Kritik TV-Spielfilm: Zur Hölle mit den anderen (Deutschland 2018) – 7 Sterne – mit Pressestimmen

Zwei junge Paare treffen sich zum gemütlichen Sonntagnachmittag und beginnen schon bald mit verletzenden Bemerkungen. Dabei werden auch die eigenen Ehepartner nicht verschont. Die ARD-Produktion bleibt ernst und verzerrt nicht ins grell Komödiantische, Groteske. Die Auseinandersetzungen und Aussprüche tun richtig weh.

Allerdings wirkt nicht alles ganz realistisch: Eine Frau stillt ihren Vierjährigen öffentlich und läuft danach noch mit der Milchpumpe am Busen herum. Alle sagen ausgesprochen harte, unhöfliche Dinge, gehen aber nicht auseinander.

Der ganze Film spielt in einem Einfamilienhaus und könnte auch auf der Theaterbühne stattfinden. Die Schauspieler agieren stark, dabei läuft zuviel Klimpermusik (Mira Bartuschek, Britta Hammelstein, Felix Schmidt-Knopp, Holger Stockhaus, Regie Stefan Krohmer, Buch Nicole Armbruster).

„Schmerzhaft peinliche Momente…“ – Pressestimmen:

Der Spiegel:

Krohmer und Armbruster betreiben die Generationsschau als satirisch überspitzte Demontage… Wie in dem satirischen Theaterstück „Der Gott des Gemetzels“ – von Yasmina Reza geschrieben, von Roman Polanski verfilmt – geht es hier weniger um eine Innenansicht der Charaktere als vielmehr um die gnadenlos vorangetriebene Gruppendynamik… Und je besoffener sie ihre Individualität zu behaupten versuchen, desto mehr werden sie zu Abziehbildern ihrer Generation. Stereotype beim Amoklauf. Ein grober Spaß, ein großer Spaß.

FAZ:

… ein reinigendes Psychogewitter. Alles muss raus in „Zur Hölle mit den anderen“, die versteckten Ressentiments und die nagende Eifersucht, alte Aggressionen und lange genährte Ablehnungen und vor allem die eigene Gehässigkeit. Mit schamloser Boshaftigkeit verschafft sich Luft, was nicht länger unter dem Deckel zu halten ist…

Stern:

Regisseur Stefan Krohmer und Drehbuchautorin Nicole Armbruster gelingt es, die angespannte Situation nachfühlbar zu machen. Jeder Blick, jeder falsche Tonfall bei einem provokanten Spruch hat Folgen, führt zur nächsten Eskalationsstufe auf dem Weg zum großen Krach. Dass das gelingt, liegt nicht zuletzt an den vier Schauspielern, die bestens zu ihren Rollen passen und den Eindruck vermitteln, als würden sie sich untereinander tatsächlich mit ihren gespielten Charakteren provozieren. Auch die Filmmusik (Stefan Will) hat daran ihren Anteil, nicht zuletzt Gitarrenklänge, die an den letzten Spanienurlaub erinnern.

Berliner Morgenpost:

…ein großes Vergnügen für die Zuschauer. Das liegt zu einem guten Teil daran, dass alle vier Schauspieler hinreißend agieren. Mit wenigen Blicken erzählen die Darsteller ganze Geschichten. Nach und nach zerbröckeln deren Fassaden, zahlreiche Lebenslügen krachen in sich zusammen. Erzählt wird das locker und leicht und mit vielen komödiantischen Überzeichnungen… Ein besonderes Lob verdienen die tollen Dialoge, die nicht gestelzt oder nach Comedy-Einerlei klingen, sondern einen ganz eigenen Charme besitzen. Mal sind die Dialoge einfach nur komisch. Mal lösen sie schmerzhaft peinliche Momente aus… Leider baut der bis dahin so amüsante Film in den letzten 20 Minuten deutlich ab. Dann setzt er nicht mehr auf die Kraft der Dialoge, sondern zunehmend auf Slapstick und Übertreibungen. Alle vier Figuren sind hochgradig betrunken, werden immer ausfallender und sogar handgreiflich. Diese Szenen sind allzu plump inszeniert.

Tittelbach:

Obwohl „Zur Hölle mit den anderen“ eine Komödie ist, wirkt es zu Beginn, als habe Realismus-Liebhaber Stefan Krohmer den Film ganz der Wirklichkeit abgelauscht… Die Logistik der Krisen, insbe-sondere die Auswechslung des Prügelknaben (wann geht es gegen den Partner und wann ist es an der Zeit, sich wieder mit ihm gegen das „andere“ Paar zu verbünden?), läuft mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Dadurch entstehen immer wieder neue Koalitionen, reizvolle Spiel-Situationen, und nach und nach erfährt man immer mehr von den „wunden Punkten“ aller Beteiligten… Armbruster & Krohmer überzeichnen zwar die an sich realistische Ausgangssituation in Richtung auf eine zwischenmenschliche Katastrophengeschichte, karikieren dabei aber die Charaktere nur in Maßen… So urkomisch der Film (in seiner Anlage) auch ist, die Macher gehen schon sehr nahe mit dem Spiegel ran an die Generation der Enddreißiger…

TV Spielfilm:

Skriptautorin Nicole Armbruster rührt einen erbarmungslosen Beziehungs- und Gesellschaftscocktail an. Sie legt den Finger in offene Wunden, offenbart Ängste, gescheiterte Träume – und menschliche Bosheit. Das Quartett spielt unter Krohmers Regie wirklich fabelhaft. Als Zuschauer hat man einen großartigen Filmabend. Wenn’s nur nicht so bitter wäre… Diese Satire traut sich was: Es wird mit Verve gemetzelt!


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