Kritik: Der römische Schneeball, von Mario Adorf (Erzählungen 1999) – 5 Sterne

      
Mario Adorf ist sicher ein Netter, und man sieht sein Lächeln oft zwischen den Zeilen, wenn er seine Schnurren und Räuberpistolen vorträgt. Das gilt vor allem für die römische Titelgeschichte.

Gerne mischt Adorf Epochen via Rückblende und per Geschichte in der Geschichte. Schwächen fallen gleichwohl ins Auge: Einzelne Sätze und ganze Handlungsabläufe wirken holprig, die ganze Buchmischung erscheint heterogen: Erfundenes und wahre Erinnerungen ungut nebeneinander, unterschiedlichste Milieus nebeneinander, so Rom, Paris, Hongkong, Südamerika, dann wieder Sizilien; Metropolen und Dschungel; aus den 1980ern und aus Berlin 1933.

Ich lese Fiktives mit ganz anderen, wie soll ich sagen, Antennen als Tatsachenberichte; ich finde es problematisch, Geschichten beider Kategorien in einem Buch zu mischen – mehr noch, weil hier Dichtung oder Wahrheit nicht immer als solche identifizierbar sind. Die Kulissen der mutmaßlich erfundenen Geschichten erscheinen filmi und klischiert: Berlin der 30er, römische Gassen, sizialianische Mafiaidylle, distinguierte Künstlerwelt im Pariser 16ten Arrondissement.

In den langen Tagebuchauszügen über die Fitzcarraldo-Dreharbeiten haut Mario Adorf den Regisseur Werner Herzog gehässig tief in die Pfanne, nicht nur als Regisseur und Manager, auch als Buchautor. Adorf selbst stilisiert sich dabei als verkannter Teampsychologe und Skriptdoktor, der auch mal ein paar Nächte mit Mick Jagger verplaudert. Die zwei Geschichten aus Rom und Sizilien kehren in Adorfs Italien-Sammelband Der Fotograf von San Marco wieder.

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