Kritik Kurzgeschichten: Eine letzte Liebschaft, von Richard Yates – 7 Sterne

Dieser Band enthält Yates-Stories, die in den USA nie oder zumindest nicht zwischen Buchdeckeln erschienen, die jetzt aber auch auf Englisch in Yates‘ Collected Stories herauskamen. Offenbar basieren die meisten Geschichten auf Yates‘ eigenem Leben: biografische Skizzen zum Autor lesen sich wie die Zusammenfassung einer Yatesschen Kurzgeschichte, und die Themen kehren auch in Yates‘ Romanen wieder.

Die Geschichten aus Eine Letzte Liebschaft

  • Protzen mit Kriegserlebnissen auf einer Cocktailparty
  • Beziehung Patient-Krankenschwester in Militärkrankenhaus
  • 2 Marine-Ehefrauen gehen in Frankreich aus, ihre Männer sind auf hoher See
  • Zwei Soldaten im Graben im Mai 1945 hören fernes Glockenläuten
  • Männer in Krankenhaus brüsten sich mit früheren Diebestouren
  • Schülerin gilt ungerechtfertigt als Diebin
  • Rechnungsprüfer wird von Gattin verlassen, will sogleich Kellnerin aufreißen
  • Junge US-Amerikanerin tourt Paris, Südfrankreich, Venedig, Rom
  • Selbstmitleidig genesender Krankenhausentlassener zu Hause bei Frau + Kind

Die Geschichten bieten den vertrauten Yatesschen Pessimismus in punkto menschliches Beieinander, mit einer fast verblüffenden Ausnahme. Die Dialoge und Kulissen wirken ungemein realistisch, meist trostlos. Richard Yates schreibt meisterlich flüssig (ich kenne nur die englischen Originale, nicht die Eindeutschung).

Die Herren der Schöpfung sind bei Yates krankhaft stolz und betrachten Frauen als Spielzeug (solange die Männer nicht krank und auf Frauen angewiesen sind). Gleich zwei Geschichten in diesem Teil spielen auf TB-Stationen im Militärkrankenhaus – das Männergehubere dort wird einem bald zuviel.

Der Buchtitel „Eine letzte Liebschaft“ hat mir nicht gefallen. Wie könnte man besser formulieren? Die entsprechende Geschichte heißt im Englischen „A Last Fling, Like“. Wie würde man das treffender übersetzen? „Vielleicht eine letzte Affäre“? „Quasi eine letzte Affäre“? Oder sogar „Eine letzte Affäre, naja, vielleicht“? Eignet sich das noch als Buchtitel? Diese Geschichte enthält übrigens weniger Fling/Liebschaft/ Affäre, als man vermuten könnte.

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