Filmkritik: Zeit der Kannibalen (2014) – 4 Sterne – mit Trailer & Pressestimmen

Drei Unternehmensberater reden 90 Minuten teils hochgradig zynisch, teils idealistisch mit zunehmend dicker aufgetragenen Klischees. Dafür gab’s einen Drehbuch-Preis. Der Film spielt ausschließlich in Hotelzimmern und Besprechungsräumen, die Hochhäuser vor den Fenstern sind erkennbar Pappkulisse – künstlich stilisiert wie die Dialoge, Mienen und Szenarien (Regie Johannes Naber, Buch Stefan Weigl, mit Sebastian Blomberg, Katharina Schüttler, Devid Striesow).

Andere Filme aus der Geschäftswelt sind zumindest etwas besser, etwa Master of the Universe, Work Hard – Play hard, Unter dir die Stadt oder Up in the Air. Die Art, wie Zeit der Kannibalen nicht klar regional verortet ist (auch wenn man sich teils angeblich in Lagos befindet) erinnert an Veit Helmlers ebenfalls etwas im Luftleeren schwebenden Film Absurdistan.

Pressestimmen:

Spiegel:

Großartig ist, wie „Zeit der Kannibalen“ seine drei Hauptfiguren in einem Kammerspielsetting – der ganze Film spielt ausschließlich in Hotelzimmern, -suiten und -lobbys – mit wenigen Pinselstrichen vieldimensional entwickelt. Niemand ist hier ausschließlich stereotypes Abziehbild der fiesen Heuschrecke. Alle drei haben ihre Abgründe, ihre Empfindsamkeiten, ihre Vergangenheiten und ihre ursprünglich einmal idealistischen Motive… Wie der Film sie dabei grell comedyhaft überzeichnet, ihnen gleichzeitig aber eine fast melodramatische Tiefe gibt, das ist das Resultat des geradezu fabelhaften Ineinandergreifens von Buch, Regie und Schauspielern… eine großartig geschriebene und gespielte Groteske, eine tiefschwarze Komödie, wie man sie in ihrer Klug- und Gewitztheit, aber auch in ihrer kompromisslosen Härte aus Deutschland nicht erwartet hätte.

Die Zeit:

Der Film ist ein Kammerspiel, das den Ort des Geschehens überhöht, es zum Fetisch macht, zum Zeichen der Überhebung der Protagonisten über die Welt da draußen… eine treffend verdichtete Groteske… ((mit)) Dialogen, wie man sie in dieser Schärfe und stilistischen Brillanz in deutschen Filmen lange nicht gehört hat

FAZ:

Allein schon die konzentrierten, pointierten Dialoge, die den Beratersprech wiedergeben und die Verheerungen, die er für das Menschenbild der Redner bedeutet, wären einen Preis wert. Da ist kein einziges hohles denglisches Wort zufällig gesetzt. Und in der Darstellung von Striesow und Blomberg stimmt jeder verächtliche Blick, jede wegwerfende Geste, jedes herablassende Schikanieren des Hotelpersonals oder Geschäftspartners… ein Film, bei dem man die Luft anhält… ein Film, bei dem man die Luft anhält, um kein Wort zu verpassen. Gerade durch die abstrakt gestaltete Szenerie wirkt die Abwärtsspirale der Bedrohung, die der Film in Szene setzt, umso heftiger. Nahezu perfekt geht er mit seiner Dramaturgie der Spannung um…


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