Kritik Briefroman: Der Fieberkopf, von Wolfgang Bauer (1967)

Der Briefroman ist auf mehreren Ebenen irre:

  • Ständig überkreuzen sich Briefe und Telegramme
  • die Sprache hat etwas Besessenes, übertrieben Biederes, aufdringlich Banales, ohne je platt zu blöken oder kalauern
  • die Handlung wird immer rasender, die spießigen Akteure verwickeln sich in immer seltsamere Geschichten bis ins Fantastische hinein; lauter Fieberköpfe

Und darum bin ich nach der Hälfte ausgestiegen. Wolfgang Bauer (1941 – 2005) schreibt vergnüglich einerseits, aber auch völlig verwirrend und, wenn man etwas versteht, doch implausibel. Unentwegt trifft man Protagonisten wie „Ulpian Hemmelberger, einen entfernten Verwandten Hubert Fabian Kulterers!“ Ja, das zergeht auf der Zunge, aber es wirkt auf Dauer zu sehr nur noch sinnfrei. Das weitere Überkreuzen der Briefe bemerkt man im allgemeinen Chaos der Ereignisse und Charaktere gar nicht mehr.

Das Fischer-Taschenbuch zitiert am Ende eine SZ-Rezension von Benjamin Henrichs: „Man kapiert, daß man gar nichts kapieren soll“. Sowas kann lustig sein, und sprachlich ist es das hier auch. Aber trotzdem auf Dauer nix für mich.

Freie Assoziation:

Der Briefroman Still leben von Jan Peter Bremer – auch dort steigert sich der Korrespondent zunehmend in einen Wahn.

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