Rezension Hongkong-Roman: Kowloon Tong, von Paul Theroux (1997) – 8 Sterne

Der Roman von 1997 ist spannend geschrieben, gegen Ende zieht sich die Handlung unheilvoll zu. Exzellent wie oft bei Paul Theroux auch die Dialoge, das schnodderige Englisch der Briten in Hongkong („he hopped it“ über einen davongelaufenen Diener; „Chinese Take-away“ über den Wechsel zu chinesischer Herrschaft). Die Dialoge machen die Figuren ungemein lebendig, dazu kommen nachvollziehbare Gedankenströme, die Theroux nie zu lange ausdehnt.

Man fühlt sich nach Hongkong versetzt, fährt die Hügel hoch, erlebt die schwüle Luft, die Tropengüsse, die Staus, den Trubel in riesigen Restaurants, das chinesische Essen, die Lärmkulisse in der Textilfabrik des Hauptakteurs. Die Handlung selbst umfasst nur ein paar Monate, doch Gedanken und Hintergrundinformationen reichen Jahrzehnte zurück – ohne dass es langweilig oder konfus wird. Interessant auch die Einblicke in Wirtschaftsleben und Expat-Szene.

Ein paar Schwächen:

Vielleicht ist dies der beste asiatische Roman von Paul Theroux, allerdings sind Saint Jack und The Consul’s File auch gut. Die acht Sterne für Kowloon Tong vergebe ich nur knapp: Die Hauptfigur wirkt fast unglaubwürdig kraftlos, Chinesen erscheinen etwas monoton gleichartig, ein Schicksal bleibt ungewiss. Das Englisch war für mich leicht.

Neben den packenden Dialogen enthält Kowloon Tong viele andere Merkmale, die man von Paul Theroux gut kennt: undurchschaubare bis brutale Chinesen und ihre Verächtlichkeit gegenüber Westlern; die Unterlegenheit und Ausgesetztheit skrupulöser Weißer gegenüber unbeschwert brutalen Einheimischen; ausgiebige Rotlichtstreifzüge (wie auch in seinen Reisebüchern und in Hotel Honolulu); alltäglicher Rassismus; unsympathische Hauptfiguren; sogar seinen Hass auf Singapur bringt Theroux wieder unter.

Weitere Hongkong-Romane, beide wurden auch verfilmt:


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