Kritik Biografie: Westwärts mit der Nacht, von Beryl Markham (1942, engl. West with the Night)

Ich kenne die Beryl-Markham-Biografien von Mary S. Lovell und Erroll Trzebinski. Autobiografien wie diese von Beryl Markham über sich selbst lese ich normalerweise gar nicht, weil sie mir zu einseitig sind. Laut Biografinnenmeinung stimmt auch nicht alles in den Markham-Memoiren, aber das erwartet man ja auch nicht.

Doch die Markham-Memoiren werden allseits für ihren Stil gelobt, u.a. von Ernest Hemingway und (unabhängig von ihm) von Martha Gellhorn; sie hält – wie andere – die Markham-Memoiren für teils ebenbürtig mit Tania Blixens stimmungsvollem Jenseits von Afrika (Seite x und xi des 1984er-Martha-Gellhorn-Vorworts zu West with the Night in der britischen Virago-TB-Ausgabe von 1988 auf Basis der North-Point-Wiederauflage von 1983; eine deutsche Fassung kenne ich nicht).

How is it possible… I never knew… I have never known:

Mir selbst gefielen Tania Blixens Memoiren auch, doch Beryl Markhams Erinnerungen musste ich nach wenigen Seiten abbrechen. Es ist voll mit allgemeinem, nichtssagendem Geschwafel, z.B. die ersten Sätze auf Seite 3:

How is it possible to bring order out of memory? I should like to begin at the beginning, patiently, like a weaver at his loom. I should like to say, ‚This is the place to start; there can be no other.‘ But there are a hundred places to start for there are a hundred names…

Was für eine Schlaftablette.

Oder Seite 4:

I never knew what their digging got them, if it got them anything

Sie weiß, dass sie nichts weiß – aber muss sie das auch noch erzählen?

Oder Seite 5:

I have never known whether this questionable encouragement to the casual traveller was only the result of well-meant wishful thinking or whether some official cursed with a depraved and sadistic humour had found an outlet for it after years of repression in a muggy Nairobi office.

Dieser 46-Wörter-Satz voll selbstgerechter Adjektive sagt mit vielen selbstgerechten Adjektiven „Nichts“, er ist völlig überflüssig. Und es geht in dem Stil weiter.

Dazu kommt, dass die Kenianer laufend „Arab Maina“ oder „Arab Kosky“ heißen – es geht aber nicht um Araber (die einst als Sklavenhändler durch das heutige Kenia zogen); Arap oder arap ist ein Titel bestimmter kenianischer Volksstämme wie in Daniel arap Moi (Markham-Biografin Lovell schreibt z.B. „arap„, also klein, kursiviert und mit „p“).

Viele Köche:

Dazu kommt die Frage, wer welchen Anteil an den Markham-Memoiren hat. Laut Biografin Mary S. Lovell unterstützten mindestens zwei Männer Beryl Markham; Biografin Trzebinski sieht noch weniger Markhamsche Eigenleistung. Natürlich kann man das Buch auch genießen, ohne zu wissen, wer welchen Satz verantwortet. Doch bei jedem Wein oder Olivenöl erfahren wir Herkunftsregion und Fruchtsorte – da möchte man auch bei einem Buch mit ausgeprägtem  Eigengeschmack  Personalstil das Terroir kennen.

Interessant bei meiner Ausgabe war das nüchterne, aber lobende Vorwort von Martha Gellhorn, die auch von einem kurzen Besuch bei Beryl Markham in Kenia in den 1970ern berichtet. Zwar stellt Gellhorn die Memoiren von Blixen und Markham auf eine Stufe, sagt aber auch, „Karen Blixen’s is superior writing, the lyricism more disciplined“ (Seite xi). Markham-Biografin Trzebinski schreibt, Gellhorn „did not ultimately like“ West with the Night (S. 299 des Trzebinski-Buchs über Markham); ich weiß nicht, ob Trzebinski sich nur auf Gellhorns gedrucktes Vorwort oder auf weitere Quellen stützt.

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