Kauderwelsch-Sprachführer: Reise Know-How Hindi für Bollywoodfans – 5 Sterne

Mehr Plauderei als Sprechkunde

Autor Daniel Krasa liefert eher ein Bollywood-Sachbuch in lieblosem Deutsch mit eingestreuten Hindi-Lektionen und wenigen, ausgesprochen schlecht reproduzierten Schwarzweißbildern (ich hatte die Ausgabe von 2007). Für die Reise eignet sich das Bändchen also definitiv nicht.

Nur das Grammatik-Kapitel (rund 14 von 190 kleinformatigen Seiten) konzentriert sich ganz auf die Sprache. Dazu kommen wenige Seiten zu Bombay-Hindi und einige einseitige Listen wie „Die besten Sprüche“ oder „Die schönsten Liebeserklärungen“.

Mehr Filmgeschichte als Sprechbuch:

Krasa belegt seine Thesen mit unzähligen Filmen, darunter auch viele Streifen z.B. von 1949 oder 1958. Die in Deutschland populäreren Streifen, die ab 1995 entstanden, mag er wohl weniger (freilich, ab 1995 produzierte Filme erschienen öfter mit deutscher Synchronisation, erfordern also weniger Hindi-Nachhilfe). Obwohl er viele Originalsätze zitiert, nennt Krasa meist nur die Regisseure, evtl. noch Schauspieler, aber nur selten berühmte Drehbuchautoren wie Salim-Javed (die sich teils ausdrücklich auf klassische westliche Literatur stützen).

Krasa erklärt Sitten und Gebräuche, u.a. das Berühren der Füße, Holi- und Dilwali-Fest. Vielleicht habe ich nicht aufgepasst, aber ich vermisste Erklärungen zu Bindi (roter Punkt auf der Stirn), Sindhur (roter Streifen auf Mittelscheitel verheirateter Frauen), zum Kerzenschwenken vor Besuchern und Altaren und zum Einreiben eines Gesichts mit Farbe. Das gehört jedoch eher in einen „Kauderwelsch“-Band als Abhandlungen zur Entwicklung der indischen Filmindustrie.

Zum Aufbau des Bändchens:

Die Bemerkungen in der Randspalte irritieren: Sie setzen manchmal unmittelbar den Lauftext fort, dann hätten sie auch dort stehen sollen. Teils ist der Text in der Randspalte fast ausführlicher als der Lauftext und Randbemerkungen auf unterschiedlichen Seiten beziehen sich aufeinander, so dass man zwei Texte gleichzeitig verfolgt. Krasa liefert zum Schluss nützliche Web- und Buchtipps (Stand 2007 bei meiner Ausgabe).

So, wie es sein soll: Unter dem transkribierten Hindi-Original steht zunächst eine Wort-für-Wort-Übersetzung ins Deutsche – auch wenn das völlig kaputt klingt, bekommt man nur so einen Sinn für Vokabeln und die oft ungewöhnlichen Hindi-Satzkonstruktionen. Danach folgt noch eine Übersetzung in gängiges Deutsch.

Was ich vermisst habe:

Allerdings fehlen in Krasas deutscher Wort-für-Wort-Übersetzung Punkte und Ausrufezeichen, teils auch Kommata. Die somit satzzeichenfreie Direktübersetzung klingt darum deutlich konfuser als nötig und der Vergleich mit dem Hindi-Satz wird erschwert. Die Hindi-Transkription ist dagegen mit Punkt und Komma übersichtlicher strukturiert. Beispiel für eine interpunktionsfreie Direktübersetzung:

„Schmerz zu erdulden notwendig ist Wunde zu nähen notwendig ist Traurigkeit zu hinnehmen notwendig ist ist doch groß(w) Schwierigkeit aber Leben zu leben notwendig ist“

Der entsprechende Hindi-Satz wird dagegen durch vier Kommata gegliedert, das wirkt gleich übersichtlicher.

Ich überlege noch, ob man einzelne Worte in unterschiedlichen Farben zeigen sollte, z.B. ein Hindi-Wort rot und das entsprechende deutsche Wort auch rot, das nächste Wort dann blau und das entsprechende deutsche auch blau. Dabei könnte man einheitliche Farben für Verben, Hauptwörter, Adjektive und Personalpronomen verwenden. Das erhöht freilich Schreibaufwand und Druckkosten.

Oftmals liest sich die deutsche Transkription anders als altbekannte und in vielen Filmtiteln verwendete englische Hindi-Transkriptionen, zum Beispiel „men“ statt „main“, „karor“ statt „crore“, „shola“ statt „sholay“. Andererseits benutzt Krasa „j“ und „sh“ wie ein Englishsprecher.

Das könnte man besser machen:

Das Buch sollte auch einen kurzen Bollywood-Dialog (nicht nur einzelne Sätze aus Dutzenden Filmen) komplett wiedergeben – in lateinischer Hindi-Transkription plus Wort-für-Wort-Deutsch und nochmal in richtigem Deutsch. Einen kurzen, weit verbreiteten Dialog, der leicht per DVD oder Internet zugänglich ist. So könnte man ein Gefühl für die Aussprache und für die Hindi-Transkription entwickeln.

Krasa liefert viele Filmlisten, aber ohne Direktübersetzung, höchstens mit dem Titel des deutschen Vertriebs. Es gibt eine 1000-Wörter-Vokabelliste mit „filmi“ Vokabeln, aber sie krankt wieder daran, dass Krasas an Deutsch orientierte Umschrift von der gängigen englischen Umschrift abweicht und man muss sich Filmtitel aus einzelnen Wörtern zusammenklauben („le jayenge“ habe ich nicht gefunden).

Benötigt wird eine Liste mit Wort-für-Wort-Übersetzungen der wichtigsten Filmtitel seit 1995 oder 1975, zitiert in ihrer gängigen – an Englisch orientierten – Hindi-Transkription (ausgewählt z.B. nach Filmfare-Preisen, Kassenerfolg in Indien oder DVD-Erfolg im deutschsprachigen Raum). Auch ein Verzeichnis der Sachbegriffe fehlt.


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