Rezension Indien-/Südasien-Reportagen: Age of Kali, von William Dalrymple (1998) – 8 Sterne

Das Buch wurde 1998 abgeschlossen. Viele der Reportagen entstanden aber schon Anfang der 90er Jahre im Zeitschriftenauftrag und wurden 1997 oder 1998 für das Buch umgeschrieben oder mit einem Nachwort versehen. Neben „Indian Travels“ (Untertitel) enthält das Buch ausführliche Berichte aus Pakistan, Sri Lanka und La Réunion, aber nicht aus Nepal oder aus der indischen Diaspora.

Einige Reportagen sind an die 30 Seiten lang, tiefschürfend historisch und doch voll lebendiger Details, Begegnungen und Beobachtungen. Andere Stücke beanspruchen nur wenige Seiten und wirken darum etwas blass – offensichtlich hatte die Redaktion nur einen kurzen Bericht bestellt, doch Dalrymple kann so viel so gut erzählen, dass man gern mehr lesen würde.

Minister und Unberührbare:

William Dalrymple fährt in entlegene und gefährliche Gebiete, er trifft Unberührbare, Minister und Glamourfiguren. Dalrymple erzählt weitgehend urteilsfrei, mitunter schwingen leichte Ironie oder Kopfschütteln mit. Die Stücke aus Nordindien handeln von Gewalt, Korruption und Zerfall, Pakistan wirkt vollends archaisch, friedlicher ist es im Süden.

Dalrymple erzählt dabei gut lesbar und unterhaltend, ohne je zu dramatisieren oder reißerisch zu klingen. Jedes Stück mischt Portraitskizzen, Landschafts- und Milieubeschreibungen mit historischen Rückblenden; es sind keine Reiseberichte mit touristischem Nutzwert, sondern fundierte Hintergrundreportagen eines Südasien-Forschers und -Erzählers.


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