Filmkritik: The Aviator (Hughes Biopic 2004 mit DiCaprio, Blanchett, R Scorsese) – 7 Sterne – mit Links & Video

Das Leben des exzentrischen Flugunternehmers und Filmproduzenten Howard Hughes (gespielt von Leonardo DiCaprio); eine seiner Frauen ist Oscar-Gewinnerin Katharine Hepburn, hinreißend gespielt von Cate Blanchett, die dafür ebenfalls einen Oscar erhielt (weitere Oscars gab es für Kamera, Schnitt, Ausstattung und Kostüme, dazu Nominierungen u.a. für besten Film, besten männlichen Hauptdarsteller, beste Regie (Martin Scorsese) und bestes Drehbuch, von John Logan).

Fast drei Stunden fantastische Bilder, jedes perfekt durchkomponiert, ästhetisch wert- und inhaltlich bedeutungsvoll, mit immer neuen Totalen, Nahaufnahmen, exzentrisch expressiven Gesichtern, kraftmeiernden Kranfahrten, dramatischen Flugszenen, turbulenten Festen (an Luhrmanns Gatsby erinnernd), aber ohne einheitliche Linie. Unentwegt dudelt Musik. Insgesamt großes Kino, mit der unmissverständlichen Selbstbehauptung: Ich bin großes Kino.

Dabei wirken die digital aufgeblasenen Flugszenen künstlicher als die etwas kleineren, aber wohl realistischeren Szenen aus der Catch-22-Verfilmung, und Hughes‘ letzte Sekunden vor der Sturzlandung in Beverly Hills erscheinen weitaus zu gedehnt. Das Altern der Hauptfiguren wird nicht deutlich.

Die Geschichte bleibt gleichwohl spannend, lässt jedoch viele Fragen offen, wie es beim Biopic eines langen spektakulären Lebens nicht anders sein kann. Das Abgleiten der Hauptfigur ins psychisch Kranke befremdet, auch wenn es vielleicht realistisch ist.

Aviator lief gut in den Kinos und sammelte viele positive Kritiken.

Kritikerübersichten:

  • IMDB: 7,5 von 10 Publikumssternen (273305 Stimmen, im Januar 2017)
  • Rotten Tomatoes: Kritikerzustimmung 87 Prozent (mit engl. Kritikerzitaten & Links)
  • Metacritic: Kritikerzustimmung 77 von 100 (mit engl. Kritikerzitaten & Links)
  • Film-Zeit.de: Links und Zitate von deutschen Kritiken
  • Filmz.de: Links zu deutschen Seiten und Kritiken

Sicher kein Meisterwerk…“ – deutsche Kritiken:

Der Spiegel:

Man kann „The Aviator“ nostalgisch, überambitioniert, ja sogar eitel finden: DiCaprios Porträt von seelischer Zerrüttung und genialischem Selbstentwurf jedoch gehört zu den Glanzleistungen eines Kinos, das eine Figur überdeutlich werden und zugleich rätselhaft bleiben lässt.

Artechock, Michael Haberlander:

…voll gepackt mit Stars, Ausstattungsorgien, rasanten Flugszenen und allem, was man für „großes Kino“ braucht… THE AVIATOR ist ein guter Film. Aber er ist sicher kein Meisterwerk, wie mehrfach schon behauptet wurde, und schon gar nicht ist er ein Martin Scorsese Meisterwerk, ja selbst als Scorsese Film ist er kaum zu erkennen. THE AVIATOR ist aufwendiges Unterhaltungskino… gut gemachtes Mainstreamkino, das über fast drei Stunden keine Langeweile aufkommen läßt… Die Kameraführung ist so uninspiriert wie selten zuvor, dafür sollen unmäßig eingesetzte Spezialeffekts (vor allem in den Flugszenen) für Dynamik sorgen und bringen doch nur Hektik. Die Leinwand quillt über vor Opulenz und zeigt doch keine bleibende Bilder… in THE AVIATOR versucht er sich (zu) oft am „big picture“ mit weiten Landschaften, riesigen Menschenmengen, enormen Dekors und (am schwächsten) lauten Actionszenen. All das bleibt erstaunlich spannungsarm und zeigt – wie beim Rekordflugzeug im Film – nur eine glatt polierte Oberfläche, ohne jede Unebenheit, ohne jeden Haken…

Artechock, Rüdiger Suchsland:

Stilistisch ist der Film perfekt, sieht man einmal von dem etwas zu deut­li­chen Einsatz digitaler Tricks, vor allem in den Flugszenen ab… So hat The Aviator genau das Tempo und die visuelle Spannung, jene Wildheit und entschei­denden zehn Prozent »over the top«, die ein solcher Film braucht, um emotio­nale Abgründe aufzu­reißen, und den Zuschauer zu fesseln. Es sind diese zehn Prozent, die einen Film zum Meis­ter­werk machen

Die Zeit:

Jens Jessen redet in der Zeit von einem „grandiosen“ Film und nennt DiCaprios Spiel „verehrungswürdig“; er findet Blanchetts Hepburn-Verkörperung „großartig, übrigens auch mit großartiger Komik“.

FAZ:

So ist es am Ende wie immer bei Scorsese: Männer, die um sich selbst kreisen und sich wundern, daß die Frauen irgendwann nichts mehr von ihnen wissen wollen. Bei aller technischen Brillanz, deren Kühnheit einen immer wieder staunen läßt, wirkt das doch auch irgendwie abgeschmackt. Hoffentlich gewinnt Scorsese mit „Aviator“ endlich seinen Oscar, damit er vom künstlich langen Atem ablassen und zur Atemlosigkeit seiner früheren Filme zurückfinden kann.

Visually sumptuous if disappointingly hollow…“ – Englische Kritiken:

Variety:

…enormously entertaining… While it doesn’t dig deeply into the psychology of one of the most famous industrialists and behavioral oddballs of the 20th century, Martin Scorsese’s most pleasurable narrative feature in many a year is both extravagant and disciplined, grandly conceived and packed with minutiae… “The Aviator” runs like a dream on all cylinders with scarcely a sputter or a cough… enthusiasts will have a field day watching all these amazing aircraft onscreen, both in live-action and in eminently satisfying CGI representations. It’s not that you can’t tell when a flight is being digitally rendered, but it’s all done amazingly well — the degree of artifice surrounding the entire picture allows the computer work to fit in gracefully rather than to stick out… Ever-present music plays a key role in sustaining the film’s effervescence, as Howard Shore’s propulsive original score meshes seamlessly with an enormous assortment of popular tunes from the periods…

The New Yorker:

…brilliantly entertaining…

New York Times:

visually sumptuous if disappointingly hollow… If the first hour of „The Aviator“ flows it’s because Hughes is at the top of his game and Mr. Scorsese is riding the character’s highs with a visual style that is equally fluid and effortless. But when Hughes starts falling apart, Mr. Scorsese loses his momentum. The film drifts into seemingly endless takeoffs and landings and a drawn-out drama involving Hughes’s competitors

USA Today:

‚The Aviator‘ takes off brilliantly and just keeps soaring

Roger Ebert (4 von 4 Sternen):

What an enthralling film, 166 minutes, and it races past.

Rolling Stone:

…a big, juicy, gorgeous, high-flying epic… crowd-pleasing, digitally enhanced… Casting the still-boyish Leonardo DiCaprio, 30, to play Hughes into his forties was a risk (Johnny Depp could have better nailed the dangerous, seductive pathology). That said, DiCaprio gives a turbocharged, ready-to-rock performance… Stunningly shot by Robert Richardson

Guardian (DVD-Kritik):

… his best for over a decade. Jaunty, propulsive and a visual feast


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