Rezension Meta-Bollywood-Film: Luck by Chance (2009, mit Farhan Akhtar, Konkona Sen Sharma; mit Trailer & 4 Songs) – 8 Sterne

Ein fast liebevoller, warmherziger, warm gefilmter Blick auf ein kaltherziges Gewerbe – making movies in Mumbai 2009. Da wird intrigiert, geheuchelt, geschleimt, gelogen, betrogen, abgekupfert und erpresst, oft sehr unterhaltsam, und im Film stößt es nie so ganz ab, doch platte Satire ist es auch nicht.

Konkona Sen Sharma als nie ganz erfolgreiche Schauspielerin und gute Freundin ist famos. Mit leichtem Understatement spielt sie durch eine ganze Palette von Gefühlen und wirkt stets menschlich und nachvollziehbar.

Mein Lieblingsmoment: ihr Freudenschrei für Vikram, als der die Hauptrolle bekommen hat – so möchte ich auch mal empfangen werden. Ich bin froh, dass ich sie nach Aaja Nachle – Komm, tanz mit mir (passabel, aber Sen Sharma als naiv verliebter Dorftrottel) und Der Weg einer Frau – Laaga Chunari Mein Daag (schlecht, Sen Sharma als Lichtblick) endlich mal in einer adäquat großen und vernünftigen Rolle sehe. In Mr. and Mrs. Iyer und Page 3 spielt sie auch gut.

Andere wichtige Darsteller überzeugen mich nicht so ganz, stören aber auch nicht:

  • Farhan Akhtar zeigt als Vikram wenig Ausstrahlung und beweist nie, warum er angeblich das Zeug zum Superstar hat – kein Charisma, kein Modeltyp und laut Drehbuch keine nützlichen Familienbande. Aber offenbar viel luck by chance. Auch Akhtar spielt mit Understatement, so dass es nicht weh tut. (Sein Film, der innerhalb von „Luck by Chance“ entsteht, parodiert jedoch trashige 80er-Jahre-Produktionen.)
  • Hrithik Roshan agiert wie neben sich und überzeugt kaum glaubwürdig als Superstar, der sich aus einer kleineren Romy-Rolly-Produktion herauslügt, um mit Produzentenlegende Karan Johar etwas Größeres zu starten. Ja, einmal blickt er durchs schnell verriegelte Autofenster auf ihn verehrende Straßenkinder – doch das ist nur bemüht vielsagend.
  • Isha Sharvani bleibt als Dummerchen und Tochter Nikki blass, vermeidet aber – wie praktisch alle – jede platte Parodie; nur ihr plüschrosa Mädchenzimmer wirkt übertrieben.

Abgesehen von diesen Schwächen erscheint die Handlung im ersten Teil fahrig und unkonzentriert, wenn auch gut gespielt und schön gefilmt. Die moderne, fluffige Hintergrundmusik klingt gut, passt indes nicht zu den Bildern und erklingt völlig willkürlich. Dafür sind die Nebenfiguren exzellent.

Starke Nebendarsteller:

  • Rishi Kapoor als exaltierter, mediterran temperamentvoller Filmproduzent alter Schule mit Herzproblemen; eine Wucht
  • Juhi Chawla seine junge, heiter amüsierte Frau
  • Ganz fantastisch: Dimple Kapadia als Grand Dame von Bollywood, die ihre blasierte Tochter mit Intrigen und Flüchen in den Bollywood-Olymp puschen will, aber auf verlogene Schmeicheleien Vikrams hereinfällt
  • Viele A-Stars spielen sich für ein paar Sekunden selbst und fügen sich nahtlos ins Geschehen ein, u.a. Rani Mukerji, Kareena Kapoor, Abhishek Bachchan, Aamir Khan, Shah Rukh Khan, aber auch Produzent Karan Johar und Edelschneider Manish Malhotra

Gut, wenn man sich kennt:

Ein anderes Bollywoodthema griff Autorin und Regisseurin Zoya Akhtar nur am Rand auf: Dass wichtige Bollywoodakteure aus den immer gleichen Familien stammen (im Meta-Bolly Om Shanti Om wird der Aspekt wichtiger). Auch Zoya Akhtar selbst hat beste Familienbande Richtung Bollyland:

  • Sie ist die Tochter des berühmten Drehbuchverfassers und Songtexters Javed Akhtar (teil von Salim-Javed), der für „Luck by Chance“ die Dialoge und Liedtexte schrieb;
  • auch Mutter Honey Irani schrieb Drehbücher.
  • Hauptdarsteller Farhan Akhtar ist Zwillingsbruder der Regisseurin (und war auch schon als Regisseur, Autor und Sänger erfolgreich).
  • Verwandt sind die Akhtars – unter anderem – mit Regisseurin und Choreografin Farah Khan (Om Shanti Om, Main Hoon Na etc.).

Besondere Szenen:

  • Regisseurin und Autorin Zoya Akhtar zeigt sinnliche Annäherung unaufdringlich kussfrei, aber intensiv. Das gilt für die Romanze zwischen Akhtar und Sen Sharma wie auch für Akhtar und Sharvani im Hotel
  • Ein Hochglanzblatt bringt die Skandalstory über die Nikki-Vikram-Liaison. Satz für Satz sieht man einen wichtigen Filmdarsteller, wie er genau einen Satz aus dem Blatt liest, dann kommt der nächste – zum Schluss kennen wir die Geschichte und wissen, dass alle Akteure sie auch kennen. Gut gemacht
  • Am Ende des Films liegen ein paar Hochglanzmagazine herum, auf deren Titeln Nikki und Vikram posieren. Dann bewegen sie sich innerhalb dieser Titelfotos und geben Weisheiten über Bollywood zum besten – ein netter special effect
  • Konkona Sen Sharma geht durchs pulsierende Bombay und hinter ihr erscheint ein riesiges Plakat des neuen Superstars: Vikram Jaisingh – ihr verlogener Ex. Sie lässt ihn hinter sich.

Es gibt viele weitere Filme, die in Bollywood und in der indischen Glitzerwelt spielen. Ein paar nenne ich hier.


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