Kritik Politik-Spielfilm: Im Schatten der Macht (2003, von Oliver Storz) – 7 Sterne – mit Video


Der Film erzählt in zweimal knapp 90 Minuten, wie Bundeskanzler Willy Brandt 1974 wegen der Guillaume-Spionageaffäre und Frauengerüchten zurücktreten musste. Das ist spannend zumindest für alle, die mit den Vorgängen noch vertraut sind. Allerdings:

Regisseur/Autor Oliver Storz und Produzentin Regina Ziegler dramatisieren übertrieben. Ständig erscheinen selbstwichtig zerfurchte Gesichter in Nahaufnahme und Halbdunkel, hinter spiegelnden Scheiben und Rauchschwaden; auch die Ministerzimmer liegen stets in unnatürlichem Halbdunkel; Agenten treffen sich in strömendem Regen auf nächtlichen Parkplätzen; schwarze Benze gleiten staatstragend durch graues Land. Jazzgröße Klaus Doldinger liefert einen vielstimmigen, hochwertigen Soundtrack, der jedoch zu oft und zu dräuend erklingt; dazu kommen eindrucksvolle, gut geplante Kamerafahrten; Noir in Bonn?

Interessant: Willy-Brandt-Sohn Matthias Brandt spielt den Spion Guillaume, über den sein Vater Willy Brandt als Kanzler einst stürzte. Und im Film erscheint Matthias kurz als Zwölfjähriger.

Die Schauspieler sehen ihren Vorbildern aus der sozialliberalen Koalition nur halb ähnlich, so Michael Mendl (Brandt), Dieter Pfaff (Genscher, könnte auch Ludwig Erhard sein), Rudolf Kowalski (Bahr), Barbara Rudnik (Rut Brandt, könnte auch von der Leyen geben), Robert Giggenbach (Ehmke) und Matthias Brandt. Eine deutlichere Ähnlichkeit haben Jürgen Hentsch als Wehner (auch durch die Pfeife ausgewiesen, die zudem in einer langen Silhouette betont wird) und Felix von Manteuffel als Scheel. Geradezu aufdringlich ähnelt jedoch Mendls kratzende, schleppende Stimme dem immer noch vertrauten Original.

Im selben Jahr zum selben Thema erschien auch das Theaterstück Demokratie von Michael Frayn.


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