Rezension Indien-Spielfilm: Iqbal (2005, mit Naseeruddin Shah, Shreyas Talpade) – mit Trailer & Song – 8 Sterne

Der taubstumme Dorfjunge Iqbal will ein Cricketstar werden. Dabei spielt er nicht mal in einer Mannschaft, und die Cricketverband-Oberen haben eigene, unsportliche Kriterien.

Der schlichte, leicht märchenhafte Dorffilm wird getragen von lauter liebevollen, liebenswerten Darstellern:

  • Natürlich Hauptakteur Shreyas Talpade, der seine Wonneproppen-Qualitäten auch in Om Shanti Om, Welcome to Sajjanpur und Dor genussvoll ausagierte (seine Actionfilme kenne ich nicht) und hier exzellent bis ergreifend gezeigt wird;
  • dann vor allem seine kleine Filmschwester Shweta Prasad als rasante Gebärdensprache-Simultan-Dolmetscherin und unsentimentaler Mentalcoach;
  • dazu ein knurriger Naseeruddin Shah,
  • eine liebevolle Filmmutter Prateekshah Lonkar
  • und selbst der zunächst skeptische Filmvater Yatin Karyekar hat letztlich Verständnis.

Sie alle sind sich meist von Herzen zugetan, unterstützen die Ambitionen des stummen, tauben Bruders oder Sohnes und klopfen ganz nebenbei noch ein paar filmi filmi Sprüche. Klasse.

Was auffällt:

Iqbal spielt in längeren Passagen draußen auf dem Acker und nicht im Studio. Das gibt es sonst nur in Tamil- und Malayalam-Produktionen oder aber bei Indie-Filmer Shyam Benegal, etwa in „Ankur“.

Und genau Benegal setzte die „Iqbal“-Stars auch bereits prominent ein: So gibt Shreyas Talpade den gewitzten Dorfschreiber von „Sajjanpur“ und Naseeruddin Shah spielte lange vor „Iqbal“ schon einmal einen frustrierten Trunkenbold – als Puffwart in Benegals „Mandi“. Natürlich denkt man nach „Iqbal“ auch an „Chak de! India“, ein anderer Film, in dem Underdogs sich im Sport hocharbeiten .

Kleinere Schwächen zeigt der allseits gelobte, in Indien auch erfolgreiche Film, ebenfalls:

Die Hintergrundmusik wiederholt sich und hat kein Flair; die Darsteller wirken oft zu frisch geduscht und gecremt in ihren Rollen als hart arbeitende Dörfler; wenn er hart-entschlossen gucken soll, erscheint Talpade leicht übertrieben.

Die letzte halbe Filmstunde zeigt ein Cricketmatch und wer die Regeln nicht kennt, bekommt sie in „Iqbal“ auch nicht näher erklärt. Kurz tritt die leibhaftige Cricketlegende Kapil Dev auf und freut sich, dass Filmfigur Iqbal einen Büffel nach ihm benannt hat. Wird Iqbal das entscheidende Match gewinnen?

Wer noch mehr neuere Dorf-Filme aus Indien sucht, wird fündig bei Altmeister Shyam Benegal mit Welcome to Sajjanpur und Well Done Abba. Diese milden Komödien haben etwas weniger Herz als Iqbal, aber einen schärferen Blick auf die Gesellschaft. Die besten indischen Dorf-Filme kommen aber aus Tamil Nadu und Kerala.

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