Rezension Finanzkrise-Roman: Charlie Summers, von Paul Torday (2010) – 8 Sterne

An diesem Roman über die Finanzkrise gefiel mir:

  • solide Konstruktion, sichere Erzählstimme – der Leser ist in guten Händen
  • ordentliche Dialoge mit klar unterscheidbaren, markanten Charakteren (Kleinstadtbetrüger, zynischer Geldadel, lässiger Landadel) (ich hatte die englische Ausgabe)
  • einige Mechanismen der Finanzkrise anschaulich, aber nicht zu simpel dargestellt
  • eher wenig interessante Figuren (meist englische Landedelmänner) in interessante Handlung gepackt
  • obwohl das Thema nicht wirklich fesselt, konnte ich den Roman kaum weglegen
  • Wiedersehen mit netten Bekannten aus früheren Torday-Romanen
  • mehrere Parallelhandlungen unaufdringlich verschränkt, ohne viele Rückblenden

Bedenken erzeugten jedoch:

  • kleinere Implausibilitäten z.B. beim Dreieck Eck – Aseeb – Bilbo
  • die Auswüchse vor dem Finanzcrash werden etwas zu dräuend gezeigt
  • gegen Ende scheint Paul Tordays Schreibfreude nachzulassen, er liefert plötzlich lange Zusammenfassungen statt Dialoge und weniger genaue Schilderungen

In England erschienen als „The Hopeless Life of Charlie Summers“. Ich kannte schon die Torday-Romane „Salmon Fishing in the Yemen“ (2006) und „Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen, engl. The Irresistible Inheritance of Wilberforce“, aber dieser hier (2010) ist noch besser.

Es gibt die bekannten Torday-Motive: begütertes Landleben einige Stunden nördlich von London mit Zwischenaufenthalten in der wenig geliebten City; Angeln im Fluss; konfuse, sinnlose Einsätze zwischen Pakistan und Irak; Wein; dunkle Landhäuser in Nordengland; Erbschaft; Jagd.

Und wir treffen die früheren Figuren Eck und Harriet Chetwode-Talbot wieder. Ihre Beziehung entwickelt sich reizvoll und ohne Klischees.

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