Rezension indischer Spielfilm: Salaam Bombay! (1988, Regie Mira Nair; mit Trailer) – 9 Sterne

Wunderschöne Bilder von schönen Menschen in extrem unschöner Lage. Toll gefilmt, toll recherchiert, an Originalschauplätzen in den Straßen und Kammern des Millionenmolochs, fast eine Dokumentation mit eingestreuter Spielhandlung (die Regisseurin und studierte Havard-Soziologin Mira Nair hatte zuvor Dokumentationsfilme gedreht und suchte ein Doku-artiges sujet, bei dem das Ergebnis besser als bei einer reinen Reportage steuern kann).

Ergreifend, fesselnd und Futter für Sozialvoyarismus. Der Film zeigt Gewalt, Zynismus und Überlebenskampf mit einer ähnlichen inneren Wucht wie „Slumdog Millionaire“, doch tatsächliche physische Gewalt ist relativ kaum zu sehen; „Salaam Bombay!“ kommt weit weniger brachial daher und will nicht mit der Brechstange verstören.

Die vielen jungen Straßenkinder wirken als Laiendarsteller sehr echt, die erwachsenen Profischauspieler und die teils verkommenen Drehorte auch. Echt auch das Ende: ohne Hoffnung.

Das wurde aus den Hauptdarstellern:

Ohne Hoffnung auch das weitere Leben: Der Hauptdarsteller, Straßenjunge Shafiq Syed („Krishna“, wirkt wie 11 Jahre alt, war aber beim Dreh schon 15), versuchte vergeblich, an neue Filmaufträge zu kommen. Offenbar behinderte seine Herkunft die Wahrnehmung der Casting-Beauftragten.

Shafiq Syed hat heute eine Familie und ein Rikshah-Unternehmen. Der Jungschauspieler mit der Rolle „Insect“ wurde von der Kamerafrau adoptiert, zog nach Kalifornien und lebt dort verheiratet mit einem westlichen Namen.

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