffentlichkeit posieren.

So endete mein kurzes, untapferes Busch-Abenteuer. Ich stapfte senkrecht zurück zum Uferpfad; so würde ich nicht ausgerechnet bei der Finnen-Hütte aus dem Wald auftauchen, sondern ganz zivilisiert des Uferwegs kommen. Eine Erektion gab es sowieso nicht mehr zu verstecken – die hatte sich beim Kampf mit der grünen Hölle längst verzogen. Dafür zeigte ich mehr Kratzer und Dreck als bei der ersten Begegnung; aber sollten sie doch irgendwas denken, wenn es ihnen überhaupt auff-

***

Plansch, schnauf.

Mit Vermeiden war wohl nichts. Noch bevor ich das Gelände des Pärchens erreichte, hörte ich sie im Wasser herumalbern, offenbar ganz in Ufernähe. Ob ich einfach nur zur Seite grüße und husch-husch vorbeistapfe, immer in Eile? Schließlich wußte ich, daß sie nackt herumschwommen, außerdem hatte ich das Mädel bei ihrem ziemlich erotischen und persönlichen Tanz beobachtet und mich daran noch aufgegeilt. Vielleicht schoben sie ein Nümmerchen im Wasser? Nee, sie mußten ja mit meiner Anwesenheit rechnen. Ich hätte mich gerne diskret ein Stück weiter gebeamt, 100 Meter reichten schon.

Die fröhliche Planscherei hörte nicht auf, ich mußte jetzt da durch. Ich ließ den Waldrand entschlossen hinter mir und schritt starren Blicks über die kleine Wiese. Sie würden mich in diesem Moment wohl sehen, wahrscheinlich halten sie mich für völlig verstockt, weil ich so blind-wütig dahermarschiere, oder vielleicht wirke ich auch nur besonders introvertiert, das wäre schon angeneh-

***

„Help! Help!“

Das war sie. Galten die Hilferufe mir? Passierte da etwas Ernsthaftes, oder neckten die sich nur? Untereinander würden die sich wohl kaum auf Englisch anreden. Und nicht so laut. Aber die meinte doch nicht mich? Hilfe, ich will kein Zeuge einer Gewalttat werden – helfen müssen gegen einen wild entschlossenen Triebtäter, der viel stärker ist als ich, dann noch zur Polizei, das bringt mir ja meinen ganzen Urlaub durcheinander, da renne ich jetzt lieber weg.

Und zack, ich schaue doch herüber, natürlich, mein Name ist Lot. Da standen sie gleich bei der Leiter, im Wasser bis zum Hals; der Typ klemmte dicht hinter ihr; er hatte sie mit den Armen umfangen und schüttelte sie hin und her. Beide wirkten ausgesprochen vergnügt. Tja, an diesen Leib hätte ich mich auch noch guter Dinge rangewanzt.  Erleichterung: Irgend etwas Böses geschah da nicht. Die guckten übrigens – zu mir. Er schüttelte sein Girl ein paarmal kräftig durch. Allerdings vermied er es dankenswerter Weise, bei der Rangelei ihre Brüste über die Wasseroberfläche zu lupfen.

„Help!“

Ihr Ruf galt mir, was sollte ich machen? Der Junge schleifte das Mädchen durchs Wasser, sie japste „Help“ und blickte aufmunternd zu mir rüber. Auch er wirkte ganz fröhlich, irgendwie ein bißchen stolz auf seine Machtposition; er ließ sein Auge erst auf ihren Schultern ruhen und dann auf mir:

„Come on“, meinte er.

Ich stand da wie gelähmt. Wollten die mich in ihre Wasser-Spiele hineinlocken? Aber warum? Ich dachte an Raubmord, sie könnten mich locker ersaufen, ins Schilf schieben und meine Nikon einstecken – mit dem ersten Finnland-Farn-Foto; wochenlang würde niemand etwas merken.

Und selbst wenn ich reinwollte: Ich hatte doch keine Badehose dabei. Ich wußte zwar, daß sie auch ohne im Wasser waren, also könnte ich wohl auch ohne; aber sie wußten nicht, daß ich das wußte. Erwarteten die etwa, daß ich ganz selbstverständlich nackt zu ihnen steige?

Dann kam mir aber ein ganz anderer Aspekt hoch: die Herausforderung. Also, wenn mir jemand sagt, das Timmelsjoch ist zu steil, da kannst du nicht drüberradeln, dann tue ich am nächsten Wochenende genau das; komme ich an einer Bungee-Anlage vorbei, dann schäme ich mich vor mir selbst, wenn ich feige NICHT in die Tiefe hüpfe. Ja, und wenn diese reizend frivolen Finnen mich offenbar ins Wasser kriegen wollen – warum nicht; es hatte auch einen Reiz, so über die eigenen Hemmungen im Gewaltmarsch hinwegzusteigen. Psychoabenteuer-Urlaub am idyllischen See. Die unerforschten Gipfel der inneren Blockaden bezwingen und in den Abgrund dahinter blicken – diesen Slogan wollte ich umsetzen und später, Lappland-getestet, an Reinhold Messner verleasen.

***

Die Orgelnote, die im Rückblick dazu erklingt, zerspringt in zwei schnell alternierende Töne.

„You need help?“, fragte ich also das Mädel sehr intelligent. Ja, ich schwenkte in Richtung Wasser ein. Ich dachte noch, ich muß aufpassen, daß ich mich nicht ganz auf sie konzentriere und den Boy außer acht lasse; sowas passiert mir leicht und ärgert mich selber. Ich suchte die beiden Gesichter nach Signalen ab, die vielleicht im letzten Moment einen Vorwand geben, mich noch aus der Affäre zu ziehen. Würden sie vor der eigenen Einladung zurückschrecken und gleich signalisieren, daß alles ein Scherz war, daß ich besser doch weiter tigere zu meiner Hütte? Indes, ich blickte in heitere Gemüter. Bitte!

„Yeah, you must come, this person is killing me“, japste sie und biß sich gutgelaunt in die Lippe. Es schien kein Zurück zu geben. Irgendwie war ich sogar schon bis auf den Steg gestrauchelt, verlegen, ängstlich, vor Verklemmung verkrümmt und doch unfähig, aus dieser Sache wieder auszusteigen.

Der Typ meinte: „Save her, before it’s too late“ und rüttelte sie kräftig durch; er warf mir einen komplizenhaften Blick zu. Damit war ich endgültig über den point of no return.

Oder nicht? Gab es ein Zurück? Konnte ich auf die Uhr blicken und sagen, oh, um 0 Uhr 20 OESZ erwarte ich einen dringenden Anruf auf meinem Satelliten-Handy in der Hütte – oder mich auf eine Seewasser-Allergie zurückziehen? Nein, ich wäre mir feige vorgekommen. Timmelsjoch, Bungee-Rampe, Finnenpärchen im See – ich mußte jetzt da durch.

Ich stand ja fast schon an der Leiter!

Und vor neuen, dramatischen Problemen: Sollte ich vor den Augen dieser neugierigen Lüstlinge einen öffentlichen Strip hinlegen?! Flatterhose und nicht mehr taufrische Unterbüchse vor feucht-fröhlichem Publikum lässig zu Boden streifen, wir sind jung und locker? Aber ich stell‘ mich doch nicht unten ohne vor die auf den Steg. Nein, also wenn schon, dann zuerst das T-Shirt aus – bloß, dann sehen sie meinen  Bauchansatz eher. Was ist mit dem Daypack samt Kamera? Den mochte ich nicht so gern hier am Steg-Ende liegenlassen, wo er leicht über Bord gehen kann, wenn einer davortritt. Doch wenn ich ihn auf die Wiese zurücktrage, sähe das wie ein Rückzug aus und könnte auch mißtrauisch wirken. Mit Badehose im Gepäck könnte ich wenigstens fragen, ob ich ihre Hütte als „changing room“ benutzen darf, selbst wenn sie das spießig finden (und ich auch). Aber einen „undressing room“ zu verlangen, so kompliziert war ich auch wieder nicht.

Jedenfalls dachte ich, lange will ich nicht nackt vor denen auf dem Podest stehen, ich zieh‘ mich aus und steige zügig rein. Bestimmt mustert die mich und vergleicht meinen Body mit seinem – und er war nun mal ein paar Jährchen jünger und wohl auch sportiver.

Wie reinsteigen, das war gleich das nächste Jahrhundertproblem. Sollte ich, so wie er vorhin, ganz souverän vom Steg in die Fluten köppern? Aber unabgekühlt in ein fremdes Gewässer springen, das gibt einen Herzschlag – hab‘ ich so gelernt, passiert mir bestimmt so. Sieht es denn zu schlapp aus, wenn ich mich ganz bürgerlich über die Leiter zu Wasser lasse? Ich möchte denen dabei aber nicht mein Hinterteil entgegenstrecken. Nicht nur, weil es in den letzten Jahren zunehmend der Schwerkraft folgt, ich wollte die zwei auch nicht aus den Augen verlieren, wollte ihre Blickwechsel überschauen können; wer weiß, was da noch kam. Andererseits, mit dem Gesicht seewärts über die Leiter, das sähe wohl nur lächerlich aus.

***

„Hmm, is that true?“, replizierte ich schließlich schlagfertig. Selbst wenn ich heute darüber nachdenke, weiß ich selber nicht mehr genau, wie ich s dann ins Wasser schaffte. (Ja, ich schaffte es!) Ich glaube, zufällig habe ich den beiden eine Seite zugekehrt, um mich aus den Klamotten zu schälen. Mit einem markigen „Well, let’s see“ bin ich vermutlich locker-flockig zur Leiter vor, als ob das ganz normal wäre, nackt in Finnland, warum nicht, habe den Bauch ein bißchen eingezogen, der Schwanz verhielt sich unauffällig, und zielstrebig habe ich die ersten drei Sprossen ins Wasser genom-

***

Uh, soo warm war das aber nicht!

Stehe ich als Weichei da, wenn ich mir erst eine ausgiebige Schrecksekunde gönne, bevor ich ganz eindringe? Was mache ich jetzt? Ich wollte mir gern ein wenig Naß über den sensiblen Leib reiben, um ihn schonend auf das Kommende einzustimmen; aber dabei hätten Herr und Frau FinnIn mich stundenlang begafft, vermute ich mal. Also riß ich mich zusammen und kletterte weiter abwärts, schon meldeten fröstelnde Poren alarmiert Wanst-unter. Bis ich die letzte Stufe erreicht hatte und fast schon arglos den Fuß auf Grund gesetzt hätte – he, aber ich mag keinen Schlammboden, überhaupt nicht. Wer weiß, was sich da für unheimliches Gewürm im Grund suhlt und mich in die Tiefe zieht? Ich allein hätte mich längst vom Steg abgestoßen und wäre losgeschwommen, die Füße immer schön weit oben. Aber die standen ja gleich vor mir, wo sollte ich schon hinschwimmen? Oder sollte ich mich gar schwimmend aus der Situation retten und als erholungssuchender Senior einfach ein paar entfernte Runden abkraulen?

Natürlich, rational betrachtet, welche Gefahren lauerten denn im Grund dieses Sees meinen zarten Füßen auf? Gar keine. Wollte ich nicht, ich zitiere mich, die unerforschten Gipfel meiner inneren Blockaden bezwingen? Den Dingen auf den Grund gehen? Also wäre es wohl machbar, jetzt in den Schlammpfuhl hineinzusteigen, Hühner-Augen zu und durch. Tat ich dann wohl auch, denn die Geschichte geht ja weiter. Erst beim Niederschreiben wird mir bewußt, daß der Boden damals wohl solide gewesen war; jedenfalls erinnere ich mich nicht an irgendeinen fiesen unbehaglichen Schleim zwischen den Zehen.

Woran ich mich sehr gut erinnere, das ist das Finnen-Pärchen. Jetzt stand ich ihnen plötzlich auf gleicher Höhe gegenüber. Ich sah die Wassertropfen in ihren Gesichtern, seine nassen Haare, ihre Sommersprossen. Ich glaube, ihre Brüste schimmerten diskret unter Wasser. Hm, das war schon eine komische Nähe, wir drei hier nackt im Ounasjärvi zur Mittsommernacht. Ein bißchen zu intim für meinen Geschmack. Und außerdem, was ist, wenn jetzt eine besoffene Johannisnacht-Party vorbeikommt und meine Hose klaut? Oder die Kamera! Wehrlos müßte ich den Frevel mit ansehen. Gab es nicht vielleicht noch mehr Hütten? Du meine Güte, ist Nacktbaden in Finnland überhaupt erlaubt? Vielleicht darf man das nur in der typisch finnischen Saun-

***

„Ah, help, please, it’s too much!“

Jetzt schockelte der Typ sein Girl wieder durch und schleifte sie, eng angeklammert, tatsächlich ein paar Schritte zurück. Angenehm. Das ließ doch gleich mehr Übersicht und Freiraum.

„Now what, will you save her?“

Was hatten die vor mit mir? Warum fragt mich der Typ, ob ich sein Girl rette, warum kräht sie um „help“? Spinnen die vielleicht, ich meine: ernsthaft? Fast wäre ich wieder rausgestiegen. Ein Grund, warum ich drinblieb: Ich wollte ihre interessierten Augen nicht schon wieder auf meinem allzu nackten Leib wissen, versteckte ihn einstweilen lieber im braunen Naß.

„Now what are you doing?“

Ich glaube, auf dem langen Weg zum Gipfel meiner Blockaden hatte ich grade einen wichtigen Paß überquert, als diese Frage kam, denn ich sagte gleich: „Oh, I have to protect you, sure“ und paddelte durchs Wasser zu den beiden vor. Jetzt stand ich ihnen wieder so kribbelig nah wie zu Anfang. Die hatten so eine provokative Art drauf, die ich nicht länger nur einstecken wollte. Ich gab mir noch einen Ruck, raffte mich auf, guckte sie frontal an und stellte mich der Situation:

„So what can I do?“

Was sollte wohl für eine Antwort kommen? Sollte ich sie ihm entreißen? (Aber sie berühren wäre wohl doch etwas zu intim, naja, Klammern an den Handgelenken geht vielleicht, bloß erwischt man womöglich noch andere Körperstellen.) Oder sollte ich gar ihn niederringen? (Aber das mochte ich noch weniger, das konnte ja, angesichts der Frau, in echte Rivalität ausarten, und ich hatte keine Lust, hier zu unterliegen und womöglich kräftig Wasser zu schlucken.) Die Antwort war auch ganz anders:

„You must press the button“, meinte der Knabe.

Hä? Welchen „button“ soll ich drücken? Gibt es hier einen Alarmknopf oder vielleicht eine Notbremse? Hatten die mich beim Fotografieren beobachtet und wollten jetzt, daß ich ein Foto mache? (Aber doch nicht mit nassen Händen im Wasser.) Nein, ganz anders:

„You must press these buttons“, sagte der Mann. Und dann hob er sein Mädchen an… – bis ihre Brüste aus dem Wasser guckten.

„You know what I mean?“

Diese Brüste guckten mich geradezu an. Zwei rosige, schrumpelige „buttons“ luden zum Gebrauch ein. Mein Herz fing an zu klopfen. Was sollte das? He, das war schon ein guter Anblick, aber der kann doch nicht aus Jux seine hübsche Lady zur Fleischbeschau freigeben.

Ich guckte vielleicht ein paar Sekunden zu lang auf ihre „buttons“; anziehend waren sie durchaus, zumal naß. Ich traute mich ja auch kaum, den Kopf wieder zu ihren Gesichtern zu heben; wie sollten wir diese Situation menschlich bewältigen? Und dann war er da, der Blickkontakt: Er schaute mich ermunternd an, bewegte auffordernd den Kopf, wiegte seine Finnin leicht hin und her – „buttons“ über Wasser.

Und sie?

Sie guckte mich ganz treuherzig an! Keine Scham, keine Empörung, kein Verbergen, kein Widerstand gegen ihre Ausstellung als Brustobjekt. Nein, sie schien eher aufmerksam zu beobachten, was ich jetzt wohl tue. Sie lächelte:

„Yes, you must try.“

Was? Sie fängt auch noch selbst damit an? Ernsthafte Spinner, oder? Ich war völlig gelähmt. Da schüttelte er sie wieder durch; diesmal schaukelten die Brüste über Wasser gegeneinander, nach links und rechts. Hm, wirklich nicht von schlechten Eltern. Aber puh, wo war ich da gelandet? Ein Exhibitionisten-Pärchen? Da ermunterte mich der Typ nochmal:

„You really should press the buttons, you know.“

Und sie:

„Yeah, true.“

Ich weiß auch nicht, was dann genau los war mit mir. Irgendwie spürte ich die Herausforderung auf mich zukriechen, die Angst zu versagen, den unbezwingbaren Grat, den Abgrund ohne doppelten Boden, ich stürzte zu Tal ohne Bungee-Seil – und dachte, jetzt mußt du stark sein, laß dich nicht einschüchtern.

Ihre magischen runden Brüste schwammen vor mir auf dem Ounasjärvi und hypnotisierten mich. Ich trat einen halben Schritt näher, soweit das noch ging. Das Gipfelkreuz kam in Sicht, und ich war mit den Kräften am Ende. Aber bei mir ist alles eine Frage des Willens, und ich wollte es auf jeden Fall schaffen, so progressiv und cool dazustehen wie die beiden.

„So pressing the ‚buttons‘ would help you“, rezitierte ich peplos.

Dabei blieb mir fast die Stimme weg. Ich traute mich aber gar nicht mehr, auf eine Antwort zu warten. Jetzt kam das wirklich allerletzte steile Stück. Ich streckte meine rechte Hand aus – kein Widerstand in Sicht – bewegte sie in Richtung linke Brust – wo blieb der Protest – brachte Daumen und Zeigefinger in Position – nichts passierte – und nahm ihre Brustwarze – läßt sie, lassen sie das zu – zwischen die Finger.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht aufgeben. Ist das noch einer dieser falschen Gipfel, diese Zwischenhöhen, an denen du schon denkst, du hast es, aber dahinter geht’s nur weiter bergauf? You must press the button. Ich hatte diesen festen, stabilen, fast knackigen, recht langen, zylinderförmigen Brustwarzen-Stengel zwischen den Fingern. Begann ihn langsam zu massieren; ließ ihn zwischen Daumen und Zeigefinger hin- und herrollen; zog sanft mit einem Finger und gab Gegendruck mit dem anderen; hielt den Nippel sorgsam umschlossen, während ich Fingerkontakt mit der Umgebung aufnahm.

Mein Herz schlug bis zur Schädeldecke. Ich hätte mich fast übergeben. Was sollte nun passieren? Eine Tasse Tee in ihrer Hütte? Ich traute mich kaum den Kopf zu heben; ich blickte immer nur auf diese eine linke Brust – der Fach-Mann muß sich schließlich konzentrieren.

Da bewegte sie sich leicht, vielleicht hatte ihr Typ sie auch angeschoben. Aus? Würde ich jetzt gesteinigt, kastriert oder im Sauna-Ofen verfeuert? Ich hatte mindestens eine knallrote Birne; oder lila. Und eher aus Verwirrung guckte ich sie an, rannte in ihren Blick irrtümlich, eigentlich auf der Flucht vor einer solchen Begegnung. Sie schaute sehr, sehr gespannt-entspannt, falls das was sagt.

Ihre Stimme lag eine Oktave tiefer. Sie sagte: „Have you seen – there are TWO of these buttons.“

***

An dieser Stelle explodiert das Hin und Her der zwei Orgeltöne zu einem schrägen Dominant-Sept-Akkord, der mit Hall und Fade-out hinterm nördlichen Seeufer verklingt.

Puh. Schwitz. Stotter. Ich schwitzte wirklich, innerlich. Ich dachte bisher, ich bin schon ein cooler Typ, der viel wegstecken kann und manch skurrile Situation unerschrocken mitspielt; aber die hier läßt sich die Brust von einem Fremden kraulen und hat immer noch einen Spruch auf den Lippen. Mir wurde das zuviel. Wir standen jetzt auch ziemlich lächerlich da: Ich vor ihnen, 100 000 Gedanken im Kopf und eine wildfremde finnische Brustwarze in der Hand. Der Boy hatte so einen Ausdruck gespielter Spannung drauf; er schob von hinten den Kopf weit über die Schultern des Mädchens und blickte demonstrativ forschend auf ihre Brüste herab. Dann wandte er sich freudig an mich:

„Yeah, she’s right – there are two of them.“

Ich hatte gehofft, der Gipfel sei erreicht. Aber die zwei hier taten so, als ob die Besteigung erst bevorsteht. Auch wenn es unwahrscheinlich klingt: Ich stand da mitten in der taghellen Sommernacht nackt mit einem Finnenpärchen im Ounasjärvi und hatte eine weibliche linke Brustwarze zwischen den Fingern. Und wurde freundlich, aber bestimmt, dazu aufgefordert, die rechte doch bitte nicht zu vernachlässigen! In dem Moment dachte ich überhaupt nicht mehr daran, daß ich eigentlich längst in meiner Klause auf dem Bett liegen und es mir gutgehen lassen wollte. Woran ich dachte? Ich überlegte wohl, wie ich mich unauffällig vom Acker mache. Die Situation war absurd. Aber ich fand es auch absurd, jetzt diese Brust sausen zu lassen und stattdessen zu einem Smalltalk über Wanderwege im Ounasjärvi-Gebiet anzuheben.

Der Finne wiegte seine Freundin aufmunternd hin und her. Von ihren Brüsten ging zu dem Zeitpunkt auch so ein Sog aus, ein bißchen wie das vierte Glas Wein: Du hattest schon drei, und damit mehr als genug – und doch ist das vierte völlig unvermeidlich. Sie guckte interessiert in die Landschaft – schön hier, nicht wahr, vor allem dieser Uferabschnitt -, dann wieder zu mir. Biß sich auf die Lippe und zog fragend eine Augenbraue hoch.

Okay.

Okay, feige will ich nicht sein. Keine Ahnung, wie mann das hier jemals zu einem anständigen Ende bringt; aber vor der Herausforderung konnte ich nicht zurückstehen. Ich griff mir die andere Brustwarze, die sich schon erwartungsvoll hergestreckt hatte. Eine gewisse Bewegung der Entspannung ging durch Boy und Girl, so ungefähr: na endlich.

Ich massierte die zwei heftig erregten Nippel zart durch, strich sie mit dem Daumen über den Zeigefinger und ließ sie zwischen meinen Fingerkuppen rotieren. Dann entschloß ich mich, auch das Umfeld kennenzulernen: Während meine Daumen sanft auf den Brustwarzen ruhten – you must press the buttons -, griffelte ich mit den anderen acht Fingern über die schön gewölbte Unterseite ihrer Brüste. Mit den Fingerkuppen erkundete ich eine ganzganz kribbelige Gänsehaut und genoß es sehr, diesen grundsoliden Organen meine Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dabei waren die Hände wieder unter Wasser; ich fand’s ok, meine allmählich etwas lüsternen Aktivitäten hier unter dem Deckmäntelchen des Ounasjärvi verstecken zu können.

Ja, die Sache fing an, Spaß zu machen. Netten Menschen tue ich gern einen Gefallen. Die Brüste fühlten sich einfach gut an. Mutprobe bestanden, alter Junge. Nur schade, daß einem das wieder kein Schwein glaubt.

Offenbar fürchtete der Finne, daß ich unterhalb der Brüste die Orientierung verliere, denn er hob seine Freundin leicht an, so daß meine Streifzüge an der Brustunterkante nicht länger verborgen blieben. War er etwa sauer? Also bitte, selbst schuld, wenn ja. Aber nein – er beäugte mein Treiben nur ganz interessiert, schmuste sich etwas an sein Mädchen heran und biß ihr ins Ohr. Ich hätte es nicht ertragen, wenn er ihr jetzt etwas zuflüstert oder wenn sie Finnisch reden. Aber er ließ die Frau nur eine Handbreit tiefer zu Wasser, so daß meine Hände wieder im Dunkeln munkelten.

Allerdings mußte ich die „buttons“ dann mal allein lassen. Ich hielt es für angebracht, die Brüste mit der ganzen Hand zu umfassen, um auch das Großeganze zu spüren. Und es war gut! Ich strich mit den Fingern über die Brustwände und kommunizierte ihnen, sie sind ok. Ich vermied zwar den Blickkontakt mit aller Kraft, aber zehn Fingerspitzen empfingen permanent die Meldung, daß die Finnin meine Maßnahmen billigt. Und während mein kleines Herz weiter bumperte, rieb ich ihre zwei Brüste ruhig gegeneinander, drückte sie leicht ein und ließ sie wieder anwachsen. Weckte die Brustwarzen erneut auf, um dann den unteren Brustansatz zu kraulen und alsbald die ganze Pracht in der offenen Hand zu wiegen. Für einen schnellen Moment trennte ich mich gar von diesem Opus, um einen Wassertropfen mit dem Finger aufzunehmen; ich ließ ihn auf ihrem Schlüsselbein ab, er kullerte eilfertig talwärts, ihre Brust herunter, ich wollte ihn schon —

Durfte ich? Instinktiv wollte ich, fast hätte ich. Oder ging das jetzt zu weit, trampelte ich über eine Grenze?

— ja, ich wollte ihn, bevor er sich mit den Fluten des Ounasjärvi vereinigt —

Da wuchs mir ihre Brust, die rechte, die mit dem ablaufenden Tropfen, doch scheinbar ein Stückchen entgegen.

— bevor er sich mit dem See vereinigt, der Tropfen: um ihn von ihrer Brust zu küssen. Ich tat es. Ich spürte ihr kaltes, festes, frisches Fleisch zwischen den Lippen. Mmmmh. Aber dann wollte ich wieder wegschnellen von meiner Landebahn und die artige Distanz einnehmen, doch eine aparte Gänsehaut breitete sich plötzlich vor meinen gesenkten Augen aus. Eine rot-weiß gefleckte Gänsehaut-Landschaft zum Reinbeißen. Die schien meine Zuwendung zu suchen. Fanden Boy und Girl das ok? Etwas unschlüssig ruhte mein Mund auf dem appetitlichen Gewölbe, als mir die Brust abermals ganz sanft entgegenkam.

Komm, mach ruhig, hieß das.

Ja. Ich machte. Ich umfing die unteren Hälften der zutraulichen Brüste mit den Händen und liebkoste die oberen Partien. Ich kraulte und knuddelte den Unterwasser-Teil und werkelte oben mit den Lippen herum, dann auch mit der Zunge. Schließlich griff ich mir nochmal die Brustwarzen und brachte sie zwischen zwei Fingern in Hab-Acht-Stellung; dann senkte ich mich mit dem Mund darüber und saugte und nuckelte und zog und zupfte und rieb und drückte und schmatzte und schleck-

***

„I think there is some kind of handlebar down there.“

Was war das jetzt? Machten die sich über mich lustig, während ich mich reinsteigere? Ich blickte hoch, erstmals seit Jahrhunderten, tauchte auf aus dem Reich der Sinne, das erste Mal, seit unser Tête-à-tête eine, ja, erotische Wendung genommen hatte. Konnten wir uns noch in die Augen gucken?

Es ging. Die Augen blickten zwar inzwischen anders, etwas, äh, erotisiert, und unsere Gesichter waren allseits gerötet; vielleicht hatten die mittlerweile auch ihren hausüblichen Level an Coolness überschritten und wußten nicht genau, wie man die Situation dezent über die Bühne bringt.

„There must be some handlebar, I feel it.“

Sie sagte das. Ja, wir waren ein Stück intimer geworden, und sie flüsterte fast. Dabei guckte sie konzentriert ins Wasser vor sich; meine Arme, die immer noch an ihren Brüsten hingen, schienen ihr die Sicht zu versperren. Ich deutete an, daß ich die Arme auch wegnehmen kann, falls sie für ihre Unterwasser-Studien mehr Sicht braucht. „Ohnononono, it’s ok“, hauchte sie.

Und „handlebar“, was war das? Der Typ, der alles so gelassen mitgemacht und sich immer schön an sein Mädchen gekuschelt hatte, mühte sich wieder um einen Blick über ihre Schulter nach unten, ins dunkle Wasser zwischen uns. Auch seine Stimme klang äußerst gedämpft:

„I guess there is one. Must be.“

Plong, zack, oh ja. Da wußte ich, was die mit „handlebar“ meinen. Peinlich. Sie hatten ja recht. Ich meine, klar hatte mich die letzte Viertelstunde auf dieser schönen und geschmeidigen Brust absolut erregt. Mein Pimmel, von keiner Erima im Zaum gehalten, stand prall wie eine Kanone. Als ich dann anfing, die Brüste abzuschlecken und mit den Lippen zu kneten, da rückte ich ein Stück näher und hatte sogar im Hinterstübchen schon eine Berührung mit Füßen oder Knien befürchtet, und das könnte irgendwie unangenehm sein. Statt dessen stand ich sozusagen plötzlich im Busch; ich meine: Mein Schwanz prallte auf ihr Schamhaar. Nur kurz zwar, aber ich registrierte doch, was da abging, und daß sie das auch registrierte. Ich zog mich untenrum etwas zurück. Beim zweiten Mal hatte dann freilich der Schwanz die Manöverleitung an sich gerissen: Eine neuerliche Kollision bewusst herbeigeführt, noch Nachdruck hineingelegt und sich gar zu einem nachträglichen Schubser verstiegen, so nach dem Motto: Ich bin übrigens auch noch da. Ich war oben in ihre Brüste vertieft und konnte nichts gegen mein wildgewordenes U-Boot da unten unternehmen. Peinlich, aber wahr.

„Yes, a handlebar.“

Von den „buttons“ zum „handlebar“. Jetzt wirkte ich natürlich wie ein Lusttäter, der nur mal abspritzen will. Hatte mein eigenmächtiger Schwanz hier die Gesetze der abgehobenen, diskret-distanzierten Zuwendung egoistisch durchbrochen und mich als langweiligen geilen Bock geoutet, als einen von 3,5 Millarden Männern auf der Welt, die statt Petting-Raffinesse alle nur das eine wollen: Wham, bam, thankyou M’am?

Sie: „I think it should be pressed, too.“

Das war gewispert, aber nicht ohne Entschlossenheit. Die Finger froren mir auf ihren Brüsten ein. Ich wollte weglaufen – aber wohin? Mit praller Kanone auf den Steg? Ich fühlte mich fast schon zu schwach zum Gehen oder zum Schwimmen. Was hatte sie vor? Ach, egal. Ich versuchte, mich wieder den nordischen Früchten vor mir zuzuwenden und die ganze Befangenheit, die mich zuletzt wieder beschli-

***

Zack. Das schlug ein. Blitz. Schwert. Hammer.

Eine Hand griff entschlossen nach meinem Schwanz. Überraschenderweise kriegte ich keinen Herzinfarkt, nur mein Unterleib schoß fulminant zurück. Aber die Hand blieb am Ball. Hatte mich voll im Griff. Ich ließ sogar vorübergehend ihre Brüste fahren, wollte instinktiv die Greifer da unten verjagen. Natürlich kriegt mann erstmal Angst, wenn da unterirdisch und unverhofft eine nach dem Gemächt fischt. Fühlt sich entdeckt, ausgeliefert, schutzlos. Aber war es nicht eine Herausforderung, die Attacke cool zu überstehen? Hier wurde doch sozusagen der 8000er-Gipfel aller Skrupel erobert, ja überschritten, ohne Sauerstoffmaske  – wenn ich nur mitmachte und nicht schreckhaft davonzuckte. Ein freundlicher Händedruck auf die Schwanzwurzel wollte Vertrauen spenden. Erstmal abwarten. Ich mühte mich, tief und gleichmäßig zu atmen und den finnischen Brüsten vor mir wieder die verdiente Aufmerksamkeit zu spenden. Während die Frau submarin forsch die Dinge in die Hand nahm, gab ich den „buttons“ über Wasser mein Bestes; so subtil und erfindungsreich wie zuvor ging das jetzt nicht mehr. Wie auch:

Die Frau hatte ihre Hand um meinen Schwanz geschlossen und schob sie ruhig vor und zurück. Sie drückte fester und fester zu, bis ich vor Lust und Schmerz gleichzeitig fast in die Mittsommernachtsluft gegangen wäre – aber he, das wäre uncool gewesen, ich riß mich zusammen. Ich wand mich stumm und paßte nur auf, daß ich vor lauter Anspannung weder die Beine zusammenkneife noch sie in die Brüste zwicke. Dann strich sie mit zwei Fingern tastend den ganzen Schaft lang und legte bei der Schwanzwurzel ein Pause ein. Verglich sie jetzt Länge und Breite?

„I can feel your heartbeat.“

War das der Chris-Rea-Song? Oder Bryan Adams? Jedenfalls, sie hatte meine Schwanzschlagader erwischt, und die pochte natürlich heftig. Immerhin sagte sie nicht, I can feel your dickbeat, das wäre pietätlos gewesen. Stattdessen wanderten ihre Finger vor zur Eichel und übten auch da gehörig Druck aus. Mann, die wußte, wie sie die Dinge anzufassen hat. Hätte ich mich jetzt gerne hingelegt und nur diese Behandlung über mich ergehen lassen. Aber nein, wir waren ja zu dritt, und jeder hatte seine sozialen Pflichten. Ich zwirbelte ihre Brustwarzen, während sie meinen Schwanz zwischen zwei Handteller nahm und kräftig rollte – wie eine Wurst aus Knetmasse. Dann drückte sie den Schwanz hoch und vor meinen Bauch, und dort rollte sie ihn wieder hin und her. Wie lange konnte ich mich noch auf den Beinen halten?

Sie wandte sich wieder der Eichel zu. Griff sich die Schwanzspitze mit zwei Fingern, um sie zu walken und zu formen. Gleichzeitig langte ihre andere Hand unter mich und umschloß zart kraulend meinen Sack. Dabei rückte sie ein kleines Stück heran, aber sie spürte auch, daß sie nicht zu nah kommen sollte – wir trieben hier ein Spiel auf Abstand, jeder in seiner sehr eigenen Sphäre. Und während sie die Eichel traktierte und den Sack in der Hand spielen ließ, griff ihre dritte Hand nach meiner Schwanzwurzel, und die vierte langte untenherum an meinen After. Vor lauter Erregung und Wegfließen registrierte ich erst gar nicht, was da mit mir geschah:

Boy und Girl hatten mich gemeinsam in der Hand.

Zu zweit schraubten die an meinen Geschlechtsteilen! Erst im Nachhinein, beim Niederschreiben, wird mir das so richtig bewußt. Daß mir ein Mann an den Schwanz greift. Er muß es ja getan haben, dieses Stück spielte definitiv vierhändig. Im Grunde weiß ich gar nicht, wer da meine Eichel melkte, wer die Schwanzwurzel aufstachelte, wessen Hand meinen Sack gegen die Schenkel rieb und wer mit sanftem Druck in den After dafür sorgte, daß ich vor Reizüberflutung gleich vergehe, aber dabei nicht nach hinten kippe. Keine Ahnung, wer wo Hand anlegte: Teamwork.

Jetzt langte ich auch bei den Brüsten richtig hin. Saugte, zog, rieb, streichelte, knabberte, rubbelte, biß, leckte, kraulte, schabte, drückte, massierte, ließ zugleich den Unterleib vor unerträglicher Spannung kreisen, biß mir die Zunge ab, registrierte zwischendurch eine Knieberührung, die doch wieder fast zu persönlich war, und auch die zwei gerieten in Fahrt, walkten meinen Schwanz, kneteten den Hintern, ließen den Sack rollen, kamen dabei selber immer mehr in Bewegung, hey, und dann zerrte  irgendeine interessierte Hand meinen Schwanz in ihr Schamhaar und ließ ihn dort im Gestrüpp kreisen, dem war das natürlich recht, mir aber weniger, ich zog ihn diskret wieder ein Stück zurück, allmählich warfen wir geradezu Wellen bei diesem Spiel, meine Augen klammerten sich an ihre schlenkernden Brüste, trieb da hinten nicht ein Angler-Bötchen, mit der coolen Stille war es auch vorbei, „wow“ schnaufte sie, er japste „Yeah, that’s it“, ich ließ Luft ab wie eine Dampflok, als ich bemerkte, wie die flinken Hände an Schwanz, Sack und Hintern plötzlich weniger wurden. Der Typ umfaßte sein Mädchen an den Hüften, hob sie bis zum Bauch aus dem Wasser und –

***

– setzte sie mir mit einem „Wuuuh!!“ auf den Leib. Bevor ich wußte, was los ist. Ich umfaßte, damit sie nicht zurückfällt, instinktiv ihren Hintern, sie schlang die Beine um mich und legte die Arme hinter meinem Kopf zusammen.

Erstmal verschnaufen. Ich trug hier eine seltsame Finnin im Ounasjärvi in den Armen, ihr Schamhaar schrubbte auf meinem Bauch; und dahinter hockte ihr Macker, der mir seine Freundin soeben aufgehalst hatte, und blieb selber hart am Geschehen. Fluchtinstinkte; Ficktrieb.

Ihr Hintern fühlte sich gut an: schön rund, fest, mann hatte was in der Hand. Die Frau war genauso erregt wie ich, und sie verbarg das kaum. Sie drückte ihr Schamhaar an meinen Leib, und ich empfing mit jeder Pore einzeln, wie ihre Äußeren Schamlippen fordernd und leicht kitzelnd über meinen Bauchnabel streiften; den Rhythmus empfing ich auch in ihrem Hintern-Gewölbe, das ich in den Händen trug. Alles spielte unterwasser, und doch könnte ich schwören, ich spürte damals ihre Feuchtigkeit, ihre triefende Scheidenflüssigkeit, salzigen Sexgeruch.

Nur einer fühlte sich einsam: mein Schwanz. Vernachlässigt ragte er ins Naß – alle einst fürsorglichen Hände waren damit beschäftigt, mir die Frau auf dem Leib zu halten. IchIchIchIch, funkte der einsame Tauch-Sieder mit 100 000 Watt, doch seine Hitze strahlte ins Leere.

Das war jetzt kein cooles Gesellschafts-Spiel mehr, das war eine neue, atemraubende Nähe. Wir mimten nicht länger die lässigen jungen Leute, die im Urlaub just for fun ein paar Tabus ankratzen. Die reizenden Sprüche von „handlebars“ und „buttons“ hatten ausgedient. Wir waren nur noch geil wie die Frett-

***

„This handlebar needs special care.“

Das sagte sie. Wie konnte sie jetzt noch Sprüche klopfen? Und was wollte sie? Sie hing auf mir, wetzte die Möse auf meinem Bauchspeck, unsere Gesichter haarscharf beieinander, die Blicke aber sorgsam separiert nach unten gerichtet, wir kannten uns ja gar nicht, und da klopft sie immer noch solche Sprüche.

Au. Aah. Puh…

Da hat wieder jemand meinen Schwanz gegriffen. Er. Massiert die Unterseite energisch mit dem Daumen und drückt mit den anderen Fingern von oben dagegen. Ich halt’s nicht mehr aus. Biegt meinen Stengel hoch und reibt ruhig, aber hart wie ein Holzfäller, vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück. Besser kann ich’s auch nicht. „Special care.“ Ich hätte am liebsten gewinselt. Mochte mich noch mehr auf die Sonderbehandlung konzentrieren – merkte aber, daß die Frau ihre Beine um mich herum lockerte und offenbar gezielt nach unten rutschte.

Wollte sie sich diskret zu Boden lassen und wieder auf Abstand gehen? Nicetomeetyou? Hatte ihre Courage sie verlassen? Gerade noch glaubte ich, jetzt steuert sie wirklich auf den Orgasmus zu, die letzte Distanz, die letzte „Haltung“ zwischen Fremden sei gefallen. Oder war sie etwa schon befriedigt? War mir etwas entgangen? Hatte ich meinen Zweck erfüllt? Aber merkte sie nicht, daß sie mit ihrer Fahrtrichtung jene „special care“ störte, die mir soeben fachmännisch angedieh? Ihre Arme um meinen Hals lockerten sich allerdings nicht. Eigentlich fühlte ich mich gerade recht gut aufgehoben, „handled with care“ sozusagen (den Spruch hätte ich damals bringen sollen), als sie abwärts glitt, während mein Schwanz durchgeknetet wurde und –

***

– auf ein Hindernis stieß. Ja. Ja. J. Ihre fiebernde Möse und mein rasender Pimmel, hier trafen sie aufeinander, mittsommernachtsumeins im Ounasjärvi, bekanntgemacht von einer verständnisvollen Finnenmännerhand. Pochpochpoch. Ich spürte, wie meine Eichel an ihrer Vagina entlanggeführt wurde. Wie Daumen und Zeigerfinger schön vorsichtig meine Vorhaut zurückschoben und mich dann durch die Faltenlandschaft ihrer Möse geleiteten, wohl selber auch Eindruck hinterließen. Wie mein dickes Kaliber eintauchen durfte, um dann doch wieder auf die Umgehung geführt zu werden. Bis hinauf in kratzige Schamhaar-Regionen ging diese Schnupperführung, und dann rutschte mein Schwanz das ganze Mösenfeuchtgebiet wieder herunter, nach hinten, stieß auf Schenkelbacken, kuschelte sich in fleischliche Falten – und wieder vorwärts, dorthin, wo es hineinging, wo ihr Loch auf mich wartete, gierig. Ja. Ja. Weiter, Mann!

Oder nicht? Ich weiß nicht mehr, ob ich damals zum Beispiel an Aids dachte. Ich glaube nicht. Oder ans Kinderzeugen. War mir glaubich egal, oder vielleicht hielt ich es auch für ausgeschlossen angesichts ihres Verhaltens. Hätte ich sie nach ihrem letzten Eisprung-Termin fragen sollen? War ich ein sexueller Ausbeuter, den das Schicksal der Frau nicht interessierte? (Und das ihres beteiligten Mannes schon gar nicht?)

Tatsache war: Sie geriet ins Rutschen. Bloß jetzt nicht ablassen! Ich erneuerte den Griff um ihre üppigen Backen, sortierte die Hände neu um ihr Hinternloch herum und wollte ausprobieren, ob sie auch dort empfänglich ist für einen freundlichen Händedruck, als ich –

***

– ja, als ich auf ein Hindernis stieß. Da war schon jemand. Ihr Hinternloch war schon belegt. Ausgebucht. Da steckte nämlich ihr Typ drin – offenbar die ganze Zeit! Mit seinem Ding klemmte der schon den halben Abend im Hintern seiner Frau. Mensch, in klaren Sekunden zwischendurch hatte ich noch gedacht, der Boy wird vernachlässigt, der spielt hier ja nur Butlerdienste und reicht mir sein Girl auf dem Silbertablett. Und dabei steckte er die ganze Zeit mittendrin! Wow, das machte die ganze Angelegenheit doch gleich viel paritätischer. Mann-Deckung nennt man das.

Der Stiel stak tief in ihrem After, ich griff mir seinen Stumpf.

Ein ganz schönes Rohr bekam ich da in die Finger; ich umfaßte es erstmal nur zum Kennenlernen. Nicht schlecht. Aber jetzt nichts vergleichen. Ich drückte herzhaft zu. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er den Mund aufriß und sein Brustkorb in Bewegung kam. Ich preßte den ganzen rechten Handrücken in seine dichte Schamwolle und erwies seinem drallen Organ mit allen fünfen soviel „special care“ wie möglich; mit den Knöcheln massierte ich gleichzeitig seinen Schamhügel.

Das klingt so wie irgendein Sex-Abenteuer. Nein, wohlgemerkt, ich hatte noch nie einen Mann so angelangt, hatte auch nie das Bedürfnis dazu gespürt. Gut, ich finde manche Männer durchaus attraktiv, und dieser hier war gar nicht zu verachten. Aber daß ich einem an den Pimmel gehe, das hatte ich bisher nicht vorgesehen. Allerdings, ich dachte damals im Ounasjärvi nicht mehr in Mann-Frau-Kategorien. Nur noch in Geil, Geiler, Am Geilsten. Einen elektrischen Sex-Schlag austeilen und einkassieren, das war wichtig, richtig und gut – egal, ob du Brüste kraulst, einen Schwanz preßt oder ein Girl durchbumst. Die Basics.

Und ich wollte in Erfahrung bringen, wie es weitergeht mit diesem Schwanz in meiner Hand, der da in der Hintern-Höhle verschwand: Ich schickte zwei Finger auf Expedition. Ließ sie hart am Mann loswandern, tief und tiefer in ihre Darmröhre hinein. Rauh… weich… anschmiegsam…  war diese Grotte, und ein brüh-warmer, fiebrig-harter Olm lagerte darin. Ich tastete mich vorwärts und ließ Boy und Girl mein Fortkommen spüren.

Er zuckte, schluckte. Sie zitterte und bog sich zurecht. Ich folgte.

Ihre Lage war aber nicht stabiler geworden; bei all dem Gefinger mußte mann aufpassen, daß sie nicht zu Boden glitt und der ganze ausbalancierte Dreier auseinanderfällt. Seine Hand drückte immer noch meinen Schwanz an ihre Möse und hatte ihn zuletzt – während ich seinen Penis massierte – ein paarmal heftig hin und her gerieben. Teilweise weniger kalkuliert erregend, wie bisher, sondern schon unkontrolliert triebableitend. Offenbar bröckelte seine Selbstbeherrschung auch. Rein ließ er mich aber nicht, auch wenn ich mit ein paar diskreten Stupsern die gewünschte Fahrtrichtung andeutete.

Ihre Hände, um meinen Nacken geschlossen, bewegten sich. Neu-Arrangement. Ihre Schamlippen küßten meine dralle Eichel, und die wollte mehr. Die Frau ließ sich noch etwas tiefer. Seine Hand spielte mit meinem Schwanz und ihrer Möse gleichzeitig. Ich merkte, wie er das Terrain manuell vorbereitete: Probebohrung. Wie sie, während mein Schwanz noch abwarten mußte, sich über seiner Hand herabließ, ein Stück tiefer sank und wieder aufstieg, wie eine Gänsehaut erst ihre linke, dann die rechte Brust flutete, die Nippel standen auf Alarm.

Dann kam seine Hand wieder, umfaßte meinen Schwanz.

Ein kurzer aufmunternder Druck: Da geht’s lang, Junge. Er dockte mich an ihrer Fick-Schnittstelle an, rieb nochmal Fleisch an Fleisch; ich saß jetzt glatt unter der Öffnung. Zu dem Zeitpunkt hatte ich meine Hand aus ihrem Hintern wieder herausziehen müssen – es war zu verschlungen geworden. Mit der einen Hand hielt ich seine Schwanzwurzel im Griff, mit der anderen stützte ich ihren Po, damit sie schön zugänglich bleibt. Er hatte mit einem Arm ihren Bauch umfangen, mit der anderen Hand steuerte er meinen Schwanz, über den sich jetzt unendlich langsam, zaudernd, tastend —

Ich merkte, wie sie mich aufnahm, wie ihre weiche heiße Öffnung sich über meine Schwanzspitze stülpte. Zu Anfang war es eng; sie hielt gleich inne und bewegte sich leicht auf und ab – kostete meine Eichel mit minimalistischen Bewegungen spielerisch aus, machte ihre Furche dehnbar und empfänglicher für mich. Und dann, Mikrometer für Mikrometer, schleichend, kriechend, zäh und doch unaufhaltsam, kam sie weiter über mich. Ich spürte sie, ihre rauhen Scheidenwände, die verborgenen Winkel in diesem geheimen Gang, die rubbelige Ecke mit dem G-Punkt. Pore für Pore. Sie beamte mich in ein neues Reich. Mann, ein Feuerwerk ging auf, Vorhänge rauschten auf und zu, ein Symphonieorchester explodierte. Ich befand mich nur mit ein paar cm3 in dieser Frau – aber ich hatte das Gefühl, ich tauche mit Haut und Haar in eine wohlig warme lüstern weiche nährstoffreiche Flüssig-Masse; rundum fühlte ich mich so geborgen und behütet wie mein Schwanz.

Sie senkte sich ganz über mich; das war, in ihrer Lage, nicht ohne Akrobatik. Bis zum Anschlag. Bis zum Gebärmuttermund. Reizte den Druck aus, der jetzt entstand. Ließ sich noch niederer. Ich sah Sterne. Ich ächzte und bremste meinen Ton nur noch wenig. Erstens ging das sowieso nicht, und außerdem sollten die Finnen natürlich hören, daß alles recht ist. Der Junge schnaufte ebenfalls gut. Richtig: Wenn sie hier auf meinem Spieß auf und ab kroch, dann war er von jeder Verlagerung mit betroffen. Hatte ja sein Eisen auch im Feuer. Diese Finnin schlug zwei Fliegen mit zwei Klappen.

Und während sich die Frau in ihrem vorsichtigen Rein Raus an mich klammerte, blickten wir beide konzentriert nach unten. Kein Blickkontakt, o Gott, das hätte verwirrt. Aber mit der Stirn waren wir eng beieinander, vertieft in die Geschehnisse unterwasser. Nicht, daß sich die Köpfe berührten, aber  die körperliche Nähe war spürbar, kleine Fünkchen sprangen über. Das hatte zwischendurch etwas richtig Vertrautes, als ob wir gemeinsam an einer verantwortungsvollen Aufgabe sitzen.

Was macht sie da? Halt, das wird doch ungemütlich. Sie wollte offenbar zurück auf den Boden. Lockerte vorsichtig die Beine, die sie immer noch um mich geschlungen hatte; probierte neue Anhaltspunkte mit den Armen. Ihr Typ umfaßte sie, während sie mit den Füßen die Verankerung aufgab. Er ließ sie langsam herunter.

Bis wir zu dritt in einer Reihe standen: Vorne ich, Schwanz in ihrer Möse; er von hinten angekoppelt. Eine Glieder-Kette. Kurz trafen die Füße der Frau auf meine. Aber das war schon wieder zu persönlich, und ich wollte auch keine versteckte Kontaktaufnahme, die den Typ umgeht. Sie stellte sich sofort einen Schritt daneben.

Aber ich fand das etwas weniger lustvoll: Mein Schwanz wurde ziemlich heruntergebogen, wenn sie mir auf gleicher Höhe gegenüberstand, und er steckte nicht mehr so tief in ihren Katakomben. Immerhin: Wir waren alle drei ungefähr gleich groß (so mittel, um 1,75), sonst wäre die Konfiguration eh unmöglich gewesen. Offenbar hatte der Mann auf der anderen Seite dieser Frau auch Probleme, sein Anhängsel safe and warm in ihrem Hinternloch zu bewahren. Instinktiv grub ich mich mit den Füßen etwas tiefer in den Seeboden. Das half: Ohne daß der Grund unangenehm schleimig oder steinig war, konnte ich mich eine halbe Schwanzlänge nach unten scharren; damit hatte mein Penis einen viel besseren Einstiegswinkel, außerdem war ich aus der kribbeligen Augenhöhe heraus und näher an ihren Brüsten.

Durfte ich die jetzt wieder anlangen? Irgend etwas mußte ich mit meinen Händen machen, aber ohne eine Aufforderung traute ich mich nicht mehr zuzugreifen. Einstweilen drapierte ich die Hände auf ihr gebärfreudiges Becken. Das Mädchen brauchte ebenfalls eine Beschäftigung für die Hände und legte sie auf meiner Hüfte ab; uh, das war ein neues Kontaktgefühl, aber auch bei ihr wirkte es wie eine Verlegenheitslösung. Was durften die Hände jetzt noch, in dieser neuen Konstellation?

Indes: Der Schwerpunkt aller Aktivitäten befand sich längst zwei Etagen tiefer. Unser gemeinsames Energie-Zentrum lag zwischen den Lenden dieser Frau. Hände egal: Mein Genital wollte wieder gut untergebracht sein. Aus meiner verbesserten, vertieften Stellung heraus rückte ich näher und ließ mein U-Boot von unten her in sie aufsteigen. Schön langsam. Das war fast, als ob wir gerade neu anfingen. Ein kleiner Erkundungsstopp in der Empfangshalle, dort, wo ihre Scheide meine Rohrpost besonders kritisch prüft. Zwei Schritte vor, zwei zurück, zwei vor, einen zurück, einen vor, wir übereilen hier nichts, wir wollen alles ganz genau kennenlernen und die seismografischen Auswirkungen unserer Höhlenforschung eingehend studieren. Den Aktionsradius auskosten und abtasten mit der Schwanzspitze. Weiter, Mann, eindringen in die Tiefe des Raumes, Galaxien ziehen vorbei, Kometen verglühen beim Eintritt in die Gynosphäre, Raum und Zeit schmelzen dahin.

Rein raus, rein raus, rein raus, rein raus.

SexSexSexSex.

Sie kam mir entgegen. Ich merkte es in den Händen auf ihren Hüften, ich sah ihre Brüste auf mich zuwogen, und natürlich spürte mein Penis ihre Annäherung, die ein weiteres Vordringen bedeutete, ganz rein, bis zum Muttermund, ein harter Anschlag, gut, guuuuut… undjetzt, undjetzt, da kniff sie auch noch die Beine zusammen, alles wurde eng und rauh da unten, das UFO strandete in einer kosmischen Sackgasse, mein Hotdog klemmte eingequetscht im Laib dieser Frau, scheuerte erstickt zwischen Schenkel- und Mösenwülsten, rieb sich wund im Graben – ah…

Aber wir waren nicht allein.

Ich meine, sie und ich, wir waren nicht allein. Dann wären wir nämlich nie über einen Smalltalk zum Thema Wanderwege hinausgekommen. Nein: Ihr Typ war auch da, und das entspannte die Situation. Nahm der ganzen Sache das Gewicht, entlastete. Und er hatte auch Spaß, hatte seinen Kolben in ihrem ein- und ausladenden Gesäß verstaut und meine Handreichungen wohlgefällig aufgenommen. Nur jetzt gab es mechanische Schwierigkeiten. Denn wenn sein Girl hier auf mich zuglitt und mich tiefergehend einverleibte, dann rutschte er offenbar fast aus dem warmen Nest. Zwar konnte er nähertreten; doch dann hockte er zu beengt vor ihrem Rücken – und vor allem: Wir alle drei hingen dann extrem eng beieinander, verhedderten uns kurz sogar in einem Füße-Kuddelmuddel, und das wollte niemand.

Schließlich ging es hier um Sex, nicht um Nähe.

So empfand ich es jedenfalls. Und die andern wohl auch. Darum mußten wir uns ein bißchen entflechten. Und es gab eine Lösung, wie beide Männer sich in dieser Frau wohlfühlen konnten. Nur eben nicht gleichzeitig: Als sie einmal besonders einnehmend auf meinem Schwanz aufsaß, bemerkte ich dankbar, wie er das Heranrücken scheute. Ich hob sein Girl leicht an; damit liftete ich sie halb und halb von meinem Schwanz wieder herunter und zu ihm hin. Er hatte vorher wohl kaum noch seine Eichel im Trockenen gehabt; er erkannte meinen Plan: Er nahm das Girl von mir entgegen und schob es sich genüßlich auf den eigenen Stengel. Jetzt war ich halt halblang aus ihr heraus und auch, als er sie erstmal aufgesetzt hatte, in einer etwas unbequemen Stellung. Aber nach ein bißchen Gymnastik bekam ich sie auch schon wieder: Er faßte sie unter den Brüsten an, hob sie leicht an und von sich weg; ich nahm sie bei den Hüften (vermied so den Arm- oder Händekontakt mit ihm) und hievte sie, talwärts, wieder ganz auf mein Gerät. Sie glitt über mich und sicherte sich zusätzlich mit ihren Händen auf meinen Hüften.

So reichten wir uns die Frau hin und her. Pflanzten sie von einem Stecken auf den anderen und zurück.

Einmal signalisierte sie bei der Übergabe ein Halt. Genau in der Mitte. Wie unbefriedigend. Und jetzt? Sie langte mit dem linken Arm nach hinten und fischte offenbar unterwasser nach seinem Schwanz. War wohl nicht schwer zu erwischen. Ihr Typ gab gleich ein paar schockierte Schnaufer ab. Aber sie hatte noch eine Hand frei. Sie stand jetzt auf dem Grund, und mit der freien rechten Hand ging sie meinen Pimmel an, der sich in dem Moment auch nur teilweise in ihrer Möse verstecken konnte. Ahhh – wieder der zupackende Griff. Dieses – …auhhh… – dieses Gefühl zu vergehen. Sie hatte mich ganz in ihrer Hand. Konnte mich wie einen Bär am Nasenring (wie einen Mann am Schwanz) herumführen. Rieb jetzt gehörig drauf los und masturbierte meinen Penis wie ein Weltmeister. Seinen auch. Ein geiler Rhythmus. Wir beide waren voll in ihrer Hand und krümmten uns vor Lust. Das Wasser schäumte, mein Blut auch. Seine Hände legten sich um ihre Brustwarzen, als müsse er sich irgendwo anklammern; mußte er vielleicht auch. Er begann eine Art Melk-Aktion, so gut das in dem Chaos ging, rieb die Nippel wild zwischen den Fingern und drückte die Brüste immer wieder ein und schrubbte sie gegeneinander. Und sie melkte uns mit voller Kraft, rammte sich dabei immer wieder unsere Schwänze rein, die fast den Anschluß verloren. Ich hörte, wie er die heftigsten Schübe im selben Moment durchlitt wie ich.

Wir stöhnten fast synchron, und vor mir wurden zwei Brüste durchgewalkt (hier möchte ich fast „Titten“ sagen). Nur meine Hände auf ihren Hüften fühlten sich nicht ausgelastet. Zu stützen gab’s eh nichts, denn sie stand ja auf Grund. Und weil ihre Brüste schon in besten Händen waren, arbeitete sich meine Rechte zu ihrer Möse vor. Verschiedene Fleischlippen dort unten fetzten unangreifbar an mir vorbei. Wir alle steigerten uns rein. Meine Hand orientierte sich dann an meinem Schwanz, der ja in die Höhle der Finnin führen mußte, und setzte zwei Finger an ihrem Loch an. Kam dabei fast ihren Aktivitäten ins Gehege. Laß dich nicht stören! Fingerte nach ihrem Loch, und mit jeder ihrer Bewegungen rutschten zwei Finger ein Stück rein in die Möse. Lernten sie die Koje auch mal kennen. Tasteten sich – so gut das bei allem Geschaukel ging – in der Scheide voran, entdeckten die Schlucht unter ihrem Schamhügel, rieben an weichen Wänden und mußten in dem zunehmenden Beben aufpassen, daß nichts durchbricht. Zum Glück hatte ich mir neulich erst die Fingernägel geschnitten.

Und erstmals ließ dieses Mädchen sich hören. Ich meine: stöhnen. Sie ächzte ziemlich, hm, brünstig, endlich, ja, während sie uns Männern mit der ganzen Hand die Reibung verpaßte. Und während zwei Finnenhände ihre Brüste in Wallung versetzten, vagabundierten zwei deutsche Finger in ihrer Vagina (und grüßten natürlich auch das zufällig anwesende Familienglied).

Aber auf Dauer war mir das da zu unbequem und zu umständlich mit den Händen. Auch wenn es sie antörnte, hatte ich Angst, ihr wehzutun. Ich zog die Finger lieber zurück und schuf mehr Platz für meinen Schwanz; während sie sich gerade vom Rubbeln erholen mußte, schmuggelte ich ihn ein gut Stück tiefer, ah, nahm mir ihren Leib, ballerte den Pimmel ein paar mal kräftig rein in sie, haltlos, wow, war das geil, schleck- und saugte zwischendurch an einer Titte, die mir benutzerfreundlich entgegengehalten wurde, hing schon fast mit dem ganzen Körper auf der Frau, und da wollte natürlich auch die andere Seite nicht zurückstehen, ebenfalls euphorisiert, schob sich scheint’s tief hinein in ihre aufnahmebereiten Darmgefilde, drückte ihre Brüste auf meinen Oberkörper, ich war mit einer Hand schon bei seinem Hintern angelangt, leck mich, der rammelte jetzt auch wie wild, fingerte nach meinem Rohrkolben, während ich auf seinen After zielte, sie schuftete an unseren Schwanzwurzeln, als er er plötzlich mit einem „Uhhh“ an ihr hochsprang, sich an ihren Rücken klammerte, aus dieser wackeligen Hänge-Position, das Wasser tobte, weiter wild ihren Arsch fickte, so daß sie sich, um Gleichgewicht kämpfend, zu mir vorbeugte, der ich doch selber besinnungslos in diesem Girl rumorgelte, mein Schwanz war über den point of no return längst hinaus, kein Rückzug jetzt, wenn die Finnin Platz braucht, um die Maschine auf ihrem Rücken auszubalancieren, also, ich bog den Oberkörper zurück, Hauptsache Schwanz drin, bog weiter, sie über mir, Kugelbrüste aus neuer Perspektive, ich stellte die Beine um, die Position wurde immer komplizierter, versuchte die Möse von weit unten zu bedienen, wollte ihr natürlich nicht den wichtigen Platz für ihre Hand-Arbeit nehmen, sah seine Schenkel auf ihre Hüften klatschen, gab ihrem Oberkörper weiter nach hinten nach, bin ich denn eine Gerte, dann sein völlig aufgelöstes „Let’s dive“, Achtung Gleichgewicht, will der mit uns untergehen –

***

Bevor ich weiter erzähle, vielleicht mal ein Wort in eigener Sache.

Es klingt eventuell unglaubwürdig, daß ich bis jetzt immer noch nicht abgespritzt habe. Wäre es normalerweise auch. Die Ereignisse vom Ounasjärvi als Phantasie beim Onanieren – und ich wäre schon zehnmal gekommen. Hätte mich vielleicht schon bei der Vorstellung ergossen, wie sie unterwasser meinen Schwanz packt, spätestens, wie sie auf mir hockt und langsam über meinen Glimm-Stengel rutscht. Wahnsinn. Doch damals mit dem Pärchen befürchtete ich zu keinem Zeitpunkt in einen riesigen Spritz-Guß. Ich brauchte mich nicht mal extra zurückhalten. Der Grund: Ich war nicht wirklich entspannt, auch nicht zu diesem Zeitpunkt, als wir nur noch wie die Tiere über unsere Sexzonen herfielen. Mensch, das war doch alles auch total fremd und abgedreht.

Zunächst hatte ich noch auf Coolness geachtet, später dann ließ ich mich mehr gehen; aber gänzlich davonfließen, das ging nicht. Diese Überlegungen kommen mir jetzt erst, aber es war ja auch okay so. Das wäre wohl das Peinlichste, wenn ich ihr mitten im wilden Treiben eine Ladung Sperma in die Vagina jage (oder mich vorher zurückziehe und den Ounasjärvi schwängere). Ein Erguß, das hätte wirklich nach Schwäche, Spielverderben und egoistischer Triebbefriedigung ausgesehen. Nein: Ejakulation war weder gewünscht noch machbar – die Frau hätte mich zu Hackfleisch masturbieren können.

Und noch etwas: Unser ganzes Spiel beruhte auf Sex, auf kühl berechneter Genital-Mechanik. Zu den Regeln gehörte, daß wir uns hier lust- und phantasievoll befriedigen. Aber nicht, daß wir etwa zärtlich, persönlich, liebevoll werden. Damit hatte ich eigentlich auch keine Probleme. Und doch spürte ich einen komischen Reflex:

Ich wollte sie küssen!

Während mann/frau sich normalerweise im Gespräch näherkommt, Gefühle entwickelt und dann auf die körperliche Ebene wechselt, lief es damals im Ounasjärvi genau umgekehrt: Wir lernten uns zuerst im Genitalbereich kennen, danach entstanden Gefühle, und jetzt wollte ich auch irgendwie mein Interesse und meine Zuneigung – und nicht nur meine Geilheit – kommunizieren: Ich wollte sie küssen!

Irgendwie waren wir uns über all dem Gerammel doch menschlich ein Stück nähergekommen. Wir hatten zwar nur ein paar Worte über „trails“, „buttons“ und „handlebars“ gewechselt; aber ich erlebte mit, wie diese ungewöhnliche Frau immer heißer wurde, wie ihre Brüste die Ansprache meiner Hände aufnahmen, wie ihr Leib sensibel reagierte auf die Stöße meines Organs, wie sie zunehmend ihren Gefühlen freien Lauf ließ und schließlich die Beherrschung (Befrauung?) ganz aufgab, zwischen uns Ramm-Böcken stöhnte, schnaufte und ächzte und dabei nicht nur geil und wild und stark und frei, sondern irgendwie auch sehr, hm, verletzlich wirkte. Und diese Mischung spricht mich einfach an. Und deshalb hätte ich sie gern geküßt. Um ihr auch meine menschliche Nähe auszudrücken, zu vermitteln, daß ich ihre Freimütigkeit mag.

Hinzu kam ein altmodischer Aspekt: Rammeln ohne Küssen ist komisch. So ähnlich, wie wenn ein Mann eine klar ältere Frau hat – es spielt keine Rolle, und doch ist es seltsam. Oder zu Sylvester mit Kräutertee anstoßen. Auf ähnliche Weise kam es mir unbefriedigend vor, beim Sex-Spiel aufs Küssen zu verzichten. Weiß gar nicht, ob ich schonmal ohne Küssen mit einer Frau gepennt habe. Küssen – auf den Mund – ist im Vergleich zum Vögeln persönlicher, schwieriger. Anyway schien es mir dazuzugehören. Nachdem schon alle angelernten Pflichtfragen zum Thema Verhütung ins Wasser gefallen waren, hätten ein paar Küsse unseren unglaublichen Fick runder, erträglicher – ja, achtsamer – gemacht. Der Lippenkontakt fehlte mir an unserer Auseinandersetzung, und zuletzt, als ich ihre Brust in den Mund bekommen hatte, das war schon kein kühl berechneter Erotik-Schachzug mehr, sondern eine spontane Liebkosung mit persönlicher, hingehauchter Note. Hatte sie’s gemerkt?

Hoffentlich nicht. O weh: Alles hätte ich kaputtgemacht, wenn jetzt Gefühle ausgebrochen wären. Was sollte ihr Boy denken? Ihm würde klar sein, daß ich zwar mit sportlichem Ehrgeiz seinen Schwanz massiere, daß ich aber zärtlich nur zu seinem Mädel bin. Und ihm geht es doch genauso; er würde seinen Besitz verteidigen. Und sie erst – sie mußte Angst vor seiner Eifersucht haben, vor quälenden Besuchen von mir, vor Belagerung, vor meinem traurigen Dackelblick, nachdem wir es zwar miteinander trieben, sie aber doch eindeutig ihm gehört.

Nein: Keine Gefühle.

Vielleicht war es dieses Unbehagen an den etwas schwierigen Spielregeln, die mir zunehmend zu schaffen machten, sicher auch die heftige Beanspruchung durch Hände und Möse dieser leistungswütigen Frau, daß mir schon etwas flau war als –

***

– ja, als der Typ mit einem „Uhhh“ an ihr hochsprang, sich an sie klammerte, weiter wild ihren Arsch bumste, den ganzen Dreier mit einem völlig aufgelösten „Let’s dive“ umstieß. Da kippten sie auch schon über mich und mit mir in die Fluten. Ich ging mit dem Rücken zu Boden, und über mir klemmten die beiden. Der flotte Dreier, die Flunder-Variante. Ich meine, es hatte sich abgezeichnet, ich hatte Luft getankt, ich war rasend, wir vergingen unter, sehen wollte ich nichts, nach der ersten Schreck-Millisekunde, noch im Sinkflug, gab ich sofort ein paar Stöße ab, spürte, wie die Frau sich an mich krallte. Und dann kam es mir, es ließ sich nicht mehr verhindern, untröstlich bin ich, aber in dem Moment, unterwasser, im Verborgenen, rutschte es mir heraus, der Erguß, der orale, wo es irgendwie weniger peinlich war:

Ich küßte sie.

War es dieser Schock, diese Befreiungsaktion auch, die mich sofort von ihr abstieß? So oder so, ich brauchte Luft. Ich mußte hoch, diese Körper mußten von mir verschwinden, alle Geilheit war weg, ich kämpfte um mein Leben, laß mich raus, laß mich hoch, doch sie klammert sich an mich und ich spüre, sie zuckt unter den Schlägen seines Schwanzes in ihrem Arschloch. Ich ersticke. Ich laß unter Wasser einen tierischen Brüller los, befreie mich schmerzhaft aus der Umklammerung ihrer Vagina, schnelle nach oben – Luft – Luft! – LUFT!

***

Das war’s. Mir war nur noch schlecht. Alptraum, aus, Ende. Ich blickte um mich: Da lag das Nordufer so friedlich wie einst – verblüffend. Ob man wohl ganz um den See herumwandern konnte? Ich entdeckte den Ounasjärvi neu mit den Augen eines Überlebenden. Die Sonne war schon wieder ein Stück gestiegen, seit ich mich das letzte Mal dafür interessiert hatte; das etwas unwirkliche Mitternachtslicht hatte sich zu einem freundlichen Vormittagsstrahlen aufgeklärt, es mochte zwei Uhr nachts sein. Das Anglerbötchen am Nordufer, kannte ich das schon? Saß da einer drin? Es war mir in dem Moment egal. Wenn man den Kopf etwas senkte, erschienen nette Lichtreflexe auf dem Wasser, die hübsch mit der finsteren Nadelwald-Skyline am Horizont kontrastierten – vielleicht mußte ich mal mit der Knipse in den See steigen, um das zu fotografieren.

Und dann ortete ich noch etwas: die Leiter, den Steg. Ich wollte raus! Weg hier. Ich war ja nicht nur ausgelaugt und ausgeleiert, sondern auch völlig aufgeweicht und durchkühlt, das merkte ich nun. Irgendwie nach Hause kriechen, die Laken über dem Kopf zusammenziehen, in einen leuchtenden Sommertag hinein erwachen. Tee aufsetzen: Alles nur geträumt. Oder?

Nicht doch.

Nein, ich stand nicht allein im Wasser. Dort guckten zwei finnische Köpfe aus den Fluten. Wirkten abgekämpft, erschöpft und – getrennt. Pumpten heftig. Kennen wir uns? Lieber nicht. Wasser rieselte aus Lockenhaaren. So hatte ich ihre Gesichter nicht in Erinnerung.

„You are alright?“ fragte er.

„Oh sure, no problem.“

Beim Tippen fällt mir auf, daß dies die ersten persönlicheren Worte waren, die wir wechselten. Ich wollte das gar nicht mehr, jetzt nicht. Ich wollte ohne Verbindlichkeiten nach Hause, so empfand ich tatsächlich in dem Moment meine bescheidene Touristen-Hütte, nur noch abschlaffen. Ich hatte das Gefühl, einen Achttausender körperlich und moralisch überwunden zu haben, den höchsten Berg der Welt, und jetzt wollte ich mich nur noch widerstandslos ins Tal fallen lassen.

Mir war völlig schleierhaft, wie ich mich möglichst schnell aus dieser Begegnung herauswinden sollte. Ich probierte es mit einem neuerlichen, einem sozialen Interruptus:

„Äh…, I think I have to go…“ – ich neigte den Kopf freundlich zur Seite – „Well, see you.“

Ganz locker. Nette Begegnung, echt. Man sieht sich. Oder auch nicht. Und dann: Abdrehen. Bloß nicht hingucken. Keine fünf Meter zur Leiter. Die schaffst du. Zum Glück steht dir das Wasser bis zum Hals, da bist du abgefedert, stolperst nicht und machst nicht schlapp. „‚I have to…'“, das war natürlich feige von mir, als ob es einen Sachzwang gäbe. Aber es ließ sich einfacher aussprechen. Klingt vielleicht auch ein bißchen hart, nach allem, das wir durchgemacht hatten: „I want to go…“

„Hey…“ Das war wieder er. Klang schon einigermaßen erstaunt. Ich hatte ihn in dem Moment hinter mir, hatte nur noch wenige Meter zum rettenden Ufer. Ich wollte mich nicht mehr umdrehen, sondern weg. Meine Beine schmerzten selbst bei diesem Gang im Wasser wie nach einer schlimmen Bergtour. Mir war kalt. Ich ruderte mich auf die Leiter zu. Da war die erste Sprosse.

O je. Obwohl ich doch gerade erst dem Inferno entstieg, dachte ich sozusagen schon wieder an meine Frisur, noch auf auf der ersten Sprosse kamen mir diese Bedenken: Daß die mich jetzt von hinten voyeuristisch beäugen, wie ich nackt den Steg erklimme. Sozusagen mit den Augen ausziehen, wenn es da noch was zu tun gäbe, und abschätzen, wie der Zahn der Zeit an meiner Figur nagt. Außerdem hatte ich kein Handtuch, spürte aber nach dem langen Aufenthalt im Wasser das dringende Bedürfnis, mich ganz fest und gut abzutrocknen. Die zwei um ein Handtuch zu bitten, fand ich zu aufdringlich – und zu banal, nach allem. Da war die zweite Sprosse.

Mein Abgang gefiel mir nicht. Aber die Situation bot keinen bequemen Hauptausgang. Hier gab es nur Flucht durch die Wand, schmerzhaft für alle. Mit dem Unterleib war ich schon aus dem Wasser, die Hände tasteten nach dem Steg. Mein Penis prangte ungefähr so groß und mächtig wie eine Trockenpflaume. Das entsprach meinem Schwanz-Gefühl: Der Ärmste würde sich nie wieder stolz aufplustern und recken; in dieser taghellen Nacht hatte er alles gegeben, den Kopf hingehalten, sich aufgerieben, geopfert für den Lustgewinn – und hatte nicht das Ziel erreicht. Versagt. Wenn heute nicht, wann jemals? Es schien mir übrigens auch nicht mehr erstrebenswert. Lieber in Ruhe und ohne hitzige Bedürfnisse alt werden. Klang doch angenehmer. Ich erreichte die drit-

***

Da griff eine Hand nach meinem Schwanz.

Sie! Sie war offenbar – während ich auf der Leiter stand und über Handtücher nachdachte – unter den Steg getaucht. Der Steg lag so weit über dem Wasserspiegel, daß sie dort Luft kriegen konnte. Sie befand sich auf der anderen Seite der Leiter und – fischte durch die Streben nach meinem ermatteten Genital. Ich selbst war schon halb aus dem Wasser, hatte die Planken im Blick und meinen Daypack (mit der Prinzenrolle drin!); ich sah von oben nur ihre Hand auf meinem Schwanz und ihre Stirn durch die Sprossen.

Laß mich in Ruhe, war mein erstes Gefühl bei dieser neuen Attacke. Merkst du nicht, daß ich völlig am Ende bin, und zwar genau deinetwegen. Fick dich selber. Ich will nach Hause und endgültig in mich zusammenfallen.

Welch ein Anblick: Da langt eine Frauenhand durch die rustikalen Leitersprossen und greift sich meinen wehrlosen Schwanz. Ich war so erschöpft, daß ich nicht mal zurückzuckte. So merkte ich auch bald, daß sie diesmal anders an die Sache heranging: Nicht so radikal wie zuvor packte sie den Dübel an der Wurzel. Liebevoll, mit einzelnen, aufgeweichten Fingern, umspielte sie mein Pfläumchen. Ließ es durch die Hand wandern, kraulte hier und knuddelte dort. Ich suchte einen besseren Halt an den Leiter-Griffen, als sie noch den Sack dazu nahm, Pimmel und Eier gelassen abwog und gegeneinander rieb. Ich spürte die neue Note: diesmal lag mehr persönliche Zuwendung in ihrem Handgriff, Aus- und Auf-Druck von Sympathie und Mitgefühl. Sie war bei mir.

Und ich bei ihr: Die Trockenpflaume gedieh, bekam Saft und Kraft. Als mein Penis halb erwachsen war, erfaßten zwei Finger die Eichel und ließen den Schwanz verspielt auf und ab schwingen. Dann griffen die Finger etwas entschiedener zu: Sie schoben ganz behutsam die Vorhaut zurück; die spannte sich ordentlich und outete eine schon hübsch geschwollene, blutunterlaufene Eichel. Dann rollte sie die Vorhaut bedächtig wieder in ihre Schutzposition, nur um die Eichel abermals neugierig zu entblößen.

Die Trockenpflaume reifte zur drallen Blutsbanane.

Und die hatte das Mädchen im Griff – und damit mich. Was sollte ich machen? Während ich oben blinzelnd finnische Holzplanken studierte, untersuchte sie drei Stufen weiter unten die Anatomie des germanischen Schwanzes; vollzog knautschende Belastungs-Tests am ausgefahrenen Organ. Als ich wieder nach unten blickte, guckte nicht nur ihre Hand durch die Sprossen, sondern auch ihr geöffneter Mund… vielleicht eine Geschmacksprobe gefällig? Irgendwie fühlte ich mich unbeteiligt, als sie meinen Schwanz an ihr Gesicht zog, fast durch die Stäbe. Er folgte willig. Sie schwenkte die nackte Eichel eingehend vor ihrem Mund und pumpte sie mit den Fingern. Dann wanderte eine Zunge zwischen ihren Lippen heraus und nahm Kurs auf meine Eichel. Ich verging schon beim Hinsehen. Die Zunge glitt mit zarter Flamme über den Ballon. Sie nahm meinen Penis in den Mund; sie liebkoste meinen gesamten Schwanz wie ein erlesenes Eis am Stiel. Ihre nassen Haarsträhnen fielen über meinen Nogger, so daß ich von oben nur noch ein dunkles Haarbüschel sah; sie saugte mich nach Strich und Faden ab, befriedigte mich mit ihren Lippen, der Schopf vor meinem Unterleib schob sich gleichmäßig vor und zurück. Rutschte ran an die Schwanzwurzel, wo sie mich annagte und zerrte; glitt mit geschlossenen Lippen wieder zurück; ein Zungenkuß für meine Eichel. Ihr Mund arbeitete auf meinem Schwanz und –

und auf der Leiter stand

***

Richtig: Er. Ich weiß nicht mehr, wann er die Leiter hinter mir hoch kam und sich schließlich mit den Füßen auf meine Sprosse zwängte; seine Hände tauchten neben meinen am Geländer auf. Während ich mich anklammerte und ihrer Mund-zu-Schwanz-Beatmung verfiel, kuschelte er seinen Unterleib von hinten an mich. Plazierte seinen halbwachen Schwanz sorgsam in meiner Pofalte, wo ich spüren konnte, wie Leben in dieses Organ schoß, wie es sich reckte und streckte und mich aufmunternd schubste. Nachher hielt er sich nur noch mit einer Hand; mit der anderen führte er sein Kanonenrohr durch meine Arschritze und legte es schließlich auf mein Steißbein; dann lehnte er sich dagegen und rollte seine Fleisch-Wurst zwischen uns hin und her.

Was ich hier Satz für Satz niederschreibe, rauschte damals in einer einzigen Flutwelle über uns weg. Ich weiß nicht mehr, wie ich das alles überhaupt aufnehmen konnte, warum ich nicht einfach versank: Als seine Hand meinen After knetete und knautschte, als er gar mit einigen Fingern vorrückte in meinen Hintern und dort die Wände hochging… als sein Girl meine Schwanzwurzel massierte und die Eichel mit dem Mund masturbierte… als ich schließlich seinen Schwanz in meinem Arschloch spürte und dieser riesige, heiße, feuchte, harte Kolben tiefer und tiefer in mich drang, stoßender Atem im Rücken, seine Knie in meinen Kniekehlen, ihre Zunge auf meiner Schwanzritze, Schenkel klatschen auf meine Pobacken –

***

– da griff die Frau auf der anderen Seite der Leiter nach meinem rechten Fuß. Behielt meinen Schwanz im Mund, hob aber mein Bein eine Sprosse höher, bis das Knie fast aus dem Wasser guckte, dann zog sie das ganze Bein herüber auf ihre Hälfte und holte es wieder ein bißchen tiefer – um auch mein Bein zu küssen: mit den Schamlippen. Sie hing halbgekrümmt auf der Leiter und schleckte meinen völlig überlasteten, aber immer noch steif geschwollenen Schwanz ab; und sie beugte sich mit dem Unterleib so zurecht, daß sie mit der Scheide an meinem Knie ansetzen und nach unten rutschen konnte. Hey, das war kribbelig.

Der Mann in meinem After beschleunigte seinen Rhythmus; pfählte mich mit seinem Jumbopimmel, spießte meine Eingeweide auf, sprengte den Darmgang in Stücke; ich wollte ihm die Pobacken möglichst einsteigergerecht hinhalten, ein gutes Lager präsentieren, war aber schon so aufgelöst; gegenüber lutschte die Finnin wild an meinem Pimmel, zerrte mich an die Leiter und rubbelte sich die Möse auf meinem Knie heiß; er packte meine Schwanzwurzel, drückte den Takt, mit dem er mich von hinten nahm, jetzt auch meinem Penis auf, an dem immer noch die Frau saugte und schlürfte, deren Möse über mein rechtes Schienbein schrubbte, das ich an ihrer weit geöffneten Furche entlangwandern ließ, bis ich mit dem Fuß zwischen ihre Schenkelwülste geriet, ein tiefer, betäubender Schmerz stieg von den Unterschenkeln auf, hinten schlug der Blitz ein, mehr Schmerzen – ja, die Beine flatterten mir und gaben schon nach, seine Hand, ihr Mund rackerte an meinem bumsvollen Penis, ich erwischte mit dem dicken Zeh ihre Schamfalten und rieb fleischige Lappen, klammerte mich verzweifelt an die Holzstreben, die Möse schluckte meinen dicken Zeh, alles dreht sich, Frau fickt meinen Fuß, lutscht keuchend meinen Schwanz, der gewichst wird vom Typ, der hart und schnell mein Arschloch –

***

Ob sie mir ein Handtuch anbieten? Ich stand nackt auf dem Steg. Man stelle sich die Situation vor: Nackt, naß und tropfend schlotterte ich auf einem finnischen Bootssteg am Polarkreis, und vor mir befand sich ein nasses, nacktes, tropfendes finnisches Pärchen und guckte verlegen irgendwohin. Erstmals standen wir uns hüllenlos gegenüber – ein guter Start fürs Kennenlernen? Sie musterten mich halb verschämt. Ich verschränkte die Arme, was mir aber nicht den erhofften Schutz gab. Wo gab es Platz für meine Blicke? Vor Verlegenheit kriegte keiner den Mund auf.

***

„By the way“, sagte dann der Boy, „my name is Martti.“

 

 

 

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