Kritik Theaterstück: Fräulein Julie, von August Strindberg (1888) – 7 Sterne

Leicht vulgäre Jung-Adelige (feministisch erzogen) flirtet mit etwas älterem, weltgewandtem Bedienstetem. Die erotische Spannung zwischen Fröken Julie und Dienstbote Jean erhellt aus den Dialogen unmittelbar und unexplizit. August Strindberg (1849 – 1912) textet realistisch und verführerisch, führt seine Figuren am Grat entlang, heizt die eigentlich etwas steife Atmosphäre am Adelshof mit imaginierter Sinnlichkeit auf. Und Köchin Kristin, Jeans Verlobte, muss auch noch zusehen.

An Realismus lässt es das gut 130 Jahre alte Skript nicht fehlen. Julie agiert so rallig, diagnostiziert Kristin, denn Julie „hat doch ihre Periode jetzt, und da ist sie immer so komisch“ (S. 19). Später ist’s passiert, Julie und Jean reden hitzig über Standesschranken und Zukunft, doch der wahre Dialog äußert sich eher in den Haltungen als im offenen Text. Es gibt Tote, und nur aus der konventionellen Kristin spricht die Stimme der Vernunft. Ein scharfes, trockenes und markant kurzes Theaterstück (Strindbergs Drama Der Vater entstand ein Jahr früher und ist vielleicht noch etwas kompakter und schärfer.)

Ich hatte die 2015er-Insel-TB-Ausgabe mit der 1961er Übersetzung und dem 1962er Nachwort von Peter Weiss, jedoch ohne Strindbergs bekanntes Vorwort zum Stück. Gelegentlich wunderte ich mich im Stück über Formulierungen wie „daß ich amourös in meinen Bediensteten wäre“ (sic, S. 27). Im Nachwort redet Weiss über Strindberg allgemein und nur kurz über das Julie-Drama, in diesen Zeilen zitiert er vor allem aus Strindbergs Julie-Vorwort.

August Strindbergs Dramen bei HansBlog.de

(1849–1912) Wertung Hansblog
1887 Der Vater

7

1888 Fräulein Julie

7

1901 Der Totentanz

7

1969 Friedrich Dürrenmatt: Play Strindberg

7

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