Haiti-1.-Welt-Spielfilm: In den Süden (2005, mit Charlotte Rampling; mit Trailer) – 6 Sterne

Gutsituierte Frauen aus der ersten Welt fliegen in ein armes Land (hier Haiti in den 70ern) und lassen sich zum Wellenrauschen von kaffeebraunen Beachboys verwöhnen. In diesem Film (Regie Laurent Cantet; englisch Heading South, Französisch Vers le sud) sieht man mehr Männer- als Damenhaut.

Und es herrscht durchgehend Anspannung – zwischen den Frauen und ihren Liebhabern harmoniert es nicht, die Touristinnen untereinander belauern sich auch, die Einheimischen in ihrer eigenen Welt leiden unter Korruption und Polizeigewalt. Zeitweise wirkt die Darbietung schlicht steif.

Charlotte Rampling jedoch spielt gut, und sie wirkt weit jünger als die 58 Jahre, die sie im Film und im richtigen Leben alt war. Doch ihre Figur spricht so zynisch, dass sogar ich es nicht mehr mochte. Karen Young bekommt dafür unsäglich naive Sätze.

Ist das ein Film mit Urlaubsatmosphäre?

Dass keine Urlaubsatmosphäre aufkommt, liegt nicht nur an den atmosphärischen Störungen und am teils verkrampften Spiel. Die Kamera bemüht sich auch nicht um attraktive, traumhafte Bilder.

Offenbar entstanden die Strandszenen in der Dominikanischen Republik; der Strand wirkt indes nicht arg karibisch, das Hotelrestaurant und die Zimmer sind höchstens mittlere Mittelklasse (vielleicht ist das realistisch), die Hotelband spielt schwach. Dabei zeigen Kamera und Regie jedoch interessante Choreographien; oft sieht man weit hinter der Figur im Vordergrund noch andere Personen, die für diese Szene wichtig sind; ein paarmal wandert die Kamera reizvoll.

Das Grundthema – reiche Touristinnen mit schwarzen Gigolos – erinnert auch an den Spielfilm Paradies Liebe (2012, Regie Ulrich Seidl) sowie an den ersten Teil von How Stella Got her Groove Back (1998).


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