Jazz-Doku: The Jazz Baroness (2009, BBC, Regie Hannah Rothschild; mit Trailer) – 6 Sterne

Das Leben der „Jazz Baroness“ Pannonica de Koenigswarter, geb. Rothschild, im Bebop-New York der 50er, 60er und 70er Jahre ist das Hauptthema dieser BBC-Dokumention. Regisseurin Hannah Rothschild, Großnichte Pannonicas, schildert aber auch ausführlich den Lebensweg des Tastengenies Thelonious Monk; von allen Jazzmusikern, die de Koenigswarter unterstützte, war er ihr persönlich und musikalisch am nächsten, er wohnte auch länger bei ihr.

Wie so viele Doku-Filmer zeigt Hannah Rothschild zeigt immer wieder sich selbst: sie wandert durch das New York des 21. Jahrhunderts (also Jahrzehnte nach dem Tod der Hauptfiguren), sitzt in der U-Bahn, sichtet mit dreckigen Fingernägeln Archive. Diese Bilder sind genauso überflüssig wie die vielen historischen Autofahrten, Flugzeuglandungen oder vorbeifahrende Hochbahnen in der Doku; dabei wackeln die Aufnahmen oft stark. Die beliebig wirkenden Archivschnipsel unterlegen die britisch-aristokratische Stimme Helen Mirrens, die aus Briefen Pannonicas vorliest (meine DVD bot dazu englische Untertitel).

Hauptfigur Pannonica, oder kurz Nica, sieht man kaum einmal, die wenigen Filmschnipsel von ihr werden öfter wiederholt, sogar in Zeitlupe. Zu oft werden Filmszenen langsam ineinander geblendet. Überflüssig auch die Schmetterlinge oder Motten (Pannonica Rothschild wurde nach einer Mottenart benannt). Immerhin: Hannah Rothschild vermeidet nachgestellte Szenen.

Diese Stars lernen Sie außerdem kennen:

Zu den wichtigen talking heads dieser Doku zählen die Musiker Quincey Johns und Sonny Rollins, dann Clint Eastwood (u.a. Regisseur des Charlie-Parker-Films Bird) sowie Monks Manager Harry Colomby und Monks Sohn Thelonious Jr. In den Extras liefert die DVD weitere Interviewausschnitte mit 14 schon aus dem Film bekannten Gesprächspartnern, meist drei bis sechs Minuten lang (wiederzufinden auf der Webseite zum Film).

Pannonicas Kinder verweigerten wie üblich das Gespräch mit den Medien, Hannah Rothschild bekam aber noch Pannonicas ältere Schwester Miriam und einen weiteren Verwandten vor die Kamera. Rothschild erzählt ja auch nicht nur von New York, sondern beschreibt jeweils ebenso die unterschiedlichen Kindheiten von Pannonica Rothschild in England und von Thelonious Monk in North Carolina.

Zur Atmosphäre:

Meist läuft Monks Jazz im Hintergrund; in Verbindung mit den historischen und durch Überblendungen oder starkes Vergrößern teils leicht psychedelischen Bildern entsteht eine treibende, anregende Atmosphäre. Aber mehr als wenige Sekunden reiner Musik lässt Hannah Rothschild nicht zu, dann überlagert wieder ein Sprecher die Tonspur. Wer Monk ausführlicher spielen sehen und hören will, besorgt sich die Doku Straight, No Chaser (mit Aufnahmen v.a. von 1968).

Hannah Rothschilds Erzählung im Film erinnert deutlich an ihr Buch zum selben Thema. Beide überzeugen mich nicht sonderlich, ebensowenig wie David Kastins Biografieversuch „Nica’s Dream“.

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