Indien-Spielfilm: Der Besucher (1991, Regie Satyajit Ray) – mit Trailer – 5 Sterne

Ein angeblicher „Onkel“ nistet sich bei einer gutsituierten Bengalen-Familie ein – man kennt ihn nicht recht, aber rauswerfen will man den „Onkel“ nun auch nicht (engl. The Stranger, Bengali Agantuk).

Die ersten 90 Minuten spielen weitgehend im Einfamilienhaus, es wirkt wie ein Theaterstück (Regisseur Ray war bei den Dreharbeiten bereits schwer krank und wollte keine anstrengenden Außendrehs). Es gibt lange Reden, lange  private Liedvorträge, auch ein bisschen deutsche Sprache (die mal als „Van Dehlust“ im Untertitel erscheint).

Nicht uneingeschränkt spannend:

Die typische Kalkutta-Bengali-Film-Atmosphäre: ein leeres, offenes Haus mit pastellgetünchten Wänden, Männer mit Anzug, Hornbrille und Zigaretten, Frauen mit Sari und Bindi, Bengali-Nabelschau, alle sehr vernünftig.

Ja, es macht nervös, wie der hereingeschneite „Onkel“ (ist er’s oder ist er’s nicht?) seine Identität hinterm Berg hält, seinen Pass selber anzweifelt und die Gastgeber mit angedeuteter Wonne schmoren lässt. Die moderat wohlhabende Bengali-Familie überzeugt, weil sie keinerlei filmi Marotten zeigt.

Langatmig:

Die Kameraarbeit ist betont nüchtern. Wenn nur die Dialoge nicht so langgezogen und gebildet wären (erwähnt werden Aristoteles, Aristophanes, Tagore, Einstein, Shakespeare, Freud, Marx u.v.a.m.).

Für alle Kritiker ein hochwertiger Film, auch preisgekrönt, für mich persönlich nicht so ergiebig. Manche Kritiker reden von einer „Komödie“, diese Einstufung verstehe ich auch nicht.

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