Kritik Kinodrama: Blue Jasmine (2013, mit Cate Blanchett, Regie & Buch Woody Allen) – 6 Sterne – mit Trailer & Presse-Links

Cate Blanchett spielt sie alle an die Wand. Einerseits ist sie die verwöhnte, schöne Frau eines superreichen Anlagebetrügers. Doch zwischendurch sehen wir immer wieder Szenen aus ihrem späteren Leben – da flog sie aus ihrem Luxusparadies und lebt bei ihrer schlichten Adoptivschwester, einer Supermarkt-Angestellten mit Proll-Freunden, und wird zur Pillen und Alkohol schluckenden Psychopathin, die im richtigen Moment unglaublich Lügen erfindet.

In dieser exzentrischen Rolle schauspielert Cate Blanchett für die Rampe: mal die exaltiert Frustrierte, mal die trügerisch charmante Society-Dame, mal fast schon abgestiegen zur in Selbstgespräche versunkenen Pennerin, ihr aufgewühltes Gesicht in Großaufnahme, und ihre Präsenz dominiert den Film zu 110 Prozent. Dafür gab’s den Oscar. Ganz nebenbei, gut sieht sie auch aus.

Blue Jasmine wechselt immer wieder zwischen Jasmines früherem und ihrem aktuellem, enttäuschenden Leben; die Geschichte wird abwechselnd vom Anfang und vom Ende her erzählt. Doch viele Dialoge und Rollen hat Woody Allen überdeutlich geschrieben, die Zaunpfähle ragen in den Himmel, subtil geht anders. Dass geduldige Verhalten der Adoptivschwester erscheint kaum nachvollziehbar. Die Männer im Film sind alle degeneriert.

Die Darsteller sind exquisit gekleidet, die Kamera leistet nichts Besonderes. Das Bild meiner Bluray war durchschnittlich, und es gab kaum Extras (doch in den vorhandenen Extras nennen die Schauspieler pflichtschuldigst alle beteiligten Modedesigner). .

„So echt wie Ersatzkäse…“ – deutschsprachige Kritiker:

Der Film erhielt nicht nur viele Preise und Kritikerlob, er spielte zudem die Produktionskosten wieder ein. Dazu kommen ein paar deftige Verrisse.

Der Spiegel, Wolfgang Höbel:

Er erzählt nicht bloß irgendeinen überraschend neuen Witz, sondern eine scharfsinnige, todernste Tragödie… ganz auf Cate Blanchett konzentriert

Süddeutsche Zeitung, Tobias Kniebe:

((Blanchetts)) aggressive Vitalität wirkt so echt wie Ersatzkäse… wo er das „wahre Leben“ zeigen will, erstickt der Film fast an der eigenen Künstlichkeit.

Die Zeit, Thomas E. Schmidt:

Manche absurde Pointe in bewährter Woody-Allen-Manier, vielleicht noch etwas grimmiger als gewöhnlich… Starkino, wenn auch ein unaufdringliches…

Neue Zürcher Zeitung, Christoph Egger:

Schicht um Schicht legt Cate Blanchetts superbe Interpretation Jasmines – die eigentlich Jeanette heisst – Lebenslüge offen…

Frankfurter Allgemeine Zeitung, Andreas Kilb:

Rückblenden, die mit fast nachlässiger Beiläufigkeit in das Geschehen eingefügt sind (den Schnitt hat Woody Allens bewährte Cutterin Alisa Lepselter besorgt)…

Falter.at:

Für seinen stärksten Film seit Jahren hat Woody Allen wieder einen beeindruckenden Cast versammelt, einschließlich der Komiker Louis CK und Andrew Dice Clay

  • Deutsche Kritikerzitate bei Film-Zeit
  • IMDB: 7,3 von 10 Publikumssternen (133k Stimmen, jew. September 2015, Männer und Frauen stimmen etwa gleich)
  • Metacritic: Durchschnittnote von 47 Rezensionen 78 von 100, mit engl. Kritikerzitaten
  • Rotten Tomatoes: Durchschnittswert 91% Kritikerzustimmen, mit engl. Kritikerzitaten

„A bad sitcom with some good actors…“ – Englische Kritiker:

New York Times, Manohla Dargis:

She’s pathetic, absurd, complaining about being broke one minute and explaining why she flew first class the next… this moving, sometimes funny film

Variety, Justin Chang:

This serious-minded but ruefully funny work is centered around a mesmerizing performance by Cate Blanchett… a meaty, fully realized drama…

Salon.com, Andrew O’Hehir:

Woody Allen is just lazy now… his characters are pretty much a collection of self-involved, conniving creeps… less a person than a neurotic collection of tics

Village Voice, Stephanie Zacharek:

Blue Jasmine is so relentlessly clueless about the ways real human beings live… it seems like a movie beamed from another planet…

The Guardian:

Here it is: the real deal, an actual Woody Allen film, the kind we once looked forward to, took for granted, then despaired of ever seeing again.


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