Kritik TV-Spielfilm: Silberhochzeit, mit Iris Berben (2006) – 7 Sterne – mit Pressestimmen

Professoren, Autoren, Anwälte, ein Versicherungsmensch und ihre Partnerinnen: Sieben gutsituierte, langjährige Freunde feiern Silberhochzeit in einer repräsentativen Altbauwohnung. Doch schon mit dem ersten Gast beginnt die Schlacht der verbalen Heckenschützen. Aus Sticheleien werden zügig handfeste Beleidigungen und empörende Offenbarungen.

Opulent:

Das Fernsehspiel ist opulent ausgestattet: Verpflegung à la Essen & Trinken, Ambiente à la Schöner Wohnen, und alles in Kamera cremoso; dazu deutsche S-Klasse-Schauspieler inklusive Iris Berben, Corinna Harfouch, Matthias Habich, Axel Milberg, Ulrich Noethen und Gisela Schneeberger (Regie Matti Geschonnek, Produzent Oliver Berben, nach einer Kurzgeschichte von Elke Heidenreich).

Bei aller Aufgewühltheit spielen die Akteure meist zurückgenommen, abgeklärt. Nur Oliver Nägele als vogelfreier, öliger Dichtertyp lappt ins Satirisch-Groteske.

Konzeptionelle Mängel:

Silberhochzeit lebt nur vom Reden und spielt nur in einer Wohnung (beides den bekanntesten Filmen von Denys Arcand ähnelnd). Ausnahmsweise störte mich das nicht. Nicht mal die konzeptionellen Mängel:

Es scheint schwer vorstellbar, dass gediegene Mittelschichtler, die sich seit Jahrzehnten kennen, plötzlich dergestalt hart und verletzend miteinander sprechen, permanent Grenzen überschreiten, private Schubladen des Hausherrn durchwühlen und den Inhalt noch vortragen; dass die anderen interessiert zuhören; unwahrscheinlich auch, dass diejenigen die Opfer der Attacken überhaupt im Raum bleiben; ein paar Akteure möchten sich zwischen Tür und Angel schnell neu überkreuz verkuppeln; sie litern guten Wein frisch geöffnet weg, ungelüftet, wider besseres Wissen; und nicht zuletzt wird von Beginn an ein kurze, unschuldige Affäre aufgebauscht, die jedoch 30 Jahren zurückliegt und kaum eine Bedeutung haben kann.

Trotzdem sicher einer der besseren TV-Spielfilme.

„Absolut mitreißend! Ein böser Film…“ – die Kritiken:

Der Film erhielt mehrere Preise und nur beste Kritiken.

TV Spielfilm:

Intensives, dialogstarkes Kammerspiel… Seelenstriptease mit feinen Fernsehstars

Kino.de:

Matti Geschonneck inszeniert stilsicher ein Kammerspiel mit acht schauspielerischen Schwergewichten. Iris Berben brilliert darin… Geschonneck, jüngst erneut preisgekrönt, weiß die schauspielerischen Schwergewichte so zu führen, dass sie sich nicht gegenseitig die Schau stehlen, sondern ein Ensemblegeist durchklingt. Der Fortgang des Abends ist jedoch trotz der grandiosen Schauspieler quälend für den Zuschauer, denn die Protagonisten gehen – wie man es z.B. aus „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ oder dem Theaterdauerbrenner „Drei Mal Leben“ kennt – derart aufeinander los, dass man nicht versteht, wie sie es noch länger in einem Raum aushalten können.

Schwäbische.de:

Bei der Erstausstrahlung im deutsch-französischen Kulturkanal Arte sahen den Film am vergangenen Freitag in Deutschland 755 000 Zuschauer, was einem überdurchschnittlichen Marktanteil von 2,4 Prozent entspricht. Bei der Wiederholung am Sonntagnachmittag schalteten noch einmal 350 000 Menschen ein. In Frankreich verfolgten den Film am Freitagabend rund eine Million Menschen (4,1 Prozent).

Splashmovies.de:

Die Entwicklung des Abends schreitet zwar nur in sehr gemächlichem Tempo voran, doch ist schon sehr früh erkennbar, dass die explosive Mischung in der Luft immer dichter wird… Selten zuvor wurde eine so ernste Geschichte auf eine derart unterhaltende Art und Weise gezeigt… Durch die ansprechende Charakterisierung, die durchweg gelungenen Leistungen der Darsteller und der natürlich vorgetragenen Dialoge, nebst der natürlich wirkenden Entwicklung der Krise, fühlt man sich am Ende selbst als Teil der Gemeinschaft. Digitale Aufarbeitung: Das Bild macht einen durchschnittlichen Eindruck. Vor allem teils sehr deutlich zu sehendes Rauschen fällt immer wieder ein wenig störend ins Auge. Schärfe, Kontrast und Farben machen aber einen durchschnittlich guten Eindruck für einen TV-Spielfilm.

Brigitte:

Absolut mitreißend! Ein böser Film über Liebe und Freundschaft, mit messerscharfen Dialogen und lässig eleganten Bildern. Ob man will oder nicht: Wenn die Gäste am Tisch ihre Hemmungen fallen lassen, sitzt man als Zuschauer mit am Tisch und erfährt auch mehr über sich selbst.


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