Kritik Sachbuch: König und Dame. Ludwig I. und seine 30 Mätressen, von Rudolf Reiser (1999) – 5 Sterne

Rudolf Reiser klingt über lange Strecken vorpubertär sensations geil lüstern und Bänkelsänger-komödiantisch, er psalmodiert von „fleischlichen Gelüsten in der Fastenzeit“ (Überschrift S. 37), nennt Ludwigattin Therese das „unangenehme Scheu- und Schicksal seines Lebens“ (S. 18), Ludwig deroselbig sei ein „mieser und fieser Charakter“ (S. 8). Seine derben Schenkelklopfer betont Reiser immer wieder per Ausrufezeichen.

Gierig zeigt Rudolf Reiser (*1941) auch italienische Aktgemälde ohne Ludwigbezug und sekretiert dazu Gereimtes (S. 35):

Nicht das kleinste Fädchen bedeckt eines der zehn Mädchen.

Mit Binnenreim unterhält Reiser sein Publikum noch öfter (S.47):

Er fügt und lügt hinzu

S. 53:

((…)) angesichts der Alten Pinakothek und der jungen Mätressen nicht vergessen!

S. 59, Fieber:

Er soll nie wieder Mariannas Leib, ihr Körperhaar spüren und berühren.

S. 73, Drama:

Es gab vor den Stunden in den Betten so manche Woge zu glätten.

Wie wirkte sich Ludwigs markante Schwerhörigkeit auf die Geschlechterbeziehungen aus – das erwähnt Reiser nur einmal kurz, Ludwigs pockennarbiges Gesicht gar nicht. Von Politik hören wir fast nichts. Während Reiser Ludwigs Erotomanie scharf verurteilt, hechelt er doch jedem Schäferstündchen hinterher – Reiser wäre ein guter Kenneth Starr.

Die meisten Frauen lernen wir gar nicht kennen, außer daß sie gut aussehen, und es gibt reichlich historische SW-Abbildungen. Eine Doppelseite fasst Geburts- und Sterbedaten zusammen, soweit recherchierbar.

Doch während Rudolf Reiser scheint’s jeden Ludwigschen Seufzer und mindestens 30 Loverinnen kennt und benennt, heißt es über die Hochzeitsnacht nur diskret, aber natürlich powered by Binnenreim (S. 17):

Ludwig ((…)) vergnügt sich in provokativer Weise anderwärts. So belügt und betrügt er ((seine Frau Therese)) von Anfang an.

(Therese-Biografin Philipps schildert die Episode viel zurückhaltender.) Wenn schon, sollte Rudolf Reiser alles sagen und unseren Voyeurismus hier nicht plötzlich frustrieren. Noch mehr Fragen lässt Reiser offen: Ludwigs Vater Max habe erklärt, dass sich „die bürgerliche Moral für einen künftigen Regenten nicht zieme“ (S.16). Einen Beleg für diese erstaunliche Erklärung liefert Reiser nicht, er bietet überhaupt kaum Quellennachweise.

Reiser erklärt stolz wie Bolle, dass er (S. 8)

sich auf bisher unbekannte italienische und deutsche Quellen stützt!“

Damit meint der Lakenschnüffler überraschend keine gentechnischen Untersuchungen auf Miedern oder Bettseide, sondern neu entdeckte Texte, die er im kurzen Anhang kurz anspricht.

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