Filmkritik: Love Is All You Need (2012, mit Pierce Brosnan) – 5 Sterne – mit Video

Aufgesetzter könnte die Handlung nicht sein: Trine Dyrhom

  • hat Krebs mit ungewissem Ausgang
  • verliert ihren Ehemann an eine viel Jüngere
  • hat einen Sohn, der als Soldat nach Afghanistan muss
  • und eine schöne Tochter, die in Italien einen frauenfeindlichen Schwulen heiraten will
  • rammt aber erst noch mit ihrem Kleinwagen das Luxusmobil eines grimmigen Firmenchefs, und das am Flughafen unterwegs zur töchterlichen Hochzeit

Wo aber Verdruss ist, wächst das Rettende auch: Der grimmige Firmenchef besitzt nicht nur harte Schale, weichen Kern, sondern auch ein traumhaftes süditalienisches Landgut – es ist Pierce Brosnan, superreich und Single! Da geht doch was? Sind wir nicht in einer Romkom?

Anderes wirkt genauso unrealistisch übertrieben:

  • Der vulgär-egoistische Ehemann der Dyrhom
  • Die vulgär-dümmliche neue Tussi des Dyrhom-Ex
  • Die vulgär-aufdringliche Schwägerin der Brosnan-Figur
  • Dyrhoms nyddeliges hyggeliges Friseurlädchen
  • Das aufdringlich-romantische, riesige Landhaus an der Amalfiküste samt banalen Sonnenuntergängen und Kitschmusik
  • Das schmalzig-eindeutige Ende von Single-Dasein/Krebs-Bedrohung/Film

Der Film spielt zumeist in Italien – fast ohne Italiener. Die Brosnan-Figur ist charakterlich völlig undefiniert. Das Beatles-Stück, aus dem der deutsche Filmtitel zitiert, erklingt meines Wissens nicht im Film und passt auch nicht besser hinein als in jedes andere Liebesdrama. Unrealistisch wirkt, dass Trine Dyrhom den Vater ihres Schwiegersohns in spe vor der Hochzeit noch nie sah und dass ihr Schwiegersohn vor der Hochzeit noch nie mit der schönen Tochter schlafen wollte.

Und doch, und doch. Ich habe das freiwillig zu Ende gesehen. Zum einen, weil ich auf ein gebrochenes, weniger erwartbares, ungewisseres Ende hoffte. Auch wegen Szenen schöner Menschlichkeit (wenn es nicht ins Kitschige lappt). Und wegen der anbetungswürdigen Trine Dyrhom (wenn sie nicht grade die chemotherapiebedingte Perücke ablegt) (dänischer O-Titel Die kahle Friseurin).

Freie Assoziationen:

  • Pierce Brosnan reist zur Hochzeit eines Sprösslings an mediterrane Gestade, die letzte Meile mit dem Boot, das erinnert aufdringlich an den Musicalfilm Mamma Mia
  • Die aufgesetzte, überkonstruierte Schmalzhandlung samt Luxusdeko und Grobschnitzcharakteren lässt an zahlreiche Bollywood-Schmachtfetzen denken
  • Reicher kalter Unternehmertyp aus Nordmitteleuropa zieht aus dem schauderhaften Rattenrennen in ein riesiges mediterranes Landhaus und wird cooler Landmann, das zeigte Russell Crowe in Ein gutes Jahr (2006)
  • Ebenso überkonstruiert und mit Superreichen überfrachtet wie Love Is All You Need ist auch Susanne Biers Nach der Hochzeit (2006; sie hätte Love Is All You Need auch Vor der Hochzeit nennen können)
  • Wegen der europäischen Mischung aus einer teils sehenswerten Geschichte mit attraktiven, erwachsenen Figuren in Nahaufnahmen und derbem Schmalz: Pedro Almodóvars Julieta


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