Kritik Theaterstück: Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe, von Peter Hacks (1976) – 6 Sterne – mit Video

In diesem enorm erfolgreichen Eine-Frau-Monolog-Theaterstück zieht Charlotte von Stein über den heimlich aus Weimar abgereisten Johann Wolfgang von Goethe vom Leder. Auf Handlung wird verzichtet. Alles macht von Stein an Goethe – und an den Männern insgesamt – nieder; sie schildert den Dichterfürsten als weinerlichen Versager.

Peter Hacks dichtet der Stein einen unterhaltsam unleidlich unwirschen, auch selbstmitleidlosen Ton an, teils dialektisch verspielt. Fragt sich nur, ob dieser Sound zur Person und zur Epoche passt oder ob sie eher Peter Hacks‘ Naturell entspricht; in Sigrid Damms biografischem Sommerregen der Liebe hat Frau von Stein scheinbar eine ganz andere Persönlichkeit.

Ich hatte Hacks‘ Stück in der Ausgabe des Aurora-Verlags (ein Imprint des Eulenspiegel-Verlags). Sie belegt mehr Seiten mit Hintergrundinformation als mit dem kurzen Stück selbst (das auf der Bühne offenbar zwei Stunden und länger dauerte). So liest man lange historische Erklärungen zu Goethe und von Stein, Zitate aus Aufführungskritiken und Briefe von Peter Hacks an Theaterregisseure mit Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aufführung (das Bühnenbild soll ein biederes Zimmer ohne Schnickschnack mit einer Fenstertür hinten Mitte zeigen; die Schauspielerin soll das Publikum anreden; lieber nichts rausstreichen).

Zu diesen verdienstvoll, aber untererläutert mitgelieferten Sekundärmaterialien fehlen jedoch die Hintergründe der Hintergründe, die Tertiärliteratur. Dort möchte man z.B. lesen, wer das 14seitige Nachwort schrieb.

Assoziationen:

Reden, reden, reden über den (zumindest lange Zeit) abwesenden Goethe, das kennt man auch aus Thomas Manns Roman Lotte in Weimar.

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