Kritik TV-Spielfilm: Leberkäseland (2015) – 6 Sterne – mit Video

Moderne türkische Familie mit drei Kindern zieht ins Wirtschaftswunderdeutschland. Er wird dort Zahnarzt, sie Matheprofessorin. Zum prügelnden Relilehrer sagt die Frau: „Meine Kinder sind Atheisten. Schlagen Sie sie niemals.“

Das ist gegen alle interkulturellen Klischees, und damit spielt der TV-Film etwas aufdringlich: die Deutschen sind religiöser, spießiger, bornierter und chaotischer als die Überflieger aus Istanbul. Allerdings will auch in dieser modernen Familie der Mann die Frau unterdrücken, und das sehr klischiert (Drehbuch und Regie Nils Willbrandt).

Als ARD-Degeto-Produktion ist auch Leberkäseland natürlich ausgestattet wie die Hochglanzpostkarte aus einer anderen Welt. Immerhin beschert uns der Edel-Chic auch eine anbetungswürdige (Deutsch-Perserin) Neda Rahmanian in der weiblichen Hauptrolle, gegen sie verblasst die männliche Hauptfigur Murathan Aqil Muslu zwangsläufig. Die drei Töchter in jungen Jahren haben ein paar niedliche Momente.

Der Film basiert auf dem Buch „Tante Semra im Leberkäseland“, Familienerinnerungen der SPD-Politikerin Lale Akgün. So haben die Episoden wohl einen wahren Kern – und dann verzeiht man es dem Streifen auch, dass er keinen rechten Spannungsbogen entwickelt, sondern von Episode zu Episode plätschert und ein paar abrupte Abbrüche liefert. Unverzeihlich aber die letzten vier Minuten: haarsträubender Kitsch.

Freie Assoziation:

 


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