Kritik TV-Spielfilm: Im Jahr des Drachen (2012) – 4 Sterne – mit Video, Pressestimmen & Hintergründen

Ein 49jähriger verheirateter Unternehmer reist geschäftlich nach Vietnam. Dabei verliebt er sich in die etwas undurchschaubare Huong. Der Deutsche fliegt bald wieder zu seiner Familie nach Köln – doch überraschend folgt ihm Huong nach Deutschland.

Packende Kulisse:

Die Atmosphäre in Vietnam erscheint packend, mit brodelndem Straßenverkehr in Saigon, vielen Gesichtern, Hochzeit und Beerdigung. Auch die Karaoke jault authentisch. Landeskunde klingt nur gelegentlich zu pädagogisch (Regie Torsten C. Fischer, Buch Karl-Heinz Käfer).

Der deutsche Filmteil ist Schmalz ohne Chili oder Fischsauce: krebskranke Gattin, traurige Asiatin, schicke Wohnung, entfremdeter Sohn, schicke Autos, Geld und/oder Liebe, schicke Gastronomie: Degeto produzierte mit und ließ sich nicht lumpen. Das hübsche, aber aufdringlich oft repetierte Klaviermotiv stammt vom renommierten Jazzpianisten Martin Tingvall (Tingvall-Trio).

Monoton männlich herb:

Tatort-Mann Klaus J. Behrendt guckt unentwegt männlich herb und trägt unentwegt eng-anliegende Uni-Hemden und lässige Sakkos. Seine Filmpartnerin Nina Liu hat keinerlei Ausstrahlung. Zwischen den beiden knistert es nie. Der Zwiespalt aus Geld und Gefühlen bleibt theoretisches Konstrukt.

Die Handlung von Im Jahr des Drachen erinnert grob an das deutsch-chinesische I Phone You (2011). Die SZ sah eine Parallele zu Pretty Woman, Charme Vietnam erinnerte sich an Graham Greenes Vietnam-Roman Der stille Amerikaner (Quellen unten). Nicht zu verwechseln ist das TV-Spiel mit dem US-amerikanischen Kinofilm Im Jahr des Drachen (1985, engl. Year of the Dragon) mit Mickey Rourke.

„Was glaubt das öffentlich-rechtliche Fernsehen…“ – die Kritiker:

Süddeutsche Zeitung:

Warum nehmen gestandene Schauspieler wie Klaus J. Behrendt und Karoline Eichhorn solche Rollen an? Und vor allem: Was glaubt das öffentlich-rechtliche Fernsehen, seinen Zuschauern damit Gutes tun zu wollen? … Auch sonst weiß man oft nicht, ob Behrendt deswegen immer so verwundert blickt, weil er sich zumeist im fernen Vietnam befindet, oder weil er dort langsam bemerkt, dass er – mitten in Saigon – ins starre Korsett eines deutschen Fernsehfilms gedrängt wurde und darum wohl hölzerne Dialoge abliefern muss.

Taz:

… auf unbedarfte Weise klischeehaft

Charme Vietnam (Blog):

viel Klischees von allen Seiten… Ich war mehr als enttäuscht… Gut, die Wahrzeichen Saigons tauchen in dem Film auf – wie des BITEXCO FINANCIAL TOWER bei Nacht – und eine Straßenszene im Bereich des Ben Thanh Marktes inmitten Saigons.

Video.de:

… agiert Behrendt derart sparsam, dass er wie eine jener Hollywood-Ikonen aus den Fünfzigern wirkt, als Männer wie Gary Cooper keine Miene zu verziehen pflegten. Prompt wirkt eine Szene, in denen ein leichtes Zittern der Unterlippe Eichners Ergriffenheit demonstriert, übertrieben. In jeder anderen Hinsicht aber hebt sich „Jahr des Drachen“ ungemein wohltuend von vergleichbaren Filmen ab… Auch Ho-Chi-Minh-Stadt (das frühere Saigon) dient keineswegs als exotischer Hintergrund mit möglichst pittoresken Schauplätzen, sondern wirkt in seiner Fremdheit eher bedrohlich.

TV-Spielfilm:

Mit ungewöhnlich distanzierter Bildsprache und der jazzigen Musik des Tingvall-Trios hebt der Film sich wohltuend von vergleichbaren Dramen über zweite Chancen ab. Facettenreiches, stark gespieltes Krisendrama



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