Filmkritiken zu: Hanna Arendt (2012, R von Trotta, D Sukowa) – 7 Sterne

Spiegel:

… eine atemberaubende Barbara Sukowa… „Hannah Arendt“ ist auch ein sehr schöner Film über das Verfertigen der Gedanken beim Rauchen geworden. Die Denkerin auf dem Diwan ausgestreckt zu sehen, wie sie Rauchwolken produziert, ist nicht nur ein visueller, sondern auch ein intellektueller Genuss… Axel Milberg agiert sehr sympathisch als der offenbar sehr sympathische Ehemann Hannah Arendts

FAZ:

Sosehr sich die Autorinnen darum bemühen, eine prägnante Perspektive zu entwickeln, dient doch ein guter Teil der Handlung der konventionellen Darstellung von Geschehnissen, wie sie im Leben einer Denkerin nun einmal die vorherrschenden sind. Gespräche mit Redakteuren, Feilen an Formulierungen, schnelle Absprachen mit dem nicht minder beschäftigten Gatte… eine (ziemlich verunglückte) Rückblende auf die Liebesgeschichte der Protagonistin mit Martin Heidegger

taz:

So bietet der Film nicht nur zeitgeschichtliche Aufklärung, sondern auch – einer alternden Zielgruppe gemäß – die rührende Liebesgeschichte eines älter werdenden Ehepaares… der Film „Hannah Arendt“ ist unbedingt sehenswert, und zwar nicht nur, weil es Barbara Sukowa gelungen ist, einer inzwischen zur Ikone der selbstverständlich antitotalitären Zivilgesellschaft geronnenen, aber kaum gelesenen Philosophin wieder Leben einzuhauchen. Zudem laden die – wie stets bei von Trotta – überdeutlichen, beinahe zu didaktisch präsentierten Debatten zum Mitreden und Mitdiskutieren ein.

Zeit:

Von Trotta erzählt das alles recht treuherzig, sehr artig und manchmal ziemlich holzschnittartig. Sie überfordert den Zuschauer nicht, die Handlung wird mit sämiger Musikpaste bestrichen, und dass am Riverside Drive Tag und Nacht die Polizeisirenen heulen, versteht sich von selbst.

Artechock:

…diskur­sives Denken als Hand­lungs­motor und span­nungs­trei­bendes Element… Sie infor­miert eloquent über die deutsche Nach­kriegs­dia­spora in den USA, einen histo­ri­schen und juris­ti­schen Präze­denz­fall, führt in die Arendt­sche poli­ti­sche Theorie ein – und erzeugt damit tatsäch­lich Spannung, berührt und schafft noch etwas ganz anderes. Sie zeigt, dass Denken sexy sein kann… Auch hier gelingt es ihr, aus histo­risch scheinbar staub­tro­ckenem Material eine völlig über­wäl­ti­gende Dramatik zu erzeugen… In dem fulmi­nanten Ende lässt Sukowa Hannah Arendt mit einer gran­diosen Vertei­di­gungs­rede fast gespens­tisch wieder­auf­er­stehen – und beschwört dabei nicht nur die brillante, große Theo­re­ti­kerin und Rheto­ri­kerin in fast eroti­scher Inten­sität, sondern auch einen Menschen mit der nur allzu selten verteilten Gabe von schlichtweg atem­be­rau­bender Zivil­cou­rage. 

EPD-Film:

Hannah Arendt ist ein »Talkie«, ein Sprechfilm im buchstäblichen Sinn… Margarethe von Trotta hat mit Koautorin Pam Katz ein Drehbuch verfasst, in dem der Austausch von Argumenten die wahre Action bildet.

Süddeutsche Zeitung:

Das Portrait überzeugt und ergreift, obwohl man immer wieder Einwände gegen die mise en scène vorbringen möchte: gegen den bisweilen hölzernen Didaktik-Stil, gegen eine Kombination von Archivaufnahmen vom Eichmann-Prozess und arrangierten Spielszenen, die das Inszenierte kraftlos erscheinen lassen muss. Es irritiert, dass Barbara Sukowa in der Titelrolle keine äußere Ähnlichkeit mit Hannah Arendt hat, und irritierender noch ist es, dass Frau Sukowa in bedeutsamen Momenten ein deklamatorisches Pathos pflegt, das Hannah Arendt ausdrücklich mied… Einwände gegen Trottas didaktischen Inszenierstil verflüchtigen sich angesichts der klug komponierten Wortgefechte. „Hannah Arendt“ entfaltet ein Drama im Widerstreit der Ideen

HansBlog.de:

Eine mittelalte Philosophin besucht einen Naziprozess und schreibt einen Artikel darüber. Das klingt nicht sehr anregend. Doch es wurde ein spannender Film daraus – auch wegen edler Bilder (Danke Degeto), charismatischer Haupt- und Nebendarsteller, gelegentlichem Witz, wenigen gut eingeflochtenen Originalszenen vom Prozess und einer anrührenden Nebenhandlung mit Liebe. Vielleicht war es schon zu filmi.

  • Zuschauerschnitt bei IMDB: 7,1 von 10 (7841 Stimmen im Januar 2017; nur Frauen 7,4)
  • Kritikerzustimmung bei Rotten Tomatoes: 88% (durchschn. Bewertung 68%, 66 Rezensionen, davon 58 positiv, mit engl. Zitaten)
  • Kritikerdurchschnitt bei Metacritic: 69 von 100 (mit engl. Zitaten)
  • Dt. Kritikerzitate bei Film-Zeit
  • Engl. Kritikerzitate mit Links bei Criticsroundup


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