Filmkritik: Julieta (2016, von Pedro Almodóvar) – 7 Sterne – mit Video

Die Trauer einer Mutter über den Kontaktabbruch der Tochter steht im Mittelpunkt des Films;  die Vorgeschichte läuft in langen, meist überschaubar angeordneten Rückblenden durch. Der Kontaktabbruch kam für mich völlig überraschend, ebenso wie die nachgelieferte Begründung für das Abtauchen der Tochter. Die gezeigte Handlung macht das nicht ganz nachvollziehbar. Noch mehr Tragödie liefern zwei Todesfälle, bei denen sich die Hauptfigur mitverantwortlich fühlt, gleich zwei schwer erkrankte, bettlägerige Ehefrauen und chronischer Ehebruch.

Emma Suárez und Adriana Ugarte spielen Julieta in unterschiedlichen Jahrzehnten. Ihre kontrolliert trauernden Gesichter prägen den Film. Dabei gibt es keine Tränen, keine Ausbrüche, nur mal Apathie in der Wanne – Pedro Almodóvar wollte es so. Speziell Suárez als die ältere Julieta bewältigt ihre Nahaufnahmen gut. Doch der Film lässt den Zuschauer nicht so mitleiden – weil sich die Hauptfiguren selbst die großen Emotionen versagen und weil die Handlung nicht restlos überzeugt.

Schauplatz Europa:

Regisseur und Drehbuchautor Almodóvar schrieb das Skript nach drei Kurzgeschichten von Alice Munro und wollte eigentlich mit Meryl Streep am ursprünglichen Schauplatz der Geschichten in Nordamerika drehen. Dann jedoch benannte er die Hauptfigur von Juliet zu Julieta um und wählte spanische Drehorte.

Das erlaubt den Hauptfiguren dieses Frauenfilms nicht nur knappere Kleider, wie ein Berufskritiker frohlockte. In einer schönen Mischung aus Innen- und Außenaufnahmen zeigt Almodóvar auch attraktive, aber nicht klischierte spanische Orte wie Galizien, die Pyrennäen, Madrid und ein bisschen Andalusien.

Und auch wenn die Geschichte für Almodóvar-Verhältnisse ernst und gesetzt daherkommt – die Optik ist unverkennbar Almodóvar, mit herb-schönen Frauenköpfen, geometrisch aufgeräumten Interieurs, knalligen Primärfarben und Kamera senkrecht von oben (hier allerdings nicht in das Dekolletee der Cruz). Insgesamt gelang Pedro Almodóvar so vielleicht nicht das völlig überzeugende Meisterwerk, und nichts Flippiges nach Art früherer Coups; aber doch ein sehr erwachsener und sehr europäischer Film – schön.


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