Kritik Biografie: Picasso, von Wilfried Wiegand (1973, rororo-monografie) – 6 Sterne

Wilfried Wiegand (*1966) war einst Redakteur bei Welt, Spiegel und FAZ. Wie von rororo-Monografien gewohnt, beschreibt Wiegand Pablo Picassos Leben nüchtern, überwiegend gut les- und nachvollziehbar, meist ohne Schwulst (also anders als Ingo F. Walther im Taschen-Verlag). Gelegentlich gibt es auch wunderliche Sätze wie (S. 24):

Denn die Frauengestalten, die Nonell vor blauem oder ockerfarbenem Hintergrund malte, sind so weitgehende Vorwegnahmen von Picassos Blauer Periode, dass lange Zeit ungeklärt war, wer von beiden Künstlern der Gebende war.

Wiegand flicht viele markante Picasso-Zitate ein und behandelt teils über mehrere Absätze hin gesellschaftliche und politische Ereignisse – Revolutionen, Kolonialismus. Doch vor allem stellt der Autor sein Sujet in den kunstgeschichtlichen Kontext („Brancusi, Archipenko, Laurens, Lipchitz, Zadkine und González…“, S. 88; „die klassische Harmonie wurde jetzt nur noch als Ruhepunkt innerhalb eines unentwegten Prozesses der Entstehung und Zerstörung von Formen verstanden“, S.140).

Picasso (1881 – 1973) als Privatmann, Geschäftsmann, Medienstar figuriert kaum, sein politisches Interesse nur in den Jahren 1937 – 1945. Wiegand konzentriert sich zudem weitgehend auf Gemälde – Zeichnung, Grafik, Plastik, Poster, Bühnenbild und Keramik bespricht er kaumst.

Ich hatte die 1973er-Buchfassung, „36. – 40. Tausend Mai 1981“. Laut Wikipedia soll es eine 2. Auflage von 2008 geben, die ich online so nicht finde; auf jeden Fall gibt es seit 2020 eine E-Book-Fassung – ob gegenüber der Erstversion aktualisiert oder nicht, weiß ich nicht, jedenfalls ist „das Bildmaterial der Printausgabe ((…)) in diesem E-Book nicht enthalten“.

Die Abbildungen erscheinen sämtlich nur in besonders blassem Schwarzweiß, teils eventuell mehrfach gerastert. Zudem erwähnt Wiegand im Text wiederholt Bilder, die nicht gezeigt werden – und bei Bildern, die er tatsächlich zeigt, fehlt im Lauftext eine Seitenangabe zur Abbildung. Ingo F. Walthers günstiger Picasso-Farbband bei Taschen ist jedoch eine gute Ergänzung, da beide Autoren gutteils über dieselben Bilder reden und Walther gute, große Farbrepros mitliefert (jedoch kein Abbildungsverzeichnis). Halbwegs übersichtlich sind auch pablo-ruiz-picasso.net, art-picasso.com und und artsviewer.com. Keine dieser Quellen zeigt jedoch alle Bilder, die man passend zum Buch sehen möchte, und speziell die Onlinequellen nennen teils abweichende Bildtitel und Jahreszahlen.

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