Kritik Roman: Lucrecia515, von Lasha Bugadze (2013) – 1 Stern

Fazit:

Der Autor hat eine interessante Plotidee: die Ehefrau lässt das Passwort ihres ehebrecherischen Mannes knacken, chattet unter seinem Namen mit der Konkurrenz. Doch Lasha Bugadze schreibt primitiv, vulgär, banal, unrealistisch und verwirrend. Nicht eine Sekunde lustig oder auch nur charmant.

Rein raus rein raus:

Der reiche Saucenfabrikant Sandro betrügt seine Ehefrau Keti unentwegt. Der Protagonist ist dabei so banal, schwanzgesteuert und irrational wankelmütig, dass er nicht charmiert. Der Text tönt  teils  aufdringlich vulgär, und die vielen kurzen Kapitel und Affären klingen wie rein raus rein raus.

Im sehr leicht lesbaren Buch geht‘ s auch um, Zitat, „buschige Schambehaarung“, „Ficken“, um „Scheißen“ beim Aufriss; „ziemlich ideale Pimmel“ harpunieren „ihre rot hervorblitzende Klitoris“ etc.. Für „miteinander schlafen“ oder „Sex haben“ sagen die Protagonisten meist „seinen Pimmel reinstecken“. Die Figuren schimpfen mehrfach „verfickte Scheiße!“, „du Wichser!“, „du dreckige Fotze!“ und monieren, „dass die Schlampe ihre Fotze nicht im Griff hat“. Gute Unterhaltung.

Passwortknacker:

Ein gewisser Reiz entsteht, als Keti das Passwort Ihres Mannes knacken lässt und unter Sandros Namen mit Sandros Affären chattet. Das merkt Sandro aber schnell, und es ist völlig unverständlich, warum er sein Passwort nicht sofort ändert. Später löscht er Skype (warum nicht das Passwort ändern), lässt aber sein Mail- oder Messengerkonto unverändert, obwohl mindestens zwei Frauen dort mitlesen und -schreiben. Absurd.

Dass Ehefrau Keti den Schlüssel zu seiner Bleibe hat, stört Schwerenöter Sandros Privatsphäre ebenfalls – warum nicht das Schloss auswechseln oder den Schlüssel von innen einstecken? Weil dem Plot dann Drama fehlt? Eine von vielen künstlichen Krisen, die der Autor herbeikonstruiert.

Lasha Bugadze (*1977) schiebt schrille Komikfiguren übers Parkett, zunehmend verwirrend, ohne Bezug zum Leben oder zum georgischen Schauplatz.

Mamuka, Nikuscha, Gia, Zaza:

Der Roman heißt Lucrecia515 nach dem Passwort des Protagonisten. Das Passwort scheint keine spezielle Beziehung zur Handlung zur Handlung zu haben (aber vielleicht habe ich was übersehen). Passend zur Story gefiele mir der Titel „Bin in einem Meeting“ besser.

Mich verwirrte, dass einige Männernamen auf a enden (Mamuka, Nikuscha, Gia, Zaza) und einige Frauennamen auf o (Nino, Tiko, Rusiko). Manche Männernamen enden auch auf o, einige Frauen auf a.

Assoziation:

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