Kindheitserinnerung Sizilien: Das Kind unterm Salatblatt, von Luigi Brogna (2006) – 6 Sterne

Brogna liefert eine Kette liebenswerter Kinderanekdoten aus der Zeit, als er ungefähr fünf bis zehn war und in Messina, Sizilien, aufwuchs. Er erzählt mit einer naiven Kinderstimme, und das Ergebnis klingt wie das Buch eines Kindes über Kinder und geschrieben *für* Kinder. Ich habe ein paarmal gelacht und gelegentlich gelächelt; allerdings wirkt der Text zwar öfter lustig, aber meist auch banal und naiv ohne doppelten Boden. Die heiteren Geschichtlein lesen sich dabei runter wie Butter.

So hat das Buch auf mich gewirkt:

Brogna liefert 350 Seiten lang eine Schnurre nach der anderen, mal ein Unfall oder eine Schlange im Brunnen, mal der Nagel in Signor Antonios Fiatreifen, dazwischen ein paar Aberglaube-Geschichten der Altvorderen. Meist geht es um Streiche und Unfälle, die Beteiligten lernen wir nicht genauer kennen – das ist ein Comic, keine Charakterzeichnung.

Trotz der vergehenden Jahre gibt es kaum eine Entwicklung. So wirkt das Buch weniger wie ein Roman, eher wie eine Sammlung lose verbundener Anekdoten oder Kurzgeschichten aus dem südlichen Italien. Zwar gibt sich Brogna mit den Überleitungen zwischen den Episoden erkennbar Mühe, doch nichts entwickelt sich weiter, es bleibt immer zeitlos (außer auf den letzten fünf Seiten). Ideal als Fortsetzungsroman oder Vorabendserie.

Die Fortsetzung heißt Spätzle al dente, da ist die Familie nach Deutschland ausgewandert. Beide Bücher gibt es auch zusammen in einem Band.

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