Kritik Paar-Roman: Keiner hat gesagt, dass du ausziehen sollst, von Nick Hornby (2018, engl. State of the Union), von Nick Hornby – 7 Sterne – mit Video

Ich habe beim Lesen öfter laut gegackert, gewiehert und gequakt, wann gibt’s das schon. Der Autor entwirft ein originelles Szenario und bringt einen komischen Satz nach dem anderen.

Gepfefferte Einzeiler:

Freilich zelebriert Roman- und Drehbuchroutinier Nick Hornby (*1957) seine Kunst fast zu lässig-souverän: Wie sich das Ehepaar im Zentrum des Buchs wieder und wieder in Kleinkram verdiskutiert und daraus amüsante Minidramen generiert; wie Randbemerkungen überinterpretiert werden; die kleinen, wunderlichen Aktionen (zum Beispiel ein gefälschter Gipsverband); die originellen Vergleiche zwischen Brexit und Scheidung.

Hornby platziert da einen gepfefferten Einzeiler nach dem anderen. Ist das wirklich tiefschürfend? Oder nur intelligent lustig? Klug oder Spaßgymnastik? Warmherzig ist es auf jeden Fall – trotz verständlichen Grolls hängen Mann und Frau aneinander, das hört man man zwischen den Zeilen, und sie wollen sich nicht wirklich trennen. Das verrät ja auch der deutsche Buchtitel.

Wir erleben das Ehepaar über zehn Wochen nur bei Kneipengeplauder vor den Therapiestunden, am immergleichen Ort, mit immergleichem Ablauf. Was passiert war und was in der erzählten Jetztzeit außerhalb der Kneipe abläuft, erahnen wir nur aus den Dialogen. Zwar tut sich in den zehn Wochen beim Ehepaar einiges – der Mann zieht aus, es gibt eine Teilversöhnung – , doch das erraten wir nur aus reminiszierenden Wortbeiträgen der Akteure, und so hat das Büchlein scheinbar wenig Entwicklung und tritt irgendwie auf der Stelle.

Zumindest im englischsprachigen Fernsehen wird’s eine zweite Staffel geben, diesmal mit einem US-amerikanischen Paar um 60, gespielt von Brendan Gleeson und Patricia Clarkson, Regie wieder Stephen Frears, wieder mit zehn zehnminütigen Episoden (Stand Januar 2021). Ob ein Buch und eine deutsche Fassung herauskommen, wie für die erste Staffel, weiß ich nicht.

Besser als Hörspiel:

Geschrieben hatte Hornby das sehr kurze Stück zunächst als Drehbuch für eine britische TV-Serie (Zumfilmwiki; ARD-Seite); nachträglich lötete er ein paar Nebensätze an („sagte Louise“) und hatte eine Art Roman. Doch alle zehn Szenen spielen am selben Ort mit wenig Personal – so scheint weniger Film als vielmehr Theater das richtige Genre zu sein, oder sogar Hörspiel (Hornbys gedrucktes Filmdrehbuch An Education hat weit mehr Szenenwechsel).

Als Hörspiel hätte die Geschichte einen weiteren Vorteil: Die Stimmen von Mann und Frau ließen sich dann eindeutig auseinanderhalten. Das geht im gedruckten Buch nicht: Zwar bevorzugen die zwei Hauptfiguren unterschiedliche Themen, doch stilistisch gleichen sie sich. Und weil Hornby zu selten ein „sagte Louise“ einflicht, ordnet man die Einzeiler nicht immer auf Anhieb dem richtigen Sprecher zu.

Andererseits: bei so manch witzigem Quasselfilm komme ich nicht recht mit, finde den Text wichtiger als die Schauspieler und denke, das sollte man lieber gedruckt lesen als im Film gucken – das gilt für frühe Woody Allens, für Sex and the City und wohl auch für diese Geschichte eines Ehepaars. So gesehen ist das Buch doch die richtige Form.

Der Film:

Ende Januar 2020 zeigte die ARD die zehn zehnminütigen Szenen aus UK als durchgehenden Spielfilm (R Hornby-Kumpel Stephen Frears, D Rosamund Pike, Chris O’Dowd, in der ARD-Mediathek kpl. nur bis 1.3.2021). Übersetzung und Synchronisation waren dezidiert schlecht, und zumindest auf meinem Receiver gab’s Ton und Untertitel nur auf Deutsch – wie gern hätte ich es auf Englisch mit engl. UT gehabt, aber die engl. Fassung in der BBC-Mediathek lässt sich in Deutschland nicht ohne weiteres abspielen. Rosamund Pike spielt, als ob sie sich über ihren Text leicht amüsiert. Lieber lesen.

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