Kritik Dokumentation: Deportation Class – 7 Sterne – mit Video

Die Doku zeigt zwei albanische Familien ohne Aufenthaltsberechtigung in Deutschland. Sie werden unerwartet frühmorgens von der Polizei geholt und nach Albanien ausgeflogen. Im letzten Filmdrittel sehen wir das neue Leben der Abgeschobenen in Albanien.

Die Doku von Carsten Rau und Hauke Wendler liefert unvertraute Einblicke: Besprechungen bei Polizei und Behörden, Eindringen der Polizisten in die Wohnungen der abzuschiebenden Albaner, die Fahrzeuge Richtung Flughafen, Anwaltskanzleien, die Gymnasialklasse eines abgeschobenen Mädchens und schließlich die neuen Unterkünfte in Albanien. Nur aus dem Flugzeug gibt es keine Bilder.

Mit diesen Szenen macht sich die Doku verdient, auch wenn unklar ist, ob die Albaner bei der überraschenden Abschiebung und in Unterhose gefilmt werden wollten. Dass sie später lange Interviews in Albanien geben, signalisiert zumindest nachträgliches Einverständnis.

Mich störten die langen, starren Schwarzweißportraits zwischen den Interviews, die offenbar eindringlich irgendeine Botschaft unterstreichen sollen. Gelegentlich erklingen einzelne Kontrabass-Noten, doch insgesamt gibt es erfreulich wenig Musik. Der Film sympathisiert nach meinem Eindruck mit den Abgeschobenen, die Filmemacher unterstreichen diesen Eindruck nach Kräften auf der Webseite zum Film.

Die Betroffenen sind schockiert, aber auch resigniert, es gibt kaum Drama oder Aggression bei Albanern oder deutschen Beamten. Die Organisation der Abschiebung mit mehreren Bussen, Polizeiwagen bis hin zur Airberlin-Chartermaschine in Rostock-Laage wirkt perfekt organisiert und suggeriert eine kalte, unüberwindliche staatliche Machtmaschinerie.

Ein Polizist sagt in die Kamera, dass er den Auftrag emotionslos erledige, um geltendes Recht durchzusetzen (weitaus emotionaler reagiert der Lehrer einer Abgeschobenen). Kalt wirken auch Fachausdrücke wie „aufenthaltsbeendende Maßnahmen“ oder „zugeführte Personen“. Überraschend nur: Die Dolmetscherin des Filmteams hilft den Polizisten, die keine Dolmetscher dabeihaben. Dass es keinen Kommentar aus dem Off gibt, macht die Bilder noch stärker und beklemmender.

Lediglich der meckpommersche Innenminister Caffier mit Schirmmütze fragt die Albaner, warum sie nicht längst freiwillig ausreisten. Sie hätten doch die Ablehnung vor einem Jahr erhalten und sich den Schock der Abschiebung ersparen können. Dazu gibt es keine Antwort, auch nicht in den Interviews des Filmteams mit den Albanern.


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