Kritik: Tonio Kröger, Mario und der Zauberer, von Thomas Mann (Erzählungen 1903, 1930) – 5 Sterne – mit Videos


Tonio Kröger ist hier erst ein zartbesaitetes Jüngelchen, dann ein weltferner Dichter, der – wie sein Nachfolger in Tod in Venedig – aus München ans Meer reist und lustvoll selbstmitleidig kontempliert, „zerfressen von Ironie und Geist“. Mann erfindet in dieser etwa 65seitigen Erzählung von 1903 immer neue, wenig spannende Situationen, in denen er Kunst versus Leben, Natur versus Kultur, Mittendrin statt Nurdabei verhandelt und den geschäftigen Bürger mit spitzen Fingern in die Pfanne haut. Milieu und Motive erinnern deutlich auch an die Buddenbrooks, hier jedoch ohne Ironie und vergeistigt spröde.

Kombiniert wird Tonio Kröger manchmal mit Mario und der Zauberer (1930), eigentümliche 52 Seiten über einen Familienurlaub in einem italienischen Badeort, der zur Hälfte den Auftritt eines Zauberers beschreibt. Das liest sich teils zähflüssig, doch Thomas Mann lässt von Anfang an eine dezent bedrohliche Kulisse entstehen und weckt so Interesse am Fortgang. Sicher voller philosophischer Gedanken und Umsetzungen, von mir jedoch nicht verstanden; die Sekundärliteratur betont vor allem die Anspielungen auf einen heraufziehenden Faschismus.

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