Jazz-Biopic: Bird (1988, über Charlie Parker, Regie Clint Eastwood; mit Trailer) – 6 Sterne

Das erwachsene, kurze Leben des Jazzgenies Charlie Parker (genannt Bird) in New York und Kalifornien. Für mich springt nie so recht der Funke über, es wirkt manchmal wie nachgestellte Szenen in irgendeiner Doku.

Große Teile des Films (1988, 2:40 Stunden lang) spielen in dunklen Räumen, Gesichter liegen allzu dramatisch im Halbschatten. Die Handlung läuft zäh; einige Details der Handlung habe ich nicht verstanden, und hätte ich nicht vorher Parkers Biographie im Internet gelesen, wäre mir noch viel mehr unklar geblieben.

Das leistet der Hauptdarsteller:

Parkers Drogenabsturz erscheint im Film nicht so hart, wie ich befürchtet hatte. Sein Darsteller Forest Whitaker, für die Bird-Arbeit mehrfach ausgezeichnet, behält ohnehin bis zum Schluss ein milchbärtiges, frisches Knabengesicht, dem man nicht eine Sekunde lang die angeblichen Frauenabenteuer und Drogenverwüstungen glaubt.

Whitaker wirkt eher wie unschuldige 15, auch in der Szene seines Todes; und so passt es ganz und gar nicht, dass der den Tod feststellende Film-Arzt ihn auf 65 schätzt (der tatsächliche Arzt Robert Freyman hatte den 34jährigen Parker auf in den Fünfzigern geschätzt). Die längeren Musikszenen klingen ansprechend, begeistern aber kaum (teilweise wurde Parkers Saxofon mit neu eingespielten Begleitinstrumenten unterlegt).

Hintergründe, die Sie kennen sollten:

Parker starb 1955 in der Suite der Baronin Pannonica de Koenigswarter, die kurz vor ihrem Tod 1988 mit Regisseur Clint Eastwood noch über das Bird-Filmprojekt geredet hatte. Im Film wird sie von Diane Salinger viel zu lasziv gespielt; de Koenigswarter hatte vorab geurteilt, Salinger sehe aus wie ein „constipated horse“. Regisseur und Ex-Pianist Clint  Eastwood sah Charlie Parker 1945 noch live auf der Bühne.

Im Vergleich zum Jazz-Spielfilm Round Midnight mit Dexter Gordon in der Hauptrolle wirkt Bird musikalisch, visuell und inhaltlich härter, weniger geschmeidig und eingängig.

Bitter: Meine DVD lieferte nur deutschen Ton und deutsche Untertitel. Keinen Originalton – und auch sonst keine Extras.

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