Kenia-Geschichtsbuch-Kritik: Happy Valley. The Story of the English in Kenya, von Nicholas Best (1979/2013) – 5 Sterne

Der Haupttitel Happy Valley lässt vermuten, es gehe nur um die Ausschweifungen sinnenfroher Engländer im notorischen Happy Valley, Kenia, in den 1920er und 1930er Jahren; das Thema bekommt bei Best aber nur ein paar Seiten. Besser trifft’s der Untertitel, denn tatsächlich schildert Best die kolonialen Jahre Kenias von Joseph Thomsons Expedition 1883 bis zur Unabhängigkeit 1963 (Best beginnt also nicht mit Ludwig Krapfs Landung in Mombasa 1844); dem folgt im Nachwort eine Bilanz der Unabhängigkeit bis 2013 („many failings after fifty years of self-government“, S. 217).

Best plante sein Erstlingsbuch Happy Valley bewusst als Spaßlektüre für Strand oder Safari-Lodge. Er schreibt flüssig, aber auch sehr anekdotisch, teils aufdringlich launig-schenkelklopfend – immer an persönlichen Schicksalen der Engländer entlang. Afrikaner und Inder bleiben bis zu den Mau-Mau-Aufständen in den 1950er Jahren Statisten. Besonders drollige und wagemutige Käuze wie den Schmuggler Walker schildert Best sogar seitenlang bei nichtafrikanischen Aventuren (S. 132).

Zwei- und vierbeinige Menschenfresser, Masai-Huren, Kriegsscharmützel und Greuelmorde interessieren Best mehr als Kolonialpolitik und Interkulturelles. Insgesamt ein Anekdotenreigen, bei dem der Engländer Best die Engländer im ersten Weltkrieg und auch später bei der Rebellenhatz als Volltrottel zeigt. Zum Ausgleich für die köstlichen Späßchen schildert Best die Massaker der Mau-Mau-Rebellen an weißen Siedlern unnötig genau – „bestial and repugnant beyond belief“ agierten die Rebellen laut Best (S. 182), darum gönnt er uns die grausigen Details. Vergleiche mit Südafrika, Rhodesien, Nigeria oder Ghana gibt’s nicht.

Relativ viel Raum bekommt Tania Blixen, Autorin von Jenseits von Afrika, die Nicholas Best eher negativ (und mit kleineren Fehlern)  darstellt (S. 116):

„one of those women who always have to dominate the proceedings, who become petulant and irritable if they are not at once the centre of attention… no great shakes to look at… The Duke of Portland… remembered her as ‚plain, fat and very tiresome‘

Ihre Memoiren seien jedoch besser geschrieben als andere Afrika-Erinnerungen. Auf die Blixen-Verfilmung Jenseits von Afrika mit Robert Redford geht Best nur mit einem Satz ein.

Bests Buch erschien offenbar 1979 und wurde für die 2013er-Ausgabe ergänzt. Die günstigste Papierversion des Buchs gab’s neu bei Amazon – billiger als Gebrauchtfassungen. Tatsächlich war es aber wohl nicht der Originaldruck aus USA oder England, sondern eine schnell nachgedruckte Version („Printed in Poland by Amazon Fulfillment Poland Sp. z o.o., Wroclaw“, ähnlich wie bei meiner Richard Yates-Biografie) – mit der billigen Anmutung einer südvietnamesischen Raubkopie.

Meine Ausgabe von Happy Valley enthält ein paar schlechte Schwarzweißfotos, keine Landkarte, kein Stichwortverzeichnis, keine Belege, keine Zeittafel. Inhaltliche Korrektheit kann ich nicht beurteilen, aber ein paar Angaben zu Tania Blixen harmonieren nicht mit ihren Biografien (ich meine nicht ihre Kenia-Memoiren); und ein falscher Satz wie „During the mid-1980s ((sic)), Kenyatta studied intermittently at the University of London“ (S. 127) fällt sogar mir auf.

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