Jazz-Doku: Thelonious Monk – Straight no Chaser (mit Video) – 6 Sterne

Der Film (engl. Straight, No Chaser, dt. Thelonious Monk, Eine Jazzlegende; 1988) zeigt ausgedehnte Live-Aufnahmen Monks in Schwarzweiß 1968, oft nicht vor Publikum, sondern bei Plattenaufnahmen. Alle Monk-Klassiker von ‚Round Midnight bis Epistrophy sind zu hören. Während die Kameraführung oft dilletantisch wirkt, ist die Bildqualität passabel, der Ton exzellent – und es ist Monks frisches, vitalisierendes, einzigartiges Jazzklavier.

Viel Jazzgeschichte zu Thelonious Monk liefert Straight, No Chaser nicht. Es gibt ein paar Interviewschnipsel mit dem Manager Harry Colomby, mit dem Sohn und mit Monks langjährigem Saxophonisten Charlie Rouse, dazu anfangs ein paar Sätze aus dem Off. Doch schon Wikipedia liefert mehr Information als dieser Film.

Welche Figur macht Monk im Film?

Regisseurin Zwerin setzt ganz auf Atmosphäre. Monk ist freilich nicht der ideale Hauptdarsteller eines Musikfilms: Zwar sieht es gut aus, wie seine Finger fast verspielt über die Tasten hüpfen. Doch Monk – nach einem Leben voller Drogen, Polizei- und Rückschläge; wohl psychisch krank, wie schon sein Vater – wirkt oft abwesend, befremdend, unverständlich nuschelnd sogar, wenn er ein Bläserensemble instruieren soll (s. Filmausschnitt unten).

Aus den Interviews wird klar, dass er sich für seine Außenwirkung und für die Bedürfnisse anderer nicht interessiert. Äußerlich, mit eigentümlichen Kopfbedeckungen, unbeweglichem Gesicht und Zottelbärtchen, wirkt Monk wie ein verknöcherter Religionsgelehrter. Sogar Monks Sohn sagt im Film, dass er als Kind vor diesem abstoßenden Vater am liebsten davongelaufen wäre.



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